Mittwoch, 17. August 2016

Great Ocean Road

(Sonntag, 14. August 2016)

Dieser Trip wäre doch tatsächlich fast ins Wasser gefallen. Aber von vorn...
Wieder sehr früh am Morgen zog es mich aus den Federn. Vorteil: Im Gemeinschaftsbad ist noch nicht los und auch auf den Straßen begegnet man nur wenigen Menschen. Alles ist so ruhig und friedlich - und wunderschön! Ich lief entlang der Southbank-Promenade in Richtung Princes Bridge, denn mein Ziel war wieder der Federation Square bzw. die St Paul's Cathedral, der Treffpunkt der gebuchten Tour. Dabei wurde ich Zeuge eines wunderbaren Sonnenaufgangs, der durch die Heißluftballons, die über die Skyline von Melbourne hinweg glitten, gekrönt wurde. Ich bin wirklich kein Frühaufsteher, aber für solche Momente lohnt es sich dann doch und die Müdigkeit ist wie weggeblasen.
Auf die bevorstehende Tour war ich über Facebook durch den Typen, mit dem ich damals nach Port Stephens und zur Jervis Bay gefahren bin, aufmerksam geworden. Ein Freund von ihm bietet ähnliche Trips rund um Melbourne an. Und da meine Erfahrungen bisher durchgehend positiv waren und ich kleine, individuellere Touren bevorzuge, beschloss ich den Tag mit Aussie Escapades zu verbringen. 
Ich freute mich schon unglaublich auf diesen Trip, es war das Highlight meines Wochenendes und dann tauchen 6 der 12 eingeplanten Personen nicht auf. Sonntag Morgen um 7.30 Uhr, was ist wohl der Grund?! Eine durchzechte Nacht sollte mich völlig aus dem Konzept schmeißen, der Guide Justin war drauf und dran, die Tour abzusagen und uns einen Rabatt für das nächste Mal zu garantieren, da es sich mit so wenig Personen für ihn nicht rentiert. Für mich gab es aber kein nächstes Mal, ich würde am nächsten Tag bereits wieder abreisen. Ich glaube, die Enttäuschung und der Schock stand mir ins Gesicht geschrieben. Ich weiß nicht, was ihn letztendlich dazu bewegt hat, aber lange Rede kurzer Sinn: eine halbe Stunde später saßen wir im Van auf dem Weg zur Great Ocean Road. Zwar hatte er die Route etwas umgestellt bzw. umgedreht, damit die lange Rückfahrt zu unserer Anfahrt und die kurze Anfahrt zu unserem Rückweg wird und wir uns von Westen nach Osten anstatt anders herum hervor arbeiten, aber das war mir egal. Ich war einfach nur glücklich. Und durfte auch noch vorne sitzen - beste Sicht, bester Platz!
Nach drei Stunden Fahrt erreichten wir unser erstes Ziel, die Bay of Islands. Wow! Die Küstenlandschaft ist atemberaubend und es ist immer wieder faszinierend zu sehen, was Mutter Natur so alles erschaffen kann. Wunderschön und beeindruckend, vor allem die Kraft des Meeres, die wir an diesem Tag durch den enormen Wellengang zu spüren bekamen. Weiter ging es zur Bay of Martyrs, The Grotto und London Bridge, alles tolle Aussichtspunkte und einen Stopp und ein Foto wert. Mein persönliches Highlight war allerdings die Bucht Loch Ard Gorge, wo man zum Strand hinuntersteigen und die kolossalen Klippen von unten betrachten kann.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir wirklich viel Glück was andere Touristen anging, es war bei weitem nicht so überlaufen, wie ich es erwartet hatte, Fotos ohne andere Menschen im Hintergrund waren kein Problem :) Bei unserem nächsten Stopp, den 12 Aposteln, die aber eigentlich nur noch 8 sind, sah das Ganze natürlich etwas anders aus. Aber dank unseres Guides, der - vielleicht sollte ich das hier erwähnen - immer auf unsere Sicherheit bedacht war, und eines überwundenen Zauns konnten wir die Aussicht in Ruhe genießen. Ohne etwas gegen sie zu haben oder ihnen etwas böses zu wollen, aber die Asiaten sind hier (also in Australien) wirklich überall - und in ziemlich großer Masse... :D
Unermüdlich ging es weiter zu den Gibson Steps, wo man dank einer Treppe die Küstenklippe hinab steigen und ebenfalls an den Strand gehen kann und eine wunderbare Sicht auf einen der Apostel aus der Froschperspektive hat. Massiv!
Nach einem Barbecue machten wir uns wieder auf den Weg, dieses Mal hatten wir eine etwas längere Zeit im Van vor uns. Zunächst ging es für ca. eine Stunde nicht mehr direkt an der Küste entlang, die Aussicht war eher unspektakulär. In Apollo Bay angekommen, einem niedlichen kleinen Örtchen, verläuft die Great Ocean Road allerdings erneut parallel zum Meer und man staunt ununterbrochen über die Schönheit, die sich vor einem ausbreitet. Ich übertreibe nicht, es ist wirklich wunderwunderwunderschön! Die hügelige grüne Landschaft, die in dem Meer untergeht und durch die sich eine kleine Straße an der Küste entlang schlängelt. Und dann dazu der feine weiße Dunst der Wellen, die das Gesamtbild überziehen und mit einem mystischen Hauch versehen.
Wenn man Glück hat, kann man Küstennah Wale beobachten, Surfer sieht man aber zu hundert Prozent. Und wir entdeckten einen wilden Koala in einem Baum am Straßenrand. Meine Freude war natürlich riesig und dann saß er auch noch fast zum Greifen nahe auf einem Ast über unseren Köpfen. In Berührung kamen wir kurze Zeit später mit ein paar freundlichen und sehr zutraulichen bunten Vögeln, deren Namen mir schon wieder entfallen sind. Wenn man ihnen Vogelfutter anbietet, sieht die Szenerie wohl fast so aus wie die Taubenlady in Kevin allein in New York - nur farbenfroher! :D
Nach einem kurzen Stopp während des Sonnenuntergangs am Teddy's Lookout fuhren wir zum Great Ocean Road Tor / Memorial Arch und machten uns beim Einbruch der Dunkelheit noch auf Kängurujagd, die aber mehr oder minder erfolgreich war. Wir bekamen zwar welche zu Gesicht, aber nur aus weiter Entfernung und es wurde einfach zu schnell zu dunkel. Eine weitere Stunde Fahrt stand nun noch vor uns, bevor wir wieder in Melbournes Innenstadt abgesetzt wurden.
Fazit: Es war ein unvergesslicher, entspannter Tag mit tollen Menschen und einem super Tourguide. Ich bin Justin sehr dankbar, dass er uns dieses Erlebnis trotz schlechtem Start ermöglicht hat und uns fast die gesamte Great Ocean Road und ihre Schönheit zeigen konnte.

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