Mittwoch, 28. September 2016

Von Meerestieren und dem Frühling

(Montag, 19. September bis Sonntag, 25. September 2016)

Der Montag fing abermals mit meiner morgendlichen Surfstunde an, ähnlich gut, wenn nicht sogar noch besser als die letzte und vor allem intensiv. Denn wir waren nur zu zweit, sodass man, sobald man eine Welle erwischt hat und wieder hinauf aufs Meer gepaddelt ist, schon wieder an der Reihe war. Extrem anstrengend, aber durchaus zufriedenstellend. Und wenn dann ein junger Wal auch noch eine 10-minütige Springshow einlegt und uns somit eine faszinierende, atemberaubende und einem ein-Strahlen-aufs-Gesicht-zaubernde Pause beschert, gibt es rein gar nichts mehr zu meckern ;) Ein Kaffee am Strand bei strahlendem Sonnenschein in Gesellschaft von Caro und Verena rundete meine freie Zeit schließlich ab.
Dieses Glücksgefühl, dass alles wunderbar ist und mich in letzter Zeit häufiger überkommt, und meine gute Laune wurde am späten Nachmittag jäh zerstört, als ich nur knapp einem Autounfall entging. Ich hatte bei normalem Tempo innerorts beide Kinder im Auto und ein anderer Fahrer hat mir die Vorfahrt genommen. Es ist nichts passiert, er hat bremsen, ich ausweichen können. Aber es war haarscharf und solche Momente lassen einen erst so richtig realisieren, was alles hätte passieren können. Ich weiß, das ganze "hätte, wenn und aber" bringt einen nicht weiter, vor allem weil ja alles gut gegangen ist, aber abstellen kann ich solche Gedanken dann leider doch nicht und die Situation hat mich ähnlich wie der Unfall des Kleinen letzte Woche ziemlich aufgewühlt. Ich bin sogar abends auf meiner Fahrt zum Fitnessstudio noch einmal an der Stelle vorbei gefahren, nur um sicherzugehen, dass ich nicht Schuld war, irgendein Verkehrsschild übersehen habe und mir das womöglich wieder passiert. Manchmal wünschte ich mir, ich könnte meinen Kopf und meine tausend Gedanken einfach ausschalten...
Fröhlicher ging es in der Woche weiter. Am Dienstag gesellten sich drei Delfine zur Surfstunde von Verena und Caro, die alle mit Begeisterung beobachteten. Mittwoch traf ich mich vormittags mit Verena trotz Nieselregen am Strand und wir bummelten durch Manly, abends ging es dann mit Caro ins Gym. Und mein Tagesablauf mit den Kids verlief ebenfalls unkompliziert, Hobbys und Verabredungen mit anderen Kindern sind ein guter Zeitvertreib. Donnerstag habe ich Caro in meinen Nannyjob eingearbeitet - sie übernimmt nämlich meine Aufgaben, solang ich mit meinen Eltern am Herumreisen bin. Das Baby hat sich allerdings leider von seiner quengeligsten Seite gezeigt, was auf Caro gleich einen super Eindruck hinterlassen hat. Es kann nur besser werden... ;) Der Freitag und Samstag waren lang, ich musste viel arbeiten und fiel somit immer recht früh zu Bett.
Mein Tagesrhythmus hat sich hier in Australien sowieso total verändert. Halb 10 morgens bedeutet für mich ausschlafen, meistens bin ich aber schon gegen 7 Uhr wach. In Deutschland bin ich durch meinen Job in der Spätschicht teilweise erst um 14 Uhr aufgestanden. Abends wiederum gehe ich so früh ins Bett wie glaube ich noch nie in meinem Leben. Ich war schon immer eine Nachteule - abends fühlte ich mich immer produktiver - und nun bin ich um spätestens 12 Uhr wieder im Bett. Ich brauche meine 8 Stunden Schlaf, sonst quäle ich mich müde und gereizt durch den Tag. Entweder ich werde alt, oder in Deutschland ist mir das nie so stark aufgefallen, wenn ich (sogar ziemlich oft) weniger Schlaf abbekommen habe. Anderes Land, andere Sitten, andere Mentalität, anderer Job, anderer Tagesablauf, anderer Rhythmus. 
Auch Feiern gehe ich hier nicht so wirklich. Klar, auf ein Gläschen Wein bin ich immer zu haben, aber viel Alkohol konsumieren oder bis in die frühen Morgenstunden tanzen (Anmerkung: hier klappen die Bürgersteige spätestens um 3 Uhr in der Früh hoch, dafür geht alles etwas eher los und ist nicht so wie in Deutschland, wo man erst um 1 Uhr auf der Party erscheint) steht eher selten auf dem Programm, ich hebe mir lieber meine Kräfte (und mein Geld) für Unternehmungen wie Folgende auf:
Am Sonntag ging es (mal wieder) sehr, sehr, sehr früh los. Mit dem Auto, Marie und noch drei anderen Mädels, die ich über Facebook für unseren Trip gewonnen hatte, ging es nach Canberra, hauptsächlich um das von Mitte September bis Mitte Oktober stattfindende Frühlingsfest Floriade zu besuchen. Das Gute an dem Sonntagsbesuch waren nicht die zahlreichen Touristen, sondern die zahlreichen kostenlosen Parkmöglichkeiten - man spart wo man kann ;) Zunächst führte es uns zu den Old Bus Depot Markets - meine absolute Lieblingsbeschäftigung: gemütlich mit einem Kaffee in der Hand über Märkte schlendern und schöne Dinge entdecken [und eventuell kaufen ;)]. Im Anschluss haben wir einen Stopp in dem Café Pâtissez eingelegt, das für seine Kalorienbomben aka FreakShakes bekannt ist, welche mir allerdings zu mächtig waren und ich es lieber beim Bestaunen gelassen habe. Schnell ins und aufs Parlamentshaus geschaut, ging es dann endlich zur Floriade. Ein schönes, farbenfrohes Festival für jedes Alter. Ein Markt mit vielen verlockenden Ständen, Imbissbuden, Musik, Fahrgeschäfte / Riesenrad und tausende Blumen, hauptsächlich Tulpen in jeder Farbvariation. Das Wetter spielte einigermaßen mit - es war zwar bewölkt, aber trocken und relativ warm (ganz im Gegensatz zum regnerischen Sydney...). Es ging weiter zum Australian War Memorial, wo ich wieder der The Last Post Ceremony lauschte. Da ab 17.00 Uhr alles schloss, konnten wir uns das National Museum Of Australia nur noch von außen ansehen, was allerdings bei Sonnenuntergang und außergewöhnlicher Architektur ausreichend beeindruckend war. Nach einem langen Tag war ich jedenfalls unheimlich froh, als ich endlich wieder in meinem Bett lag. 
Good night!

1 Kommentar:

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