Montag, 29. Februar 2016

Resümee vom ersten Monat

Seit genau einem Monat befinde ich mich nun bereits auf australischem Boden. Wie ist es mir bisher ergangen? Wie ist meine Gefühls- und Gedankenlage? Zeit für ein kleines Resümee...

Ich fühle mich wohl. Das ist das Wichtigste, denke ich. Ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich ohne Grund andere Menschen anlächle. Und sie das Lächeln erwidern. Ich bin glücklich. Und entspannt. Genau das, was ich nach dem Studium, nach dem Stress, nach meiner ich-bin-so-nicht-glücklich-Situation brauchte (aber es nicht wusste). Auszeit. Auszeit vom Alltag, Auszeit vom geregelten Arbeitsleben. Vielleicht war es auch eine Flucht. Die Flucht vor der Frage: Was mache ich nun, was stelle ich mit meinem Leben an? In welchem Job sehe ich mich auch noch in 30 Jahren? Aber eins war es auf jeden Fall: die richtige Entscheidung - auch wenn ich vor meiner Abreise daran zweifelte.
Meine Gastfamilie ist super. Das Gefühl, was ich mit meiner zweiten Gastfamilie in Amerika hatte - das Gefühl, willkommen und Teil der Familie zu sein -, habe ich dieses Mal glücklicherweise gleich auf Anhieb erfahren dürfen. Die Eltern sind sehr kommunikativ, entspannt, interessiert, hilfsbereit und einfach gute Menschen. Die Kinder sind gut erzogen, unglaublich süß und bringen mir Freude und Spaß. Klar, es gibt Momente, in denen man die Augen rollt und nervenaufreibende & -strapazierende Angewohnheiten oder Situationen, aber das hält sich alles im Rahmen (vor allem, wenn ich das mit anderen Au Pairs vergleiche). Ich habe geregelte und angenehme Arbeitszeiten, erhalte ein faires "Taschengeld" plus Extrabezahlung für Extraarbeit. Leider auch nicht gang und gäbe.
Von den Agenturen wird einem erzählt, man solle keine Vergleiche anstellen. Man tut es trotzdem. Und ich bin froh, dass ich ganz gut dabei wegkomme - auch wenn das jetzt egoistisch klingt. Von den Agenturen wird einem auch erzählt, dass man die Wahl der Familie nicht vom Ort abhängig machen soll. Großer Mist! Natürlich ist es auch wichtig, sich mit der Gastfamilie zu verstehen, schließlich lebt man unter einem Dach und sieht sich täglich. Aber wenn man irgendwo im Nirgendwo landet, kann auch die beste Beziehung darunter leiden. Ich brauche meine Auszeit, ich brauche Abstand, ich brauche Zeit außerhalb des Hauses - am besten in Begleitung anderer Personen. Und ich glaube, das geht nicht nur mir so. Ich bin froh und schätze mich glücklich, dass ich in Manly, einem wunderschönen Ort mit vielen wunderschönen Stränden, und in der Nähe einer Großstadt mit zahlreichen Unternehmungsmöglichkeiten gelandet bin. Outback schön und gut. Aber nicht als Au Pair. Nicht für 6 Monate.
Mein Englisch war von Anfang an ganz okay, einfach durch mein Jahr in New York bedingt - allerdings etwas eingerostet. Man kommt aber schnell wieder rein und fühlt sich wohl, auch wenn man hier und da noch Fehler macht oder einem ein paar Vokabeln fehlen. Vor dem Verständnis hatte ich ein bisschen mehr Angst - unbegründet. Ich habe das Glück, dass meine Gastfamilie ziemlich akzentfrei ist. Bloß der Junge machte es mir am Anfang durch sein Nuscheln etwas schwer. Mittlerweile habe ich mich dran gewöhnt. Nur, wenn jemand super schnell und mit starkem australischen Akzent spricht, fällt es mir schwer, dieser Person zu folgen und sie zu verstehen. Aber das kommt bestimmt auch noch ;)
Außer, dass meine Haarfarbe ein paar Nuancen heller und meine Haut etwas dunkler geworden ist und ein paar Sommersprossen mein Gesicht und meine Arme zieren, hat sich sonst nicht groß etwas verändert. Für meine Verhältnisse bin ich wirklich schon braun, im Vergleich zu Anderen