Seit genau einem Monat befinde ich mich nun bereits auf australischem Boden. Wie ist es mir bisher ergangen? Wie ist meine Gefühls- und Gedankenlage? Zeit für ein kleines Resümee...
Ich fühle mich wohl. Das ist das Wichtigste, denke ich. Ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich ohne Grund andere Menschen anlächle. Und sie das Lächeln erwidern. Ich bin glücklich. Und entspannt. Genau das, was ich nach dem Studium, nach dem Stress, nach meiner ich-bin-so-nicht-glücklich-Situation brauchte (aber es nicht wusste). Auszeit. Auszeit vom Alltag, Auszeit vom geregelten Arbeitsleben. Vielleicht war es auch eine Flucht. Die Flucht vor der Frage: Was mache ich nun, was stelle ich mit meinem Leben an? In welchem Job sehe ich mich auch noch in 30 Jahren? Aber eins war es auf jeden Fall: die richtige Entscheidung - auch wenn ich vor meiner Abreise daran zweifelte.
Meine Gastfamilie ist super. Das Gefühl, was ich mit meiner zweiten Gastfamilie in Amerika hatte - das Gefühl, willkommen und Teil der Familie zu sein -, habe ich dieses Mal glücklicherweise gleich auf Anhieb erfahren dürfen. Die Eltern sind sehr kommunikativ, entspannt, interessiert, hilfsbereit und einfach gute Menschen. Die Kinder sind gut erzogen, unglaublich süß und bringen mir Freude und Spaß. Klar, es gibt Momente, in denen man die Augen rollt und nervenaufreibende & -strapazierende Angewohnheiten oder Situationen, aber das hält sich alles im Rahmen (vor allem, wenn ich das mit anderen Au Pairs vergleiche). Ich habe geregelte und angenehme Arbeitszeiten, erhalte ein faires "Taschengeld" plus Extrabezahlung für Extraarbeit. Leider auch nicht gang und gäbe.
Von den Agenturen wird einem erzählt, man solle keine Vergleiche anstellen. Man tut es trotzdem. Und ich bin froh, dass ich ganz gut dabei wegkomme - auch wenn das jetzt egoistisch klingt. Von den Agenturen wird einem auch erzählt, dass man die Wahl der Familie nicht vom Ort abhängig machen soll. Großer Mist! Natürlich ist es auch wichtig, sich mit der Gastfamilie zu verstehen, schließlich lebt man unter einem Dach und sieht sich täglich. Aber wenn man irgendwo im Nirgendwo landet, kann auch die beste Beziehung darunter leiden. Ich brauche meine Auszeit, ich brauche Abstand, ich brauche Zeit außerhalb des Hauses - am besten in Begleitung anderer Personen. Und ich glaube, das geht nicht nur mir so. Ich bin froh und schätze mich glücklich, dass ich in Manly, einem wunderschönen Ort mit vielen wunderschönen Stränden, und in der Nähe einer Großstadt mit zahlreichen Unternehmungsmöglichkeiten gelandet bin. Outback schön und gut. Aber nicht als Au Pair. Nicht für 6 Monate.
Mein Englisch war von Anfang an ganz okay, einfach durch mein Jahr in New York bedingt - allerdings etwas eingerostet. Man kommt aber schnell wieder rein und fühlt sich wohl, auch wenn man hier und da noch Fehler macht oder einem ein paar Vokabeln fehlen. Vor dem Verständnis hatte ich ein bisschen mehr Angst - unbegründet. Ich habe das Glück, dass meine Gastfamilie ziemlich akzentfrei ist. Bloß der Junge machte es mir am Anfang durch sein Nuscheln etwas schwer. Mittlerweile habe ich mich dran gewöhnt. Nur, wenn jemand super schnell und mit starkem australischen Akzent spricht, fällt es mir schwer, dieser Person zu folgen und sie zu verstehen. Aber das kommt bestimmt auch noch ;)
Außer, dass meine Haarfarbe ein paar Nuancen heller und meine Haut etwas dunkler geworden ist und ein paar Sommersprossen mein Gesicht und meine Arme zieren, hat sich sonst nicht groß etwas verändert. Für meine Verhältnisse bin ich wirklich schon braun, im Vergleich zu Anderen aber immer noch käseweiß. Die 6-Jährige hat kurz nach meiner Ankunft einen guten Vergleich bzw. eine "Rangliste" dazu aufgestellt: An erster Stelle der ich-bin-der-oder-die-sonnengebräunteste steht die Mutter, dann folgt sie selbst, dann ihr kleiner Bruder, anschließend der Vater und - mit riesengroßem Abstand (sie hat es mit ihren weit ausgebreiteten Armen demonstriert) - komme ich :D
Ich bin gespannt auf die noch folgenden Monate, auf mein Abenteuer Australien und was dort alles auf mich zukommt und mich erwartet. Aber eins weiß ich genau: Ich werde die Zeit so gut es geht genießen.