Mittwoch, 28. September 2016

Von Meerestieren und dem Frühling

(Montag, 19. September bis Sonntag, 25. September 2016)

Der Montag fing abermals mit meiner morgendlichen Surfstunde an, ähnlich gut, wenn nicht sogar noch besser als die letzte und vor allem intensiv. Denn wir waren nur zu zweit, sodass man, sobald man eine Welle erwischt hat und wieder hinauf aufs Meer gepaddelt ist, schon wieder an der Reihe war. Extrem anstrengend, aber durchaus zufriedenstellend. Und wenn dann ein junger Wal auch noch eine 10-minütige Springshow einlegt und uns somit eine faszinierende, atemberaubende und einem ein-Strahlen-aufs-Gesicht-zaubernde Pause beschert, gibt es rein gar nichts mehr zu meckern ;) Ein Kaffee am Strand bei strahlendem Sonnenschein in Gesellschaft von Caro und Verena rundete meine freie Zeit schließlich ab.
Dieses Glücksgefühl, dass alles wunderbar ist und mich in letzter Zeit häufiger überkommt, und meine gute Laune wurde am späten Nachmittag jäh zerstört, als ich nur knapp einem Autounfall entging. Ich hatte bei normalem Tempo innerorts beide Kinder im Auto und ein anderer Fahrer hat mir die Vorfahrt genommen. Es ist nichts passiert, er hat bremsen, ich ausweichen können. Aber es war haarscharf und solche Momente lassen einen erst so richtig realisieren, was alles hätte passieren können. Ich weiß, das ganze "hätte, wenn und aber" bringt einen nicht weiter, vor allem weil ja alles gut gegangen ist, aber abstellen kann ich solche Gedanken dann leider doch nicht und die Situation hat mich ähnlich wie der Unfall des Kleinen letzte Woche ziemlich aufgewühlt. Ich bin sogar abends auf meiner Fahrt zum Fitnessstudio noch einmal an der Stelle vorbei gefahren, nur um sicherzugehen, dass ich nicht Schuld war, irgendein Verkehrsschild übersehen habe und mir das womöglich wieder passiert. Manchmal wünschte ich mir, ich könnte meinen Kopf und meine tausend Gedanken einfach ausschalten...
Fröhlicher ging es in der Woche weiter. Am Dienstag gesellten sich drei Delfine zur Surfstunde von Verena und Caro, die alle mit Begeisterung beobachteten. Mittwoch traf ich mich vormittags mit Verena trotz Nieselregen am Strand und wir bummelten durch Manly, abends ging es dann mit Caro ins Gym. Und mein Tagesablauf mit den Kids verlief ebenfalls unkompliziert, Hobbys und Verabredungen mit anderen Kindern sind ein guter Zeitvertreib. Donnerstag habe ich Caro in meinen Nannyjob eingearbeitet - sie übernimmt nämlich meine Aufgaben, solang ich mit meinen Eltern am Herumreisen bin. Das Baby hat sich allerdings leider von seiner quengeligsten Seite gezeigt, was auf Caro gleich einen super Eindruck hinterlassen hat. Es kann nur besser werden... ;) Der Freitag und Samstag waren lang, ich musste viel arbeiten und fiel somit immer recht früh zu Bett.
Mein Tagesrhythmus hat sich hier in Australien sowieso total verändert. Halb 10 morgens bedeutet für mich ausschlafen, meistens bin ich aber schon gegen 7 Uhr wach. In Deutschland bin ich durch meinen Job in der Spätschicht teilweise erst um 14 Uhr aufgestanden. Abends wiederum gehe ich so früh ins Bett wie glaube ich noch nie in meinem Leben. Ich war schon immer eine Nachteule - abends fühlte ich mich immer produktiver - und nun bin ich um spätestens 12 Uhr wieder im Bett. Ich brauche meine 8 Stunden Schlaf, sonst quäle ich mich müde und gereizt durch den Tag. Entweder ich werde alt, oder in Deutschland ist mir das nie so stark aufgefallen, wenn ich (sogar ziemlich oft) weniger Schlaf abbekommen habe. Anderes Land, andere Sitten, andere Mentalität, anderer Job, anderer Tagesablauf, anderer Rhythmus. 
Auch Feiern gehe ich hier nicht so wirklich. Klar, auf ein Gläschen Wein bin ich immer zu haben, aber viel Alkohol konsumieren oder bis in die frühen Morgenstunden tanzen (Anmerkung: hier klappen die Bürgersteige spätestens um 3 Uhr in der Früh hoch, dafür geht alles etwas eher los und ist nicht so wie in Deutschland, wo man erst um 1 Uhr auf der Party erscheint) steht eher selten auf dem Programm, ich hebe mir lieber meine Kräfte (und mein Geld) für Unternehmungen wie Folgende auf:
Am Sonntag ging es (mal wieder) sehr, sehr, sehr früh los. Mit dem Auto, Marie und noch drei anderen Mädels, die ich über Facebook für unseren Trip gewonnen hatte, ging es nach Canberra, hauptsächlich um das von Mitte September bis Mitte Oktober stattfindende Frühlingsfest Floriade zu besuchen. Das Gute an dem Sonntagsbesuch waren nicht die zahlreichen Touristen, sondern die zahlreichen kostenlosen Parkmöglichkeiten - man spart wo man kann ;) Zunächst führte es uns zu den Old Bus Depot Markets - meine absolute Lieblingsbeschäftigung: gemütlich mit einem Kaffee in der Hand über Märkte schlendern und schöne Dinge entdecken [und eventuell kaufen ;)]. Im Anschluss haben wir einen Stopp in dem Café Pâtissez eingelegt, das für seine Kalorienbomben aka FreakShakes bekannt ist, welche mir allerdings zu mächtig waren und ich es lieber beim Bestaunen gelassen habe. Schnell ins und aufs Parlamentshaus geschaut, ging es dann endlich zur Floriade. Ein schönes, farbenfrohes Festival für jedes Alter. Ein Markt mit vielen verlockenden Ständen, Imbissbuden, Musik, Fahrgeschäfte / Riesenrad und tausende Blumen, hauptsächlich Tulpen in jeder Farbvariation. Das Wetter spielte einigermaßen mit - es war zwar bewölkt, aber trocken und relativ warm (ganz im Gegensatz zum regnerischen Sydney...). Es ging weiter zum Australian War Memorial, wo ich wieder der The Last Post Ceremony lauschte. Da ab 17.00 Uhr alles schloss, konnten wir uns das National Museum Of Australia nur noch von außen ansehen, was allerdings bei Sonnenuntergang und außergewöhnlicher Architektur ausreichend beeindruckend war. Nach einem langen Tag war ich jedenfalls unheimlich froh, als ich endlich wieder in meinem Bett lag. 
Good night!

Mittwoch, 21. September 2016

Alltag

(Montag, 12. September bis Sonntag, 18. September 2016)

Am Montag Morgen war ich wieder zu gewohnter Zeit bei gewohntem Surflehrer in meiner Surfstunde, dieses Mal ohne Gesellschaft - Marie hat sich ihren Fuß verletzt. Und trotzdem war es bisher die beste Stunde. Die Konditionen waren perfekt und montags ist es immer schön ruhig, wir waren nur zu dritt in der Stunde. Da bekommt man einfach viel mehr aus den 120 Minuten raus, als wenn man zu sechst, siebt oder acht ist. Fast jede Welle habe ich dank meines Lehrers bekommen, fast jede Welle fühlte sich richtig gut an und ich hatte einen guten und sicheren Stand auf dem Board. Ich merkte zwar, dass ich seit fast drei Wochen nicht im Wasser war, meine Arme nach wenigen Minuten schon ermüdeten und ich zwischendurch kleine Pausen brauchte, aber so langsam fühle ich mich bei einfachen Konditionen wohl und komme zu 90% auf das Board, kann mich ausbalancieren und die Welle entlang reiten. Und jetzt wo es wieder wärmer wird und einem die Gliedmaßen trotz Neoprenanzug nun nicht mehr abfrieren, macht es doppelt so viel Spaß. So far, so good! To be continued...
Caro und ich befinden uns in Woche 3 unseres workouts. Manchmal habe ich zwar echt überhaupt keine Lust, vor allem Beine/Cardio ist grausam, aber zu Zweit zieht man es dann doch durch und hält die Termine ein. Außerdem ist abends das Fitnessstudio meistens schön leer, sodass wir ungestört und unbeobachtet unsere Übungen machen können - da fühle ich mich gleich viel wohler ;)
Am Mittwoch hatte der Kleine leider einen Unfall. Wir waren draußen, die Kids sind mit ihren Rollern (und Helmen auf dem Kopf) die Straße auf und ab gedüst. Die asphaltierte Straße geht an einer Stelle etwas bergab, sodass die Beiden ordentlich Tempo aufnahmen. Beim ersten Mal ging noch alles gut, der Junge wurde dadurch aber leider etwas übermütig und beim zweiten Mal war er dann noch schneller unterwegs. Es muss ein kleiner Stein auf der Straße gelegen haben - durch die ganzen Baufahrzeuge im Wohngebiet sind die Wege manchmal sehr sandig und steinig -, denn einen Moment später stoppte plötzlich der Roller bei voller Fahrt und der Kleine viel ungebremst auf sein Gesicht und seine Hand. AUTSCH! Blitzschnell war ich bei ihm, das Geschrei war verständlicherweise ziemlich groß. Ich nahm ihn erst einmal in den Arm um ihn zu trösten, bevor ich etwas später die Verletzungen genauer betrachtete: seine komplette Nase, über dem Mund und die eine Hand waren komplett aufgeschürft, ein paar kleine Kratzer am anderen Arm und seiner Brust kamen noch hinzu. Es blutete zwar nicht sehr stark, doch es sah unglaublich schmerzhaft aus. Trösten, die Wunden reinigen, trösten, das Ganze kühlen und noch mehr trösten. Ich bin so froh, dass nicht mehr passiert ist. Es hätte so viel schlimmer ausgehen können... Und ich bin froh, dass es mir möglich war, ihn zu beruhigen. Der Kleine war super tapfer und seine große Schwester, die ihn sonst gerne triezt, hat ihn wunderbar aufgemuntert und bemuttert. Die Situation hat uns alle ziemlich geschockt, vor allem aber den Kleinen und mich. Auch wenn niemanden die Schuld traf: Die Bilder, wie er hinfiel, schwirrten mir abends immer noch durch den Kopf.
Eine gute Ablenkung war der Besuch von Steffi un Chris. Da sie ihren Campervan schon abgegeben, aber noch eine Nacht bis zu ihrem Flug nach Neuseeland zu überbrücken hatten (und meine Gasteltern einfach die Besten sind), verbrachten wir den Abend in gemütlicher Runde bei leckerem Essen und einem Gläschen Wein bei uns zu Hause. 
Donnerstag und Samstag verbrachte ich wieder in Gesellschaft des Babys, am Freitag in der des Jungen. Ich stellte meine Backkünste erneut auf die Probe - dieses Mal gab es Kürbismuffins - und auch sonst verging die Zeit wie im Flug. Den Samstag Abend verbrachte ich dann ganz entspannt bei Caro zu Hause und Sonntag mit ihr bei unaufhörlichem Regen zunächst im Sealife Aquarium am Darling Harbour, im Anschluss in der Mall mit verlockenden Sonderangeboten und den Abend ließen wir im Kino bei dem neuesten Bridget Jones ausklingen. Mädchenprogramm! Eigentlich hatten wir ganz andere Pläne, doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung - ich finde allerdings, dass wir eine ganz gute Alternative gefunden haben :)
Zu Hause erwartete mich dann das pure Chaos: das Garagentor stand offen, die Haustür ebenfalls, überall brannte Licht, die Waschmaschine war noch voll, die Essenreste der Kids (es war mittlerweile halb 11...) standen noch auf dem Tisch und auch sonst war überall dreckiges Geschirr verteilt und die Küche sah aus wie sau - nur keine Menschenseele zu sehen. Ich wunderte mich schon ein wenig, fing aber an, alles aufzuräumen. Meine Gastmutter war über Nacht nicht da und mein Gastvater mit den Kindern allein, es würde so oder so an mir hängen bleiben. Eine halbe Stunde und eine fast saubere Küche später kam mein Gastvater die Treppe hinunter getapst, völlig verpennt: "Oh, sorry, bin weg gedöst, du brauchst das nicht aufräumen, ich mach das. Das war vorhin bloß alles so stressig mit den Kids." Das ist einfach so typisch er (ohne, dass ich das jetzt böse meine)! Mit den Kindern geht er super um. Sein Geduldsfaden ist zwar nicht sehr lang, aber mit ihm haben sie immer am meisten Spaß. Nur wenn es um das ganze Drumherum geht, ist er völlig überfordert bzw. nimmt einiges überhaupt nicht wahr. Haushalt?! Steht an letzter Stelle, kommt bei ihm immer zu kurz. Er ist super hilfsbereit, aber einfach etwas verplant. Ist nicht das erste Mal, dass ich ihm hinterher räume. Er ist definitiv Geschäftsmann, kein Hausmann... :D

