Mittwoch, 21. September 2016

Alltag

(Montag, 12. September bis Sonntag, 18. September 2016)

Am Montag Morgen war ich wieder zu gewohnter Zeit bei gewohntem Surflehrer in meiner Surfstunde, dieses Mal ohne Gesellschaft - Marie hat sich ihren Fuß verletzt. Und trotzdem war es bisher die beste Stunde. Die Konditionen waren perfekt und montags ist es immer schön ruhig, wir waren nur zu dritt in der Stunde. Da bekommt man einfach viel mehr aus den 120 Minuten raus, als wenn man zu sechst, siebt oder acht ist. Fast jede Welle habe ich dank meines Lehrers bekommen, fast jede Welle fühlte sich richtig gut an und ich hatte einen guten und sicheren Stand auf dem Board. Ich merkte zwar, dass ich seit fast drei Wochen nicht im Wasser war, meine Arme nach wenigen Minuten schon ermüdeten und ich zwischendurch kleine Pausen brauchte, aber so langsam fühle ich mich bei einfachen Konditionen wohl und komme zu 90% auf das Board, kann mich ausbalancieren und die Welle entlang reiten. Und jetzt wo es wieder wärmer wird und einem die Gliedmaßen trotz Neoprenanzug nun nicht mehr abfrieren, macht es doppelt so viel Spaß. So far, so good! To be continued...
Caro und ich befinden uns in Woche 3 unseres workouts. Manchmal habe ich zwar echt überhaupt keine Lust, vor allem Beine/Cardio ist grausam, aber zu Zweit zieht man es dann doch durch und hält die Termine ein. Außerdem ist abends das Fitnessstudio meistens schön leer, sodass wir ungestört und unbeobachtet unsere Übungen machen können - da fühle ich mich gleich viel wohler ;)
Am Mittwoch hatte der Kleine leider einen Unfall. Wir waren draußen, die Kids sind mit ihren Rollern (und Helmen auf dem Kopf) die Straße auf und ab gedüst. Die asphaltierte Straße geht an einer Stelle etwas bergab, sodass die Beiden ordentlich Tempo aufnahmen. Beim ersten Mal ging noch alles gut, der Junge wurde dadurch aber leider etwas übermütig und beim zweiten Mal war er dann noch schneller unterwegs. Es muss ein kleiner Stein auf der Straße gelegen haben - durch die ganzen Baufahrzeuge im Wohngebiet sind die Wege manchmal sehr sandig und steinig -, denn einen Moment später stoppte plötzlich der Roller bei voller Fahrt und der Kleine viel ungebremst auf sein Gesicht und seine Hand. AUTSCH! Blitzschnell war ich bei ihm, das Geschrei war verständlicherweise ziemlich groß. Ich nahm ihn erst einmal in den Arm um ihn zu trösten, bevor ich etwas später die Verletzungen genauer betrachtete: seine komplette Nase, über dem Mund und die eine Hand waren komplett aufgeschürft, ein paar kleine Kratzer am anderen Arm und seiner Brust kamen noch hinzu. Es blutete zwar nicht sehr stark, doch es sah unglaublich schmerzhaft aus. Trösten, die Wunden reinigen, trösten, das Ganze kühlen und noch mehr trösten. Ich bin so froh, dass nicht mehr passiert ist. Es hätte so viel schlimmer ausgehen können... Und ich bin froh, dass es mir möglich war, ihn zu beruhigen. Der Kleine war super tapfer und seine große Schwester, die ihn sonst gerne triezt, hat ihn wunderbar aufgemuntert und bemuttert. Die Situation hat uns alle ziemlich geschockt, vor allem aber den Kleinen und mich. Auch wenn niemanden die Schuld traf: Die Bilder, wie er hinfiel, schwirrten mir abends immer noch durch den Kopf.
Eine gute Ablenkung war der Besuch von Steffi un Chris. Da sie ihren Campervan schon abgegeben, aber noch eine Nacht bis zu ihrem Flug nach Neuseeland zu überbrücken hatten (und meine Gasteltern einfach die Besten sind), verbrachten wir den Abend in gemütlicher Runde bei leckerem Essen und einem Gläschen Wein bei uns zu Hause. 
Donnerstag und Samstag verbrachte ich wieder in Gesellschaft des Babys, am Freitag in der des Jungen. Ich stellte meine Backkünste erneut auf die Probe - dieses Mal gab es Kürbismuffins - und auch sonst verging die Zeit wie im Flug. Den Samstag Abend verbrachte ich dann ganz entspannt bei Caro zu Hause und Sonntag mit ihr bei unaufhörlichem Regen zunächst im Sealife Aquarium am Darling Harbour, im Anschluss in der Mall mit verlockenden Sonderangeboten und den Abend ließen wir im Kino bei dem neuesten Bridget Jones ausklingen. Mädchenprogramm! Eigentlich hatten wir ganz andere Pläne, doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung - ich finde allerdings, dass wir eine ganz gute Alternative gefunden haben :)
Zu Hause erwartete mich dann das pure Chaos: das Garagentor stand offen, die Haustür ebenfalls, überall brannte Licht, die Waschmaschine war noch voll, die Essenreste der Kids (es war mittlerweile halb 11...) standen noch auf dem Tisch und auch sonst war überall dreckiges Geschirr verteilt und die Küche sah aus wie sau - nur keine Menschenseele zu sehen. Ich wunderte mich schon ein wenig, fing aber an, alles aufzuräumen. Meine Gastmutter war über Nacht nicht da und mein Gastvater mit den Kindern allein, es würde so oder so an mir hängen bleiben. Eine halbe Stunde und eine fast saubere Küche später kam mein Gastvater die Treppe hinunter getapst, völlig verpennt: "Oh, sorry, bin weg gedöst, du brauchst das nicht aufräumen, ich mach das. Das war vorhin bloß alles so stressig mit den Kids." Das ist einfach so typisch er (ohne, dass ich das jetzt böse meine)! Mit den Kindern geht er super um. Sein Geduldsfaden ist zwar nicht sehr lang, aber mit ihm haben sie immer am meisten Spaß. Nur wenn es um das ganze Drumherum geht, ist er völlig überfordert bzw. nimmt einiges überhaupt nicht wahr. Haushalt?! Steht an letzter Stelle, kommt bei ihm immer zu kurz. Er ist super hilfsbereit, aber einfach etwas verplant. Ist nicht das erste Mal, dass ich ihm hinterher räume. Er ist definitiv Geschäftsmann, kein Hausmann... :D

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