Dienstag, 13. September 2016

Achtung, Spinne im Anflug!

(Mittwoch, 07. September bis Sonntag, 11. September 2016)

Nicht nur die Spinnen hatten es diese Woche auf mich abgesehen, auch ein weiteres Mitglied der australischen Tierwelt war nicht gut auf mich zu sprechen...
Da diese Woche wegen der Beerdigung alles etwas vom normalen Plan abwich, passte ich bereits am Mittwoch auf das Baby auf - es lief alles wunderbar, auch wenn sie wegen eines Hustens ebenfalls nicht ganz in ihrer Routine drin und etwas quengelig war. Abends kam meine Gastfamilie zurück, ich half beim Abendessen und sprach die nächsten Tage mit ihnen ab. Eigentlich war für Donnerstag geplant, dass ich den Jungen übernehme, damit meine Gastmutter ein paar Dinge für das Haus erledigen kann. Nachdem ich die 7-Jährige allerdings an der Schule abgesetzt hatte, bekam ich die frohe Botschaft, doch bis zum Nachmittag frei zu haben. Somit saß ich für eine Weile mit Kaffee in der Hand am Strand und schaute Caro und Verena beim Surfen zu. Ich hätte mich gern dazu gesellt, aber die Stunde bestand komplett aus Anfängern und hätte mir persönlich wohl nicht ganz so viel gebracht. Später war ich dann noch mit dem Kleinen am Collins Beach, um Muscheln zu sammeln. Der Frühling ist da! Und mit ihm leider auch die Spinnen... Waren sie in den Wintermonaten wie vom Erdboden verschluckt, kann man nun einige hier und dort in den Büschen und Bäumen entlang der Wege entdecken. Es dauert wohl nicht mehr lang, bis alles wieder voll hängt. Ih!
Damit nicht genug: Am Freitag passierte dann das, wovor ich mich hier (so ziemlich) am meisten fürchte. Ich hatte zunächst beide Kids daheim, da in der Schule der Großen ein Magen-Darm-Virus (über 150 betroffene Kinder) umherging, den wir umgehen wollten. Die Kinder spielten wunderbar miteinander, ich schmiss den Haushalt und zusammen haben wir Lebkuchenmänner (und -eistüten) gebacken. Weihnachtsstimmung im September - warum nicht?! ;) Nachmittags aßen wir zunächst am Little Manly Beach ein Eis und fuhren im Anschluss an den Clontarf Beach auf den Abenteuerspielplatz, wo wir (abgesprochen) auf Caro und ihre Gastkinder trafen. Bis dahin ein schöner und entspannter Tag. Auf dem Heimweg schrie das Mädchen auf einmal auf: "Merle, da ist gerade eine riesengroße Spinne auf unser Auto gefallen und nun krabbelt sie an meinem Fenster entlang!" - Wie bitte?! Ich dachte zunächst, sie will mich veräppeln oder sie würde sich einfach täuschen und es war nur ein Blatt oder ähnliches. Da ich mich auf die Autofahrt konzentrieren wollte, bat ich sie das Thema fallen zu lassen. Zu Hause angekommen fragte sie dann: "Darf ich jetzt wieder über die Spinne reden? Ich glaub das war eine kleine Huntsman." (Anmerkung: ungefähr die ekeligste Spinne, die es gibt. Groß, braun, dicker Körper und dicke, lange Beine, allerdings ungefährlich.) Immer noch etwas zweifelnd und doch etwas verängstigt, bewaffnete ich mich und sprang nach kurzem Zögern aus dem Auto. Keine Spinne weit und breit. Und ich war nun der Überzeugung, das Mädchen hätte sich versehen. 
Aus den Augen, aus dem Sinn. Nach dem Motto stieg ich abends wieder in meinen fahrbaren Untersatz, da ich mit Caro und Verena im Steyne verabredet war. Dank einer Vollbremsung, ausgelöst durch einen rücksichtslosen Taxifahrer, wurde ich eines Besseren belehrt und eine (für australische Verhältnisse) mittelmäßig große Spinne, wie schon erwähnt eventuell eine kleine Huntsman, rutschte vom Dach über die Windschutzscheibe hinunter zu den Scheibenwischern und krabbelte dann im Zick Zack quer über das Glas. Das Mädchen hatte Recht! Gänsehaut pur!!! Ich bekomme jetzt noch welche, wenn ich nur daran denke... Ich fuhr völlig überrumpelt und überfordert einfach weiter und sammelte Caro ein, die ich aufforderte, möglichst schnell in den Wagen zu steigen. Die Spinne war wohl irgendwo auf ihrer Seite, zumindest wurde sie dort das letzte Mal gesichtet. Dass Caro noch mehr Angst vor den Tieren hat als ich, half uns dann nicht so wirklich weiter. Wir saßen erst einmal im Auto fest. Haha, wirklich eine der lustig-verweifelt-komischsten Situationen, in der ich mich jemals befunden habe :D  
Wieder einmal sprang ich bewaffnet aus dem Wagen und wieder einmal war keine Spinne in Sicht. Seither ist sie verschwunden, aber ich bin geprägt. Mit offenem Fenster Auto fahren?! Sollte ich mir eventuell das nächste Mal noch einmal überlegen, denn ob die Situation auch so glimpflich ausgegangen wäre, wenn sich das Ganze IM Auto abgespielt hätte, das kann ich mir nicht vorstellen. 
Am Samstag habe ich den ganzen Tag gearbeitet, und damit meine ich wirklich den ganzen Tag. Ab halb 10 habe ich bis in den Nachmittag hinein wieder auf das Baby aufgepasst. Dort dann der zweite, traumatisierende Vorfall. Wir waren bei schönstem Wetter ganz entspannt spazieren, bis ich auf einmal einen Flügelschlag am Ohr und im Gesicht spürte. Völlig verwirrt schaute ich mich um und bevor ich realisieren konnte, was da gerade passiert ist, geschah es ein zweites Mal. Ein großer schwarz-weißer Vogel fiel wieder über mich her und flog in den nächsten Baum. Beim dritten Angriff konnte ich ausweichen. Es war mir egal, wie bescheuert das ausgesehen haben muss, aber danach hielt mich nichts mehr zurück und ich rannte, in der einen Hand den Kinderwagen, die andere Hand wild in der Luft herum fuchtelnd, in Sicherheit, den Vogel immer im Auge behaltend. Was ist denn bitte hier los?! Ich erfuhr später, dass es sich um einen Magpie (Flötenvogel) handelte und es zur Brutzeit normal ist, dass er Menschen angreift, um sein Nest zu schützen. In Canberra ist es wohl so schlimm, dass die Menschen präparierte Hüte und Fahrradhelme tragen, damit dieser Vogel sie gar nicht erst angreifen kann. Gut zu wissen... Es ist ja alles harmlos ausgegangen, aber die Strecke werde ich in nächster Zeit auf jeden Fall meiden.
Abends war ich dann von einer österreichischen Familie auf Urlaub als Babysitter auf einer Hochzeit engagiert. Ich fuhr also in die Stadt und bespaßte einen 1,5-jährigen Jungen und ein 3,5-jähriges Mädchen. Der Tag hat sich auf jeden Fall gelohnt und meine Spardose für den Reisemonat im Januar ordentlich gefüllt :)
Am Sonntag fuhr ich mit Marie und einer Freundin von ihr, Hayley, in den Royal National Park. Zunächst genossen wir die fast menschenleere Aussicht vom Jibbon Beach in Bundeena auf die weit entfernte Skyline von Sydney, wanderten anschließend ca. 3km zum Wedding Cake Rock (wo mal wieder ziemlich viele - entschuldigt meine Ausdrucksweise - dumme Touristen Vorschriften und Zäune missachteten und somit ihr Leben für ein Foto riskierten frei nach dem Motto: "Denn mir selbst passiert schon nichts...") und ließen den Nachmittag an der Lagune des Wattamolla Beach ausklingen. Zum Schwimmen war es noch zu kalt, zum Sonnen und Entspannen allerdings ziemlich perfekt. Guter Tag in guter Gesellschaft!

Montag, 12. September 2016

Ozeangiganten & Australiens Hauptstadt

(Sonntag, 04. September bis Dienstag, 06. September 2016)

Sonntag Morgen, 5.00 Uhr und mein Wecker klingelt. Wirklich nicht meine Uhrzeit, aber wer große Pläne hat, muss so etwas in Kauf nehmen. Denn heute stand "Wale beobachten" auf dem Programm. Wieder einmal über Groupon, meiner absoluten Lieblings-App hier drüben, hatte ich einen super Deal erworben. 4 Stunden Whale Watching inklusive Frühstück für 39$. Kann man mal machen ;)
Da ich den Deal schon vor einiger Zeit gekauft hatte, eigentlich um mit zwei anderen Au Pairs diese Tour zu machen, jedoch damals etwas schief lief und es das Angebot nun nicht mehr gab, machte ich mich allein auf den Weg nach Darling Harbour. Halb so schlimm, da kann ich mich dann in Ruhe aufs Fotografieren konzentrieren. Um diese Uhrzeit ist es überall noch so still und friedlich, egal ob in Manly, in Sydney oder vor wenigen Wochen in Melbourne. Da kann ich am frühen Aufstehen vielleicht doch noch Gefallen finden. Auf Rat meiner Gastmutter hatte ich mir am Tag zuvor noch Reisetabletten gekauft, um meiner Seekrankheit vorzubeugen. Somit konnte ich beruhigt das Boot, das später auf dem offenen Ozean noch ordentlich schaukeln und einigen zum Verhängnis werden sollte, betreten und beim eher spärlichen Frühstück dem Guide zuhören, der allgemeine Informationen über Wale, Sydney und seine Geschichte preisgab. Wir schipperten unter der Harbour Bridge entlang des Opernhauses in Richtung North und South Head, zwischen denen es zum Pazifik geht. Eine geschlagene Stunde auf offenem Meer mussten wir nach den Ozeangiganten suchen, bis wir zwei Buckelwale entdeckten und sie für eine gute halbe Stunde beobachteten. Auch wenn man außer ihrer Rückenflosse und ein paar Wasserfontänen nicht viel von ihnen zu Gesicht bekam, war es super beeindruckend. Bisher hatte ich Wale ja nur aus sehr, sehr großer Distanz vom Ufer aus beobachten können (auch das war schon unbeschreiblich toll) und nun das Ganze aus einer anderen Perspektive zu sehen mit der tollen Kulisse der Küste und Skyline Sydneys im Hintergrund, war einfach nur klasse!
Im Anschluss traf ich mich mit Caro am Circular Quay und zusammen deckten wir uns für ein Picknick im Botanischen Garten ein und suchten uns ein schönes Plätzchen auf einer großen, trotz zahlreicher Menschen ruhigen Wiese mit Blick auf die Hochhäuser, die Brücke und das Wasser. Das Wetter war perfekt und die Aussicht ebenfalls. Ich liebe den direkten Kontrast zwischen Natur und Stadt und bin immer wieder fasziniert davon, wie ruhig man es doch haben kann, obwohl man sich mitten in einer Großstadt befindet. 
Abends kamen Steffi und Chris zu Besuch, die gerade mit einem Campervan die Ostküste Australiens erkunden. Durch die besonderen Umstände in meiner Gastfamilie und meine dadurch unvorhergesehene freie Zeit, beschloss ich am nächsten Tag mich ihnen ihrem nächsten Ziel Canberra, der Hauptstadt Australiens, ca. 3,5h (Fahrtzeit) südwestlich von Sydney, anzuschließen. Da ich Mittwoch wieder zurück sein musste und ihr Weg sie nach Melbourne führen würde, fuhr ich mit meinem eigenen Auto. Gegen Mittag kamen wir bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein, aber deutlich kälteren Temperaturen als in Sydney, in Canberra an. Wir besuchten das neue Parlamentshaus, wo man kostenlos auf das Dach hinauf kommt und einen wunderbaren Blick über die Stadt und ihre ähnlich wie in Washington D.C. geradlinig angeordneten Gebäude hat. Anschließend schauten wir in der Bücherei vorbei - die aber im Gegensatz zu Melbournes Bibliothek ziemlich unspektakulär war -, gingen in die kostenlose National Gallery Of Art und fuhren entlang der Anzac Parade zum Australian War Memorial, von wo man dann den umgekehrten Blick in Richtung Parlamentshaus hat. Wir hatten uns vorher gar nicht über die Öffnungszeiten informiert, aber hatten unheimliches Glück. Denn kurz nach unserer Ankunft fand die tägliche (16.55 Uhr) The Last Post Ceremony statt, bei der den im Krieg gefallenen Soldaten gedacht und jeden Tag die Geschichte eines eben dieser Soldaten erzählt wird. Und wir hatten noch einmal besonders Glück, denn genau an dieser Zeremonie haben gut 15 Olympioniken des australischen Teams teilgenommen. In dem Moment konnten wir nicht so recht etwas mit den Gesichtern anfangen, aber anhand der Reaktion anderer Menschen wussten wir, dass da wohl ein paar beliebte Sportler bei sind ;) Im Nachhinein habe ich heraus gefunden, dass die Medaillengewinner Cate Campbell (Schwimmen) und Josh Booth (Rudern) einen Kranz niederlegten. 
Die letzten Sonnenstrahlen nutzen wir dann aus, um uns Essen zu kochen, bevor wir dann zu einem Raststop fuhren, wo wir nächtigten. Es war dank einer dicken Decke nicht so kalt wie erwartet...
Am Dienstag fuhr ich im Nebel zurück nach Sydney. Dieser löste sich zwar schnell auf, doch der Anblick der Landschaft, der sich mir dabei erbot, war atemberaubend. So schön und friedlich. So macht Autofahren noch mehr Spaß! Den restlichen Tag habe ich entspannt zu Hause und abends mit Caro im Gym verbracht - das tat allerdings auch mal wieder ganz gut, vor allem im Hinblick auf vier sehr lange Arbeitstage. 

Dienstag, 6. September 2016

Frühling

(Montag, 29. August bis Samstag, 03. September 2016)

In dieser Woche ist offizieller Frühlingsanfang in Australien. Die "kalten" Wintermonate sind vorbei, und ich glaube niemand ist so wirklich traurig drum ;)
Und in dieser Woche verlief nichts nach Plan.
Während der Montag zunächst noch normal erschien, kam am späten Nachmittag leider die Nachricht, dass der bereits erkrankte Vater meines Gastvaters im Sterben liegt. Mein Gastvater machte sich somit direkt am Montagabend zusammen mit dem Mädchen auf den Weg zu seiner Familie, meine Gastmutter kam mit dem Jungen am Dienstagmorgen nach. Das ist natürlich überhaupt kein schöner Grund, aber unverhofft und unvorbereitet hatte ich nun mehr Freizeit als sonst. Dienstag traf ich mich mit Caro auf einen Kaffee am Strand und ging noch eine Runde ins Gym. Am Montag haben wir mit dem Fitnessprogramm gestartet, was wir nun zwei Mal pro Woche an einem fest vereinbarten Tag (hoffentlich) durchziehen und bisher kann ich nur sagen: ANSTRENGEND! Für mehr reicht meine Puste nicht ;) Aber immerhin sind wir zu zweit und das motiviert ungemein. Wie gesagt, ich bin gespannt, wie sich das die nächsten Wochen noch weiter entwickelt. 
Am Mittwoch habe ich mich mit Verena getroffen, ebenfalls Kaffee, ebenfalls Strand. Lieblingsbeschäftigung! Im Anschluss bin ich zu IKEA gefahren. Nach 8 Monaten Entzug musste mein Drang nach einem Schlendergang durch das Möbelhaus dringend gestillt werden ;) Da das Geschäft relativ weit entfernt ist, ich nun unverhofft viel Zeit hatte und mein Zimmer noch ein paar Kleinigkeiten benötigte, war es die perfekte Ausrede, "mal eben" hinzufahren. Tat gut, fühlte sich fast wie ein Stückchen Heimat an :D
Donnerstag passte ich auf das Baby auf und abends war dann auch meine Gastfamilie wieder da. Ich muss zugeben, dass ich nicht gerne allein in diesem großen, etwas abgelegenen Haus bin und sehr froh über ihre Rückkehr war. Außerdem erfuhr ich, dass nächste Woche nun ähnlich wie diese ablaufen wird, da meine Gastfamilie für die Beerdigung noch einmal ein paar Tage zum Rest der Familie fährt. Eine sehr bedrückende, traurige Situation, die Kinder verstehen es allerdings noch nicht so ganz, vor allem der Kleine nicht. 
Am Freitag war wieder ein ganz normaler Arbeitstag für mich, der Junge und ich verbrachten einen gemütlichen Morgen zu Hause, er begleitete mich anschließend zum Frisör, wo ich (zum ersten, aber wohl auch zum letzten Mal) für schlappe 55$ meine von der Sonne und dem Salzwasser kaputten Spitzen schneiden ließ, und vertrieben die verbleibende Zeit in der Bücherei. 
Am Samstag musste ich ab Mittag babysitten. Leider länger als gedacht, denn ich hatte schon Pläne für den Abend geschmiedet, aber meine Gastmutter bat mich darum, ihr noch weiter auszuhelfen. War im Endeffekt okay, es gab abends ein leckeres Barbecue in netter Gesellschaft, dennoch das erste richtige Missverständnis zwischen uns, was meine Arbeitszeit angeht. Kommunikation ist alles - und die ist normalerweise super zwischen uns. Deshalb mache ich mir da auch keine weiteren Gedanken drüber. Passiert. Wenn auch hoffentlich nur dieses eine Mal ;)

Donnerstag, 1. September 2016

Ein bisschen Sport muss sein...

(Montag, 22. August bis Sonntag, 28. August 2016)

Letzte Woche war eine dieser Wochen, die einem durch die ganzen Termine oder Aktivitäten zwischenzeitlich endlos lang erscheinen, und man sich wundert, wie viel man an einem Tag schafft, und im Nachhinein vorbei geht wie im Flug. Und letzte Woche stand ganz unter dem Motto "Sport".
Nach einer Woche Pause (letzte Woche war es zeitlich einfach nicht drin), traf ich mich am Montag mit Marie zum Surfen und die zwei Stunden im Wasser waren ziemlich erfolgreich und zufrieden stellend. Normalerweise versuche ich meine Stunden immer bei dem selben Surflehrer zu nehmen, einfach damit ich mich nicht jede Woche umstellen und jedes Mal erzählen muss, auf welchem Stand ich bin. Und es gibt welche, deren Lehr-Stil ich nicht so ganz mag. Montag war eine Ausnahme, da es von der Uhrzeit einfach nicht anders passte. Aber überhaupt nicht schlimm, der Lehrer war super. Er hat sich sehr darum bemüht, dass wir so viel wie möglich alleine machen, allerdings sofort zur Stelle ist, wenn man doch Hilfe braucht. Und sehr motivierend und lobend. Auch nicht schlecht :D Die Konditionen waren sehr einfach: kleine, langsam brechend Wellen, perfekt für mich und jeden anderen Anfänger. Und ich kann nun sagen: ich habe meine ersten Wellen (fast) allein genommen - und das habe ich nicht einmal realisiert. Ich brauche immer noch Hilfe bei der Auswahl der Welle und dem Finden des richtigen Moments. Das ist so schwer einzuschätzen. Da benötige ich einfach immer noch Unterstützung und Kommandos. Wann fange ich an zu paddeln, wann muss ich an Kraft und Tempo zulegen, wann stehe ich auf? 
Normalerweise bekomme ich außerdem noch einen Anschubs vom Surflehrer, um auch wirklich die Welle zu erwischen und sie nicht unter mir entwischt. Aber nachdem ich ein paar Wellen genommen hatte, meinte der Typ, dass ich es wunderbar allein und ohne Anschubs hinbekommen habe. Das konnte ich erst gar nicht glauben, da ich das in dem Moment gar nicht bemerkt habe. Ich war der festen Überzeugung, er hätte mir noch den Anstoß gegeben. Und einen Augenblick später war ich dann stolz. Das ist schon ein ziemliches tolles Gefühl! Ich bin bei weitem kein Naturtalent und manchmal sind die Fortschritte so klein, dass es frustrierend ist, aber immerhin mache ich Fortschritte. Und wenn ich es mit meiner ersten Surfstunde vergleiche, dann ist es doch ein himmelweiter Unterschied. So etwas muss man sich zwischendurch ins Gedächtnis rufen, um in gewissen Situationen nicht zu verzweifeln. Und man sollte sich nicht mit Anderen vergleichen, aber darin bin ich zugegebenermaßen sehr schlecht. 
Zum krönenden Abschluss hüpfte nach unserer Stunde ufernah eine Gruppe von etwa 10 Delfinen durch das Wasser. Geht's noch besser?! ;)
Super motiviert habe ich zu Hause noch ein 40-minütiges Sportprogramm eingelegt und den restlichen Arbeitstag entspannt verbracht. Insgesamt wird es für mich so langsam mal Zeit in der sportlichen Sparte meines Lebens wieder etwas mehr zu tun. Ich bin einfach keine sportliche Person, Fitnessstudio macht mir zum Beispiel überhaupt keinen Spaß und mir fehlt definitiv die Motivation. Aber da ich letzte Woche eine Waage in die Finger bekommen und mich etwas erschrocken habe, außerdem der Sommer vor der Tür steht, muss ich meinen inneren Schweinehund überwinden und etwas ändern. Ich habe zwar in Australien insgesamt nur 3kg zugenommen (in Amerika waren es damals 10kg!), aber da ich mich in Deutschland schon nicht mehr wohl gefühlt habe, wird es endlich Zeit. Und am besten geht das in Gesellschaft! Deshalb traf ich mich am nächsten Tag mit Caro und zusammen suchten wir uns ein Fitnessstudio (Groupon sei Dank) und blieben gleich dort. In dieser Woche lassen wir es erst noch ruhig angehen, ab nächste Woche starten wir dann ein Fitnessprogramm. Ich bin gespannt...
Am Mittwoch hat die Batterie meines Autos den Geist aufgegeben. Normalerweise kein Problem - an das Laufen bin ich ja gewöhnt, auch wenn es mit den Kids etwas umständlicher ist -, aber da es an dem Morgen in Strömen regnete, hätte es schlechter kaum sein können. Immerhin ist es zu Hause passiert und nicht irgendwo im Ort. Gezwungenermaßen musste ich den Monstertruck meines Gastvaters für die nächsten zwei Tage nutzen. Kein Vergnügen, vor allem nicht in engen Parkhäusern... Aber das Auto (und auch ich) hat es überstanden und meins läuft wieder. Hallelujah! Die Arbeitswoche war ansonsten ziemlich normal, Dienstag, Mittwoch und Freitag passte ich auf die Kinder meiner Gastfamilie auf, Donnerstag und Samstag auf das mittlerweile 7-Monate-alte Baby. Mit den Kindern gehe ich wieder gerne an den Strand, es wird so langsam wärmer (zum Schwimmen ist es allerdings zu kalt), und auch meine freie Zeit verbringe ich gerne dort. 
Meinen freien Sonntag verbrachte ich mit Caro in der Stadt. Wir schlenderten über den The Rocks Market, besuchten die mitten in der Stadt liegende kleine Oase Chinese Garden Of Friendship, aßen am Darling Harbour zu Mittag, fuhren zum Hyde Park und warfen einen kurzen Blick in die St. Mary's Cathedral. Bis auf die Märkte alles Orte, an denen ich bisher höchstens mal vorbei gefahren bin. Nach unserem straffen Touri-Programm ließ ich den Abend entspannt in meinem mittlerweile ziemlich weit eigerichteten Zimmer ausklingen (es fehlt nur noch das Waschbecken in meinem Badezimmer...). 

Dienstag, 23. August 2016

Work, work, work, work, work

(Dienstag, 16. August bis Sonntag, 21. August 2016)

Die Überschrift beschreibt meine letzte Woche schon ganz gut...
Nachdem ich am Dienstag Morgen um halb 8 mit dem Bus (12,5h Fahrt mit Unterbrechungen / Pausen) relativ ausgeschlafen in Sydney an der Central Station ankam, hetzte ich zum Zug, der mich zum Circular Quay brachte und von dort nahm ich die Schnellfähre nach Manly, anschließend hechtete ich den Berg zu unserem Haus hoch, legte meinen Rucksack ab, zog mich um und fuhr wieder los, damit ich pünktlich um 9 Uhr bei meinem neuen Job auf der Matte stehe. Mein Plan war ursprünglich so schön und so entspannt - und dann steht der Bus im Stau. Haha, so etwas ist doch typisch! :D
Tatsächlich noch pünktlich begrüßte mich die Mutter des 6 Monate alten Mädchens und zeigte und erklärte mir vormittags die Routine und meinen typischen Arbeitstag. Ich werde in den kommenden Monaten zwei volle Tage (ca. 8h) auf das Baby aufpassen, normalerweise Donnerstag und Samstag, aber da meine Gastmutter in dieser Woche in den Urlaub flog, war direkt in der ersten Woche alles etwas außer Plan, aber dazu später mehr. Nachmittags wurde ich dann ins kalte Wasser geworfen und war auf mich allein gestellt. Ich habe zwar schon auf ähnlich junge Kinder aufgepasst, aber das ist schon ein bisschen her und doch ganz anders als Kinder im Kindergarten- oder Schulalter. Aber es lief alles gut, das Baby ist bisher sehr entspannt und überhaupt nicht fremdenscheu, sie schläft noch sehr viel und macht es mir insgesamt relativ einfach. Ich bin gespannt, wie sich das noch weiter entwickelt. 
Mittwoch war wieder ein (fast) normaler Arbeitstag in meiner Gastfamilie, das übliche morgendliche Helfen in der Küche, das Abholen und Bespaßen der Kinder am Nachmittag und das Kochen des Abendessens. Vor der Arbeit morgens um 6 skypte ich sogar noch mit meinen Eltern, denn die kommen bald zu Besuch und unsere zwei freien gemeinsamen Wochen müssen schließlich verplant werden. Der Roadtrip steht in seinen groben Zügen, der Campervan ist gebucht, Näheres gibt's dann zu gegebener Zeit :)
Was sich am Mittwoch jedoch änderte: meine Gastmutter flog für ein paar Tage mit ihrer Schwester in den Urlaub. Das bedeutete für den Rest der Woche: Arbeit, Arbeit, Arbeit. 
Im Nachhinein muss ich jedoch sagen, dass es nicht so schlimm war, wie erwartet. Mein Gastvater kam für seine Verhältnisse relativ früh nach Hause, sodass er - bis auf einmal - die Kinder abends ins Bett brachte. Der 4-Jährige und ich verbrachten zwei sehr entspannte preschool-freie Tage überwiegend zu Hause (Handwerker im Haus) und während des Mittagessens jeweils in Gesellschaft von Caro am Donnerstag und Marie am Freitag, bis wir das Mädchen von der Schule abholen mussten. Und auch die Nachmittage waren okay, Donnerstag stand Klavierunterricht auf dem Plan und Freitag verbrachten wir mit frozen yoghurt am Strand. Das Wetter ist zur Zeit wirklich gut, zwischen 20 und 25°C inklusive Sonnenschein lassen auf ein baldiges Winterende hoffen. Abends fiel ich dennoch ziemlich früh und müde ins Bett, wahrscheinlich war ich auch noch etwas ausgelaugt von meinem Wochenendtrip. 
Samstag Vormittag habe ich zunächst für ein paar Stunden auf das Baby aufgepasst, nachmittags wurde ich dann von meinem Gastvater gebraucht. Es stand nämlich Besuch auf der Matte. Genau für dieses Wochenende haben sich die Kinder einer befreundeten Familie für ein sleepover, also eine Übernachtung, angemeldet. Ebenfalls alles halb so schlimm bzw. anstrengend wie befürchtet. Da ich die Kinder der anderen Familie ganz gut kenne, lief alles wie von selbst und mein Gastvater war - ich muss zugeben wider Erwartens - eine ziemlich große Hilfe. Er hat die Kids bespaßt während ich mich um Haushalt und Essen kümmerte. Nach einem kurzen Drama, in welches Blut und Geschrei verwickelt war, aber dank eines Pflasters und eines Cupcakes glimpflich ausging, und dem finalen Bettfertig-Machen durfte ich den Rest meines Abends kinderfrei genießen. Netflix lässt grüßen. 
Die Kids waren glaube ich länger wach als ich (ich werde alt...) und definitiv früher wieder fit. Um 6 Uhr war meine Nachtruhe vorbei, das Aufstehen konnte ich allerdings noch etwas hinauszögern. Da mein Gastvater meinte, er brauche am Sonntag meine Hilfe nicht, habe ich mich nach einem entspannten Vormittag mit Marie getroffen und zusammen sind wir über Watsons Bay nach Bondi gefahren, um dort auf den Bondi Markets, die jede Woche samstags von 9-13 Uhr & sonntags von 10-16 Uhr stattfinden, etwas zu stöbern. Ein wirklich sehr schöner Markt mit vielen schönen Ständen und vielen schönen Dingen, die man erwerben kann. Nicht so super touristisch mit den typisch australischen Souvenirs. Im Anschluss haben wir uns noch mit Kaffee und Sushi an den Strand gesetzt, bis es uns durch die untergehende Sonne zu kalt wurde und wir uns wieder auf den Weg zurück nach Manly machten. 

Mittwoch, 17. August 2016

Great Ocean Road

(Sonntag, 14. August 2016)

Dieser Trip wäre doch tatsächlich fast ins Wasser gefallen. Aber von vorn...
Wieder sehr früh am Morgen zog es mich aus den Federn. Vorteil: Im Gemeinschaftsbad ist noch nicht los und auch auf den Straßen begegnet man nur wenigen Menschen. Alles ist so ruhig und friedlich - und wunderschön! Ich lief entlang der Southbank-Promenade in Richtung Princes Bridge, denn mein Ziel war wieder der Federation Square bzw. die St Paul's Cathedral, der Treffpunkt der gebuchten Tour. Dabei wurde ich Zeuge eines wunderbaren Sonnenaufgangs, der durch die Heißluftballons, die über die Skyline von Melbourne hinweg glitten, gekrönt wurde. Ich bin wirklich kein Frühaufsteher, aber für solche Momente lohnt es sich dann doch und die Müdigkeit ist wie weggeblasen.
Auf die bevorstehende Tour war ich über Facebook durch den Typen, mit dem ich damals nach Port Stephens und zur Jervis Bay gefahren bin, aufmerksam geworden. Ein Freund von ihm bietet ähnliche Trips rund um Melbourne an. Und da meine Erfahrungen bisher durchgehend positiv waren und ich kleine, individuellere Touren bevorzuge, beschloss ich den Tag mit Aussie Escapades zu verbringen. 
Ich freute mich schon unglaublich auf diesen Trip, es war das Highlight meines Wochenendes und dann tauchen 6 der 12 eingeplanten Personen nicht auf. Sonntag Morgen um 7.30 Uhr, was ist wohl der Grund?! Eine durchzechte Nacht sollte mich völlig aus dem Konzept schmeißen, der Guide Justin war drauf und dran, die Tour abzusagen und uns einen Rabatt für das nächste Mal zu garantieren, da es sich mit so wenig Personen für ihn nicht rentiert. Für mich gab es aber kein nächstes Mal, ich würde am nächsten Tag bereits wieder abreisen. Ich glaube, die Enttäuschung und der Schock stand mir ins Gesicht geschrieben. Ich weiß nicht, was ihn letztendlich dazu bewegt hat, aber lange Rede kurzer Sinn: eine halbe Stunde später saßen wir im Van auf dem Weg zur Great Ocean Road. Zwar hatte er die Route etwas umgestellt bzw. umgedreht, damit die lange Rückfahrt zu unserer Anfahrt und die kurze Anfahrt zu unserem Rückweg wird und wir uns von Westen nach Osten anstatt anders herum hervor arbeiten, aber das war mir egal. Ich war einfach nur glücklich. Und durfte auch noch vorne sitzen - beste Sicht, bester Platz!
Nach drei Stunden Fahrt erreichten wir unser erstes Ziel, die Bay of Islands. Wow! Die Küstenlandschaft ist atemberaubend und es ist immer wieder faszinierend zu sehen, was Mutter Natur so alles erschaffen kann. Wunderschön und beeindruckend, vor allem die Kraft des Meeres, die wir an diesem Tag durch den enormen Wellengang zu spüren bekamen. Weiter ging es zur Bay of Martyrs, The Grotto und London Bridge, alles tolle Aussichtspunkte und einen Stopp und ein Foto wert. Mein persönliches Highlight war allerdings die Bucht Loch Ard Gorge, wo man zum Strand hinuntersteigen und die kolossalen Klippen von unten betrachten kann.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatten wir wirklich viel Glück was andere Touristen anging, es war bei weitem nicht so überlaufen, wie ich es erwartet hatte, Fotos ohne andere Menschen im Hintergrund waren kein Problem :) Bei unserem nächsten Stopp, den 12 Aposteln, die aber eigentlich nur noch 8 sind, sah das Ganze natürlich etwas anders aus. Aber dank unseres Guides, der - vielleicht sollte ich das hier erwähnen - immer auf unsere Sicherheit bedacht war, und eines überwundenen Zauns konnten wir die Aussicht in Ruhe genießen. Ohne etwas gegen sie zu haben oder ihnen etwas böses zu wollen, aber die Asiaten sind hier (also in Australien) wirklich überall - und in ziemlich großer Masse... :D
Unermüdlich ging es weiter zu den Gibson Steps, wo man dank einer Treppe die Küstenklippe hinab steigen und ebenfalls an den Strand gehen kann und eine wunderbare Sicht auf einen der Apostel aus der Froschperspektive hat. Massiv!
Nach einem Barbecue machten wir uns wieder auf den Weg, dieses Mal hatten wir eine etwas längere Zeit im Van vor uns. Zunächst ging es für ca. eine Stunde nicht mehr direkt an der Küste entlang, die Aussicht war eher unspektakulär. In Apollo Bay angekommen, einem niedlichen kleinen Örtchen, verläuft die Great Ocean Road allerdings erneut parallel zum Meer und man staunt ununterbrochen über die Schönheit, die sich vor einem ausbreitet. Ich übertreibe nicht, es ist wirklich wunderwunderwunderschön! Die hügelige grüne Landschaft, die in dem Meer untergeht und durch die sich eine kleine Straße an der Küste entlang schlängelt. Und dann dazu der feine weiße Dunst der Wellen, die das Gesamtbild überziehen und mit einem mystischen Hauch versehen.
Wenn man Glück hat, kann man Küstennah Wale beobachten, Surfer sieht man aber zu hundert Prozent. Und wir entdeckten einen wilden Koala in einem Baum am Straßenrand. Meine Freude war natürlich riesig und dann saß er auch noch fast zum Greifen nahe auf einem Ast über unseren Köpfen. In Berührung kamen wir kurze Zeit später mit ein paar freundlichen und sehr zutraulichen bunten Vögeln, deren Namen mir schon wieder entfallen sind. Wenn man ihnen Vogelfutter anbietet, sieht die Szenerie wohl fast so aus wie die Taubenlady in Kevin allein in New York - nur farbenfroher! :D
Nach einem kurzen Stopp während des Sonnenuntergangs am Teddy's Lookout fuhren wir zum Great Ocean Road Tor / Memorial Arch und machten uns beim Einbruch der Dunkelheit noch auf Kängurujagd, die aber mehr oder minder erfolgreich war. Wir bekamen zwar welche zu Gesicht, aber nur aus weiter Entfernung und es wurde einfach zu schnell zu dunkel. Eine weitere Stunde Fahrt stand nun noch vor uns, bevor wir wieder in Melbournes Innenstadt abgesetzt wurden.
Fazit: Es war ein unvergesslicher, entspannter Tag mit tollen Menschen und einem super Tourguide. Ich bin Justin sehr dankbar, dass er uns dieses Erlebnis trotz schlechtem Start ermöglicht hat und uns fast die gesamte Great Ocean Road und ihre Schönheit zeigen konnte.

Dienstag, 16. August 2016

Melbourne Pt I

(Samstag, 13. August 2016)

Ich hatte so einen schönen, ausführlichen Post über diesen Tag verfasst und habe ihn anstatt zu veröffentlichen ausversehen gelöscht... super, super ärgerlich :(
Also noch einmal von vorn:
Viel zu früh für meinen Geschmack ging es am Samstag Morgen auf in mein nächstes Reiseabenteuer, ein Stadttrip nach Melbourne im Staat Victoria. Der frühe Vogel fängt den Wurm... oder wie war das noch?! Um 3 Uhr klingelte nach 2h Schlaf mein Wecker, um 3.45 Uhr musste ich das Haus verlassen, damit ich um kurz nach 4 Uhr meinen Bus in Richtung Stadt erwischte. Puh! In Sydney musste ich dann an der Wynyard Station in den Zug umsteigen, der mich zum Flughafen bringen würde. Ich stieg, um die überteuerten Gebühren zu sparen, wieder eine Haltestelle eher aus und lief den Rest zu Fuß.
Pünktlich und mit dem Glück einen Fensterplatz zugewiesen bekommen zu haben, hob das Flugzeug in Richtung Melbourne ab. So früh am Morgen war die Aussicht auf Sydney und den Hafen sehr faszinierend & schön. Ein paar Minuten nach Abflug fielen mir allerdings meine Augen zu und auch in Melbourne wollten sie sich noch nicht wieder so richtig öffnen lassen. 1,5h Flugzeit sind dann doch nicht genug, um eine ganze Nacht aufzuholen... 
Da der Avalon-Flughafen etwas außerhalb von Melbourne liegt, musste ich mir für 19$ einen Transfer in die Stadt buchen. Im Bus gibt es aber immerhin kostenloses WLAN (ziemlich praktisch, wenn man sein monatliches Datenvolumen schon aufgebraucht hat...) und man wird ebenfalls kostenlos vom Busbahnhof zu seiner Unterkunft gebracht. Somit wurde ich direkt vor dem Urban Central im Stadtteil Southbank abgesetzt, wo ich meinen Rucksack in der Gepäckaufbewahrung verstaute (Zimmerbezug ist meistens erst ab 14 Uhr) und mich auf den Weg machte, die Umgebung zu Fuß zu erkunden. 
Als Erstes ging es in den schön angelegten botanischen Garten, in dem sich allerdings die Jahreszeit deutlich bemerkbar machte. So prachtvoll wie auf den Bildern war es durch die kahlen Bäume und tristen Farben des Winters leider nicht. 
Apropos Winter: Meine Gastmutter hatte mich zwar vorgewarnt, aber dass es so kalt in Melbourne sein würde, hätte ich wirklich nicht gedacht. In Sydney durften wir letzte Woche schon T-Shirt-und-beinahe-kurze-Hose-Wetter genießen und hier unten musste ich bei unter 20 Grad und bewölktem Himmel meine dicken Pullis wieder hervorkramen. Ich weiß, es ist "meckern" auf hohem Niveau, aber man gewöhnt sich schnell an das warme Klima. 
Vom Shrine of Remembrance im botanischen Garten hat man einen tollen Ausblick auf die Skyline. Dort nahm ich anschließend die Tram in die Innenstadt. Melbourne hat das größte Tram-Netwerk der Welt und die Nutzung ist im Innenstadtbereich sogar kostenlos. Eine gute Sache! Ich lief zu den riesigen Queen Victoria Markets, doch nach einem schnellen Rundgang (etwas zu touristisch bzw. die Auswahl traf nicht ganz meinen Geschmack) setzte ich meinen Weg fort zur Staatsbibliothek (State Library of Victoria). Denn dort starten vor der Sir Redmond Barry Statue täglich um 10.30 und 14.30 Uhr kostenlose Stadtrundführungen (free walking tours). Lenah hatte mich netterweise im Voraus darauf hingewiesen. Ich kenne diese Art von Tour schon aus Paris und in Sydney werden sie auch angeboten. Sie sind zwar im Endeffekt nicht ganz kostenlos, da man dem Guide so viel Trinkgeld gibt, wie einem die Führung wert war, aber immer noch günstiger als vergleichbare Optionen. Außerdem sind sie nicht ganz so staubtrocken und werden in entspannter, lockerer Atmosphäre abgehalten und mit witzigen Anekdoten versehen. Ich finde, das ist eine sehr gute Möglichkeit, erst einmal einen groben Überblick über die Stadt, die man besucht, zu gewinnen, auszusortieren, welchen Orten und Sehenswürdigkeiten man später noch nähere Aufmerksamkeit widmen sollte und welchen eher nicht und sich Orientierung zu verschaffen. Meine lag nämlich zu dem Zeitpunkt noch bei Null... 
Ich nahm nun den späteren Termin wahr. Im ersten Teil der Tour konzentrierte sich der Inhalt hauptsächlich auf die Geschichte Melbournes, ihren Aufbau und die wichtigsten historischen Gebäude. Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es dann eher um den künstlerischen und ästhetischen Aspekt. Unser Weg führte uns durch die zahlreichen laneways & arcades, also Seitenstraßen und (Einkaufs-)Passagen, wir bestaunten die vielfältige Straßenkunst (vor allem Graffiti) und gelangten zu dem architektonisch außergewöhnlichen Federation Square, der gegenüber vom Bahnhof Flinder Street Station liegt. Wir überquerten den durch Melbourne fließenden Yarra River auf der Princes Bridge und gelangten so nach Southbank. Von dort hatten wir einen wunderbaren Blick auf die dämmernde Stadt und ihre immer mehr erleuchteten Hochhäuser. Nach 3,5h trennten sich dann unsere Wege wieder - meiner führte mich zum nahe gelegenen food court eines Einkaufszentrums, um meinen Hunger zu stillen. 
Den Abend ließ ich an der mit Lichterketten beleuchteten Promenade von Southbank ausklingen. Die passende Stimmung lieferten zahlreiche Straßenkünstler und zur vollen Stunde kann man die vom Crown-Casino veranstaltete Feuershow bewundern. 
Nach einem langen, ereignisreichen, aber auch sehr zufrieden stellenden ersten Tag fiel ich früh in mein Hostel-Hochbett. Wie ich es doch liebe... nicht! Aber es erfüllt seinen Zweck. Gute Nacht!

Mittwoch, 3. August 2016

Der Angriff des Kookaburras

(Samstag, 30. Juli bis Dienstag, 02. August 2016)

Freitag Abend stieg ich ins Auto meiner Gastmutter und machte mich auf den Weg zum Domestic Airport. Denn nur knapp 2 Wochen nach meinem Besuch an der Gold Coast stand der Kurztrip von Steffi nach Sydney auf dem Plan. Ziemlich müde von der Arbeitswoche ließen wir den Freitag in Ruhe zu Hause ausklingen. Dafür sollte es am Samstag früh mit dem straffen Touri-Programm losgehen. Zunächst stärkten wir uns mit einer Bare Naked Bowl am Manly Beach und nahmen anschließend die Fähre in Richtung Stadt. Obwohl es ziemlich windig und dadurch recht frisch war, ließ ich Steffi keine andere Wahl als draußen zu sitzen. Für den Ausblick lohnen sich eine zerzauste Frisur und durchgefrorene Finger allemal... Denn der Moment, wenn die Skyline sich so langsam hinter der grünen Hügellandschaft erhebt und die Spannung immer weiter steigt, bis man schließlich das erste Mal das Opernhaus und die Harbour Bridge zu sehen bekommt, ist einmalig. 
Am Circular Quay angekommen, schlugen wir nach links in Richtung Opernhaus ein, liefen durch den botanischen Garten, anschließend zurück und weiter Richtung The Rocks und erkundeten dort den Markt und das Viertel. Über die Pitt Street liefen wir zur Fußgängerzone/Innenstadt, wo sich auch der Westfield Sydney Tower befindet, auf den wir hinauf fuhren. Im Anschluss haben wir noch einen Abstecher in das The Strand Gebäude (wunderschöne, alte charismatische Einkaufspassage!) und das Queen Victoria Bulding [auch nicht schlecht ;)] gemacht, bevor wir am Darling Harbour entlang gelaufen und schließlich zurück zum Circular Quay gefahren sind. Ganz schön viel Sydney an einem Tag! 
Am Sonntag fuhren Steffi und ich zunächst noch zusammen zum Circular Quay, gingen dann aber getrennte Wege. Ich machte mich auf den Weg zum Wild Life Zoo / Darling Harbour, in der Hoffnung einen Blick auf die Koala-Joeys, die die Beutel ihrer Mütter vor kurzem Verlassen haben und somit auch für Besucher sichtbar sind, werfen zu können. Ich habe selten so etwas niedliches gesehen: eng aneinander geschmiegt, schlafend auf einem Baum. Der Koala im Nebengehege war dagegen putzmunter und somit saß ich einfach für eine ganze Weile dort und habe diese unglaublich faszinierenden Tiere beobachtet. Im Anschluss bin ich - dank meiner Jahreskarte, die sich mittlerweile längst ausgezahlt hat - kostenlos ins benachbarte Madame Tussauds und habe mir die Wachsfiguren - hauptsächlich aus der australischen Geschichte und Prominenz - angeschaut. Mit Steffi habe ich mich auf ein kurzes Mittagessen getroffen, bevor es für mich zurück nach Manly ging, denn Familienbesuch war angekündigt. Das erste Mal, dass ich auf die Großeltern / Eltern meiner Gastmutter treffen würde. Die haben sich nämlich aus dem 3 Stunden entfernten Canberra, der Hauptstadt Australiens, auf den Weg zu uns gemacht, um uns ihr altes (→ mein neues) Auto zu bringen. Sehr freundliche Menschen, mit denen wir einen gemütlichen, gesprächigen Abend verbrachten. Und die Tatsache mit dem Auto ist natürlich auch nicht schlecht... :D
Montag musste ich wieder ganz normal arbeiten, aber nach meiner Morgenroutine hatte ich Zeit, Steffi ein bisschen die Gegend um Manly herum zu zeigen. Der kleine und relativ private Strand Collins Beach, der seit unserem Umzug nur 5 Gehminuten entfernt liegt, war unser erstes Ziel, bevor wir uns anschließend über einen Wanderweg Richtung North Head / Fairfax Lookout bewegten. Der Ausblick auf die Klippenküste und den Hafen inklusive Skyline ist immer wieder schön. Wir hatten sogar das Glück, für einen kurzen Moment einen Wal beobachten zu können. In dem weit und breit einzigen Café holten wir uns unsere wohlverdiente Stärkung und den langersehnten Kaffee. Das Warnschild ("Eat outside at your own risk") über die Kookaburras (einheimische Vogelart) belächelte ich nur kurz, bevor wir uns auf eine Wiese mit Blick über die wunderschöne Gegend setzten. Wer kann denn auch schon ahnen, dass genau Steffi die Auserwählte sein wird, die von einem hungrigen Kookaburra überfallen und ihres Muffins bestohlen wird. Nach einem kurzen Schmerz- und Schockmoment war das Gelächter groß! :D Auch meine Gastmutter war später von dem Vorfall mit dem eigentlich harmlosen Vogel überrascht: "Die tun so etwas?!"
Steffi fuhr nachmittags in die Stadt, während ich meiner Au Pair-Pflicht nachkam. Und ich kann nur sagen: es ist himmlisch, wieder ein Auto zur Verfügung zu haben! Wie ich es vermisst habe. Und nach einem Tag "Luxus" kann ich mir schon kaum noch vorstellen, wie ich das alles ohne fahrbaren Untersatz meistern konnte bzw. habe mich sehr, sehr schnell an den neuen Umstand gewöhnt...
Abends fuhr ich dann ebenfalls in die Stadt und traf mich mit Steffi im IMAX am Darling Harbour. Durch Groupon hatte ich noch Gutscheine für das Kino mit der weltgrößten Leinwand, die kurz vor dem Verfallsdatum standen (15$ anstatt 35$ pro Person). Da die Filmauswahl nicht sehr groß (es gibt immerhin "nur" eine Leinwand) und unser Zeitfenster eingeschränkt war, fiel unsere Wahl auf Star Trek Beyond 3D. Nicht gerade mein Filmgeschmack, aber auf jeden Fall ein Erlebnis in diesem Kino wert. 
Den Dienstag haben wir ruhig angehen lassen. Da nicht sonderlich viel Zeit übrig war, habe ich Steffi zur Fähre gebracht, damit sie ihre restlichen Stunden noch in der Stadt verbringen konnte. 
Wieder verging die gemeinsame Zeit viel zu schnell, doch der Abschied ist nicht für lang und bis dahin kann ich nur sagen: Schön, dass du da warst! :)

Freitag, 29. Juli 2016

Halbzeit

(Montag, 25. Juli bis Freitag, 29. Juli 2016)

Unglaublich, aber ich bin heute auf den Tag genau ein halbes Jahr auf dem Kontinent der Kontraste und der Vielfältigkeit, der unendlichen Weite und der gefährlichsten Tiere der Welt. In Sydney, Australien. Seit einem halben Jahr arbeite ich als Au Pair in einer unglaublich tollen Familie mit unglaublich tollen Kindern in einer unglaublich tollen Gegend mit unglaublich tollen und vielen Stränden und unzähligen Möglichkeiten. Seit einem halben Jahr lerne ich immer wieder die unterschiedlichsten Menschen kennen und verbessere mein Englisch täglich. Seit einem halben Jahr genieße ich den entspannten Lebensstil der Australier. Seit einem halben Jahr erkunde ich dieses Land und seine so vielen wunderbaren und wunderschönen Seiten. Viele Orte habe ich schon gesehen, viele weitere Orte warten darauf noch gesehen zu werden. Ich bin voller Vorfreude, aber auch erschrocken, wie schnell die Zeit hier vergeht. Nur noch 5 Monate Arbeit liegen vor mir und  dann bleibt mir noch ein ganzer Monat zum Reisen. An die Orte, an die ich es bis dahin nicht geschafft habe. Was dann kommt, steht noch in den Sternen, aber vielleicht sollte ich so langsam mal anfangen, mir Gedanken darüber zu machen...
Ich wollte die Gelegenheit nutzen, um auch mal etwas näher auf meine Beziehung zu den Kindern einzugehen. Man merkt es - während es sich entwickelt - kaum, aber die Kinder sind mir mittlerweile sehr vertraut und ans Herz gewachsen. Man lernt die Gewohnheiten und "Macken" kennen und damit umzugehen. Man weiß, wie man schnellstmöglich Tränen trocknet und wieder ein Lachen auf das Gesicht zaubert. Man erlebt viele schöne Momente und verbringt gerne auch mal Zeit mit den Kindern außerhalb des Au Pair-Daseins, es fühlt sich insgesamt kaum wie Arbeit an. Die Aufgaben und Abläufe werden zur Routine, man erledigt (fast) alles mit links. Gerade die letzten Wochen habe ich spüren dürfen, dass vor allem der Kleine mir gegenüber immer aufgeschlossener und anhänglicher wird, sogar wenn die Eltern da sind (aber nicht immer... :D), was mir viele Situationen um einiges einfacher macht. Die Schreikrämpfe beim Verabschieden der Mutter sind vorbei, - das war nur eine kurze Phase -, mittlerweile werde ich mit Umarmungen und Küssen überhäuft. Nur die Große macht es uns allen gerade nicht immer leicht. Ich glaube der ganze Umzugsstress geht nicht ohne Weiteres an ihr vorbei, sie schläft schlecht und ihre Launen wechseln stündlich. Mag auch am Alter liegen, aber egal was letztendlich der Grund ist, auch diese Phase werden wir überstehen... Ich bin auf jeden Fall froh, auf diese beiden Kinder aufzupassen - sie machen mir den Job überwiegend ziemlich, ziemlich leicht :)
Deshalb habe ich mich schon vor geraumer Zeit zusammen mit meiner Gastfamilie dazu entschieden, dass ich bis Ende des Schuljahres (Dezember) bei ihnen bleibe. Normalerweise wäre mein Aufenthalt bei ihnen nämlich sonst schon um. Ich kann mir für mich momentan einfach nicht vorstellen, mein gemütliches Au Pair-Leben gegen das eines Backpackers einzutauschen. Ich bevorzuge mein eigenes Zimmer dann doch dem eines Hostels. Ich muss mir keine Gedanken um Miete und Verpflegung machen und habe trotzdem ohne viel Arbeit einen ziemlich entspannten Wochenablauf. Eventuell werde ich mich aber nun auf die Suche nach einem Nebenjob begeben, denn das mit dem Geld sparen klappt nicht ganz so wie erhofft... Die Reisekasse würde sich zumindest darüber freuen.
Das Wetter wird so langsam wieder wärmer, das habe ich letzte Woche schon gedacht. Meine Gastmutter glaubt sogar, der Frühling stehe vor der Tür. Dagegen habe ich nichts, auch wenn man sich über den Winter hier im Vergleich zu Deutschland nicht beschweren kann. Und doch habe ich viel gefroren in den letzten Wochen. Man gewöhnt sich schnell an das warme Klima und mittlerweile bin ich schon voller Vorfreude auf den Sommer, gerade wenn den ganzen Tag die Sonne scheint und man die Hitze, die bald wieder über Sydney liegen wird, trotz windigen und kalten Momenten erahnen kann. 
Die Woche selbst war relativ anstrengend, aber nicht der Kinder wegen. Die Surfstunde am Donnerstag war nach drei-wöchiger Pause super ermüdend und Muskelkater-fördernd, außerdem so angsteinflößend wie noch nie. Ich wurde von einer ziemlich großen Welle ein ganzes Stück mitgerissen, unter Wasser gedrückt und habe sogar eine Flosse meines Softboards verloren. In solchen Momenten überlege ich: warum mache ich das eigentlich?! Doch der Spaß überwiegt. Der Umzug steckt uns noch tief in den Knochen und auch wenn wir seit Mittwoch endlich die offizielle Erlaubnis haben, in dem Haus zu wohnen, gibt es noch viel zu tun oder ist provisorisch hergerichtet. Möbel sind bisher kaum welche aufgebaut und wenig Kisten ausgepackt, die Handwerker sind noch ordentlich mit dem Feinschliff beschäftigt, sodass ich mir die Zeit lieber lesend in Cafés vertreibe, mein Badezimmer hat noch kein Waschbecken, die eingebauten Kleiderschränke sind noch nicht eingebaut und auch unser Tagesablauf ist noch etwas durcheinander. Ich musste ganze Gerichte in nur einem mir zur Verfügung stehenden Topf zubereiten - blöd, wenn die alten Töpfe auf dem neuen Induktionsherd nicht funktionieren...-, lange (Fuß)Wege zur Schule und insgesamt überall hin (und zurück) und darüber klagende Kinder in Kauf nehmen und mich wieder in einem neuen Haushalt zurecht finden. Mein Motto in dieser Woche: Organisation ist alles! Ein neuer Herd / Ofen bedeutet fast so viel wie neu kochen zu lernen, das durfte ich in den letzten zwei Monaten und fünf verschiedenen Küchen feststellen. Aber auch das wird sich alles mit der Zeit einrenken, Hauptsache wir müssen nie wieder umziehen... ;) 

Montag, 25. Juli 2016

Schlaflos in ein neues Heim

(Dienstag, 19. Juli bis Sonntag, 24. Juli 2016)

Da ich der Typ Mensch bin, der Urlaub von seinem Urlaub braucht (vor allem, wenn man nonstop unterwegs ist...), war die Woche nach meinem Trip an die Gold Coast ziemlich anstrengend, vor allem da mein Schlafmangel durch meine 7-jährige Zimmergenossin nicht gerade gelindert wurde. Kam es die letzten zwei Wochen eher selten vor, dass ich mein Zimmer teilen musste, da die Große oft bei der Mutter mit im Bett schlief, so hatte ich diese Woche keine Ruhe. Mein Gastvater kam von seiner Geschäftsreise wieder, sodass platzmäßig gar nichts anderes übrig blieb, als das Mädchen im oberen Bett des Hochbettes schlafen zu lassen. Dass sie keinen besonders ruhigen Schlaf hat, stellte ich im Laufe der Nächte unfreiwillig fest. Ich haben einen Menschen noch nie so viel im Schlaf reden geschweige denn sich bewegen hören. Und mit bewegen meine ich boxen, treten, sich von der einen auf die andere Seite schmeißen und die Decke stündlich neu platzieren. Wenn dann auch noch Albträume hinzu kommen, sodass ich 3 Mal pro Nacht aufstehen und das im Schlaf weinende Mädchen beruhigen muss, die keine Anstalten machte, aufzuwachen, kann man eventuell verstehen, weshalb ich mehr als sonst auf meine tägliche Dosis Kaffee angewiesen war. Freitags bekam ich dann auch noch von einer Mutter zu hören: "Du siehst aber gar nicht gut aus...!" - Danke, genau das habe ich jetzt gebraucht und baut mich wirklich auf!
Ich habe mich damit über Wasser gehalten, dass das alles in absehbarem Zeitraum vorübergehen und der Umzug am Samstag anstehen würde. Außerdem saß ich nicht allein in diesem Boot, man merkte allen eine gewisse gereizte Grundstimmung und Übermüdung an, das Mädchen wurde dann auch noch krank - nur der Junge steckte alles ziemlich gut weg. In dieser Woche ging ich nicht surfen, erst einmal macht es mir mehr Spaß und ist motivierender, wenn man in Gesellschaft zur Stunde geht - und ich habe noch keine neuen "Surfbuddies" gefunden - und dann wollte ich meinen (halben) freien Tag lieber gemütlich und entspannt verbringen, weshalb ich mich mit einem dänischen Au Pair in einem Café (Bluewater, direkt an der Strandpromenade) traf. Was man als Au Pair so eben in seiner Freizeit tut... sein Geld in Gesellschaft anderer für Essen und Kaffee ausgeben :D
Samstag war es dann so weit, der große Umzugstag stand endlich bevor. Früh packten wir unsere restlichen Sachen, putzen die Wohnung der Freunde, die uns während ihrer Abwesenheit Unterkunft gewährten und machten uns gegen Mittag auf den Weg zum neuen Haus. Ich war schon seit Tagen ganz gespannt, denn das letzte Mal, als ich das Haus vor 2 Monaten sah, war es eine einzige große Baustelle. Auch jetzt ist es noch eine, aber eine, auf der man leben kann... Meine Aufgabe war es dann hauptsächlich die Kinder außerhalb des Hauses zu beschäftigen, damit die Eltern die Küche und die Schlafzimmer säubern und einigermaßen bewohnbar einrichten konnten. Es ist trotzdem alles immer noch unglaublich staubig von den ganzen Bauarbeiten und ich glaube damit werden wir auch in den nächsten Wochen noch ordentlich zu kämpfen haben. Da das Wetter gut mitspielte, machten wir uns auf den Weg zum Little Manly Beach und verbrachten dort und auf dem nahe gelegenen Spielplatz einige Stunden. Nach einem langen Tag ließen wir uns Essen liefern und fielen früh ins Bett. 
Sonntag wollte ich eigentlich in die Stadt fahren, aber ich kam morgens einfach nicht aus den Federn. Meine Kräfte reichten später am Nachmittag nur für einen Kaffee in Gesellschaft von anderen Au Pairs am Strand. Abends ging ich mit meiner Gastfamilie in dem Restaurant essen, in das sie mich an einem meiner ersten Abende eingeladen hatten und feierten den Einzug in das langersehnte Eigenheim. Und nach zwei anstrengenden Monaten kann ich sagen: auch wenn der Ausblick und die Lage noch so schön ist (sehr ruhig mit Blick auf einen National Park, den Hafen und die Skyline Sydneys), das Haus riesig und ich sogar mein eigenes Badezimmer habe, ist das Beste an der ganze Sache, dass ich mir nie wieder mein Zimmer mit einer 7-Jährigen teilen, nie wieder in Australien umziehen muss und mich endlich - auch wenn es nur für ein paar Monate ist - heimisch einrichten und angekommen fühlen kann. Das ist mein persönlicher Luxus. Und den werde ich genießen.

Mittwoch, 20. Juli 2016

Shame on me!

Die letzten zwei Monate war es leider ziemlich still auf meinem Blog. Hauptsächlich lag es daran, dass hier einfach sehr viel los war, manchmal aber fehlte auch einfach die Lust oder Kraft. Doch hochmotiviert sitze ich nun an meinem Laptop und werde wieder regelmäßiger über mein Erlebtes schreiben. Vorgenommen habe ich mir außerdem, die letzten Wocheneinträge nachzuholen, das wird aber Stück für Stück erfolgen und wohl etwas Zeit in Anspruch nehmen... Diese werde ich der zeitlichen Abfolge entsprechend einordnen, wer also Lust hat, Genaueres zu erfahren, sollte sich zu gegebener Zeit in der Übersicht vor allem in den Monaten Mai und Juni mal umschauen. 
Für den Rest gibt es eine kurze Zusammenfassung der Ereignisse:
Ich bin zusammen mit meiner Gastfamilie gefühlte 7436 Mal umgezogen. Ohne Witz. Ziemlich anstrengend und nervenaufreibend für jeden von uns. Aber so wie es aussieht, wird bald etwas Ruhe in unseren Alltag einkehren. Das hoffe ich zumindest...
Der Winter ist in Sydney eingekehrt. Ab Ende Mai wurde es schlagartig kalt, vor allem nachts. Ca. 13 bis 18°C waren die Durchschnittstemperaturen, so langsam wird's wieder etwas wärmer. Im Schatten ist es super kalt, in der Sonne immer warm, was die Auswahl der Kleidung manchmal nicht leicht macht. Es ist überwiegend trocken, aber wenn es regnet, dann so richtig und Anfang Juni traf der schwerste Sturm seit 25 Jahren auf die Küsten und Strände Sydneys.
Außerdem habe ich viele neue tolle Menschen kennenlernen und eine lustige, aufregende Zeit mit ihnen verbringen dürfen. Wir feierten meinen 25. Geburtstag, nahmen weitere mehr oder minder erfolgreiche Surfstunden, unternahmen einen Roadtrip nach Byron Bay oder tranken zahlreiche Kaffees in einem der zahlreichen Cafés. Doch von vielen musste ich bereits wieder Abschied nehmen und bin nun wieder einmal auf Mission "neue Freunde".
Ich fühle mich hier immer noch sehr wohl, mit meiner Gastfamilie könnte es nicht besser laufen und ich bin wieder und wieder erstaunt wie schnell doch die Zeit vergeht. Es ist bald Halbzeit - wow!

Surfers Paradise und ein paar bekannte Gesichter

(Montag, 11. Juli bis Mittwoch, 13. Juli 2016)

Im Ausland auf vertraute Gesichter aus der Heimat zu treffen ist immer schön. Dann auch noch ein paar Tage mit ihnen verbringen zu können, umso mehr. 
Am Montag ging es am späten Nachmittag zum Flughafen, von wo aus ich meine Reise an die Gold Coast startete. Ich stieg dieses Mal eine Station vor dem Domestic Airport aus und lief den Rest zu Fuß (Mascot, ca. 20 Minuten). Mit leichtem Gepäck durchaus machbar und man spart eine Menge Geld, fast 13$ um genau zu sein. Innerhalb einer guten Stunde erreichte ich mein Ziel und wurde von Chris an der Busstation in Surfers Paradise abgeholt und zusammen machten wir uns auf den Weg zu dem Restaurant in dem Steffi arbeitet. Seltsam, eine so gute Freundin auf der anderen Seite der Welt in einer unbekannten Gegend wieder zu sehen und dann ist es doch gleichzeitig irgendwie so normal als wären wir daheim. Der restliche Abend verlief nach einer kurzen Tour durch den Kern der Stadt eher ruhig, nach so einer langen Zeit hat man sich ja auch einiges zu erzählen... :)
Für Dienstag und Mittwoch hatte Steffi sich extra frei genommen, sodass wir unsere Tage zusammen verplanen konnten. Dienstag fuhren Steffi, Chris und ich mit einem Mietwagen nach Noosa an der Sunshine Coast, ca. 3,5h nördlich von Surfers Paradise. Die Sunshine Coast machte ihrem Namen dann auch alle Ehre. War es zuvor noch bewölkt und mäßig warm, tat die Sonne ihr Bestes nachdem wir das Straßenschild passierten. Auf 25°C waren wir nicht vorbereitet, Shorts, T-Shirt und Badesachen nicht in unserem Gepäck. Das hielt uns aber nicht davon ab, an der Küste des Noosa National Parks entlang zu laufen, das Wetter zu genießen und einen wilden Koala in einem Baum zu entdecken. Zugegebenermaßen waren es nicht wir, die mein australisches Lieblingstier sichteten, sondern andere Touristen, aber ihr könnt euch vielleicht meine Freude über diesen Fund vorstellen! Und wenn nicht: Riesengroß!!! Unglaublich toll so ein Tier in freier Wildbahn zu sehen, vor allem an einem Ort, wo man überhaupt gar nicht damit rechnet. Sehr auffällig sind sie nämlich nicht, schlafend inmitten der Zweige und Blätter. Dieser Koala war sogar recht aktiv. Ich weiß nicht ob es daran lag, dass er sich durch seine Beobachter gestört fühlte oder wirklich einfach eine Pause vom Schlafen einlegte bzw. seine Schlafposition just in dem Moment veränderte. Jedenfalls hat mich diese Begegnung für den Rest des Tages ziemlich glücklich gestimmt. 
Nach unserer kleinen Wanderung haben wir uns am Strand von Noosa gestärkt und machten uns bei einem der schönsten Sonnenuntergänge wieder auf den Weg zurück an die Gold Coast. Insgesamt hat es mir dort sehr gut gefallen, Noosa selbst ist ein wunderschöner Ort mit wunderschönen Häusern und Bootsanlegern entlang von wunderschönen Kanälen. Und der Strand ist auch nicht schlecht ;)
Steffi und ich ließen den Abend bei Max Brenner ausklingen, einem Café spezialisiert auf Schokolade. Himmlisch! Das legendäre Nachtleben von Surfers Paradise ließen wir links liegen, denn in Sporthose und Sneakers durch die Clubs zu ziehen schien uns nicht die beste Idee, wenn man die aufgetakelten Damen betrachtete, die um Einlass baten. 
Mittwoch gingen Steffi und ich im Q1 Building, dem höchsten Gebäude an der Küste, auf der Skypoint Aussichtsplattform frühstücken. Nicht viel teurer als der normale Eintritt und somit lohnenswert. Das Frühstück war okay, der Kaffee ziemlich grottig, dafür der Ausblick umso besser. Klare Sicht, ein schöner Himmel und ein guter Überblick der Region. Was mich an Surfers Paradise so fasziniert, ist, dass einige wirklich hohe Häuser direkt am Strand stehen und diese Stadt nicht so eine Wirkung hat wie andere Städte, die Hochhäuser haben. Die hohen Gebäude sind verteilt, liegen nicht dicht an dicht, eher bröckchenweise mal hier, mal dort. Übersichtlicher. Weitsichtiger. Und von weitem sieht sie trotzdem aus wie jede andere Skyline. Die Zwischenräume gehen verloren. Das durfte ich am Miami Beach feststellen, zu dem wir nachmittags mit dem Rad fuhren. Die Gold Coast eignet sich hierzu definitiv besser als die hügelige Landschaft um Sydney... 
Abends schlenderten wir noch über die nicht so spektakulären und sehr touristischen Nightmarkets, bevor wir den Rest des Abends auf der Couch ausklingen ließen, da ich am nächsten Morgen schon wieder früh hoch musste, um meinen 4-tägigen Roadtrip anzutreten. 

Sonntag, 8. Mai 2016

Ich packe (nicht nur) meine Sachen

(Montag, 02. Mai bis Sonntag, 08. Mai 2016)

Einen schönen Muttertag wünsche ich allen Müttern, aber vor allem einer: meiner Mama! Du bist und bleibst die Beste - ich vermisse dich und hoffe, du hast dich von Wiebke ordentlich verwöhnen lassen :) Ich fiebere jetzt schon unglaublich dem September entgegen, wenn ich dich und Papa in Sydney in Empfang nehmen und endlich persönlich wiedersehen kann.

Diese Woche stand ein Thema ganz groß auf dem Plan: UMZUG!
Wie bereits letzte Woche erwähnt, liefen die Umzugsvorbereitungen schon seit zwei Wochen auf Hochtouren, die letzten paar Tage wurde es dann ernst - und stressig. Anstatt von vier Tagen arbeitete ich sechs (Montag bis Samstag) und half, so viel es ging, beim Packen, Aufräumen und Vorbereiten mit. In meinen Bereich fiel, die Kinderkleidung und die Spielsachen zu packen, die Wände von Kritzeleien zu befreien, die Ablagen in unserem Bad und den (Einbau)Kleiderschränken (von den Kids und mir) "Übergabefertig" zu machen - sprich abzuwischen - und natürlich meinen eigenen Kram wieder in meinen Koffer zu quetschen. Und dann noch der ganz normale Babysitting-Alltag. Die Tage waren lang und kräftezehrend - nicht nur für mich -, vor allem Donnerstag und Freitag, aber im Nachhinein betrachtet ging es trotzdem alles super schnell rum. 
Für meine Freizeit blieb leider nicht allzu viel Energie übrig, weshalb die gesamte Woche in der Hinsicht ziemlich ruhig war. Am Montag Abend war ich mit Franzi in dem kubanischen Restaurant Havana Beach, welches sich direkt am Manly Beach befindet, essen. Sie hatte einen unglaublich guten Deal auf Groupon gefunden, bei dem wir für 20$ ein Getränk, einen Snack sowie Vor- und Hauptspeise erhielten. Super lecker und super günstig! Im Anschluss ließen wir den Abend im 4 Pines, einer lokalen Brauerei, ausklingen. Die restliche Zeit nutzte ich, um Dinge zu erledigen und zu organisieren [es steht bald der Geburtstag meiner kleinen Schwester an... ;)], den Blog weiterhin zu aktualisieren (wenn man einmal hinterher hängt...) und zu lesen.
Am Samstag stand dann also (endlich?!) der große Tag bevor. Nachdem ich morgens meine restlichen Sachen gepackt und mein Zimmer ausgeräumt hatte, ging ich wieder zu dem monatlichen Au Pair Meeting von Peterpans, wo ich einige nette Leute kennenlernen durfte. Mission "Neue Freunde" in vollem Gange. Mal sehen was sich daraus so entwickelt, aber ich muss ehrlich zugeben, dass ich es ganz schön anstrengend finde, immer wieder neue Leute zu treffen und immer wieder dieselben Gespräche zu führen. Ich bin eher der Typ Mensch, der lieber weniger Bekanntschaften, dafür mehr Freunde um sich hat. Smalltalk ist nicht so meins, ich brauch immer ein bisschen um mit Menschen warm zu werden. Das Au Pair Leben besteht aber leider aus vielen Bekanntschaften, ein ständiges Kommen und Gehen, und ich hoffe einfach, unter diesen ein paar Freunde zu finden, mit denen ich hier eine schöne Zeit erleben kann. We will see!
Im Anschluss übernahm ich den 4-Jährigen, die 6-Jährige wurde bei einer Freundin untergebracht. Das verschaffte den Eltern Zeit, in Ruhe und ohne Ablenkung den Großteil des Umzugs über die Bühne zu bringen. Die Möbel wurde zum neues Haus gebracht, die alltäglich gebrauchten Dinge wie Klamotten und Spielsachen in das Ferienhaus. Ich fuhr unter anderem mit dem Jungen in die Mall, um Bilderrahmen für das Muttertag-Geschenk der Kinder zu besorgen. Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, denn er liebt es sehr, Bus zu fahren. Abends saßen wir dann alle zusammen fix und fertig auf der Couch und haben uns Pizza bestellt. Ein guter Abschluss nach einer Woche voller Ein- und Auspacken. 
Den heutigen Tag habe ich entspannt in meinem neuen (vorübergehenden) wunderschönen Zimmer in unserem wunderschönen Altbauferienhaus, das genau meinen Geschmack trifft und nur eine Querstraße vom Manly Beach gelegen ist, verbracht. Ich denke, das habe ich mir nach dieser Woche verdient ;) 

"Du brauchst Freunde!"

(Dienstag, 26. April bis Sonntag, 1. Mai 2016)

Das stellte mein Gastvater fest, nachdem er von meinem Netflix-Marathon am Samstag erfuhr. Haha - dem kann ich nur zustimmen... :D

Eine Woche voller Veränderungen stand mir bevor. Nicht nur, dass es meine erste Woche zurück in Manly, zurück im Arbeitsalltag und leider nun ohne Freunde ist, sondern auch, weil sich mein Arbeitsplan und mein Wohnsitz für die nächsten Wochen ändert und der näherrückende Umzug sich schlagartig im Haushalt bemerkbar machte. Meine Gastfamilie baut nämlich ein Haus. Das ist allerdings noch nicht ganz fertig und da wir aus unserem jetzigen Apartment ausziehen müssen, geht es für fünf Wochen in eine Ferienunterkunft. Puh! Auch der Arbeitsplan meiner Gastmutter ändert sich, sodass ich nun Mittwoch anstatt Donnerstag meinen freien Tag habe. Mehr Arbeit für mich, da der Junge dann zwei volle Tage mit mir zu Hause verbringt. Aber für eine absehbare Zeit okay ;) 
Diese Woche war allerdings völlig aus dem Konzept. Dienstag waren beide Kinder mit mir zu Hause - letzter Tag der Schulferien -, Mittwoch wie üblich und Donnerstag und Freitag bespaßte ich den 4-Jährigen ganztags, am letzten Tag der Arbeitswoche aber routinemäßig wie immer in der Gesellschaft von einem anderen Jungen aus der Kindergartengruppe und seiner Mutter. Spielgruppe, Brezel Bar, Bücherei - ich muss sagen, das hat sich so langsam zu meinem Lieblings(arbeits)tag gemausert. Immer super entspannt und ein glückliches Gastkind. Perfekt!
Die Woche in Cairns war nach Sophies Heimreise glaube ich ganz gut, um den Fakt zu verdrängen, dass, wenn ich zurück komme, keiner meiner Freunde mehr in Manly ist. Aber diese Woche musste ich der Tatsache dann leider doch ins Gesicht blicken und mich darum bemühen, neue Kontakte zu knüpfen. Facebook ist da eine große Hilfe ;) Am Mittwoch traf ich mich ziemlich spontan mit Franzi - ebenfalls deutsch und Au Pair - im Café Barefoot Coffee Traders. Sehr guter Kaffee in sympathischer, gesprächiger Gesellschaft - ein guter Start in die Mission "Neue Freunde". 
Am Wochenende hatte ich allerdings ein kleines Tief und die Unlust hat mich überfallen. Das führte zu dem Netflix-Marathon gefolgt vom Kommentar meines Gastvaters beim Abendessen. Sonntag bin ich über den wöchentlichen Markt in Manly geschlendert, der wegen Bauarbeiten entlang des Corsos verlegt wurde und direkt am Strand stattfand. Kein schlechter Standortwechsel :) Den restlichen Nachmittag verbrachte ich damit, meiner für den Umzug packenden Gastfamilie so gut es ging unter die Arme zu greifen. 
Ich bin auf jeden Fall gespannt, was mich in den kommenden Wochen so alles erwartet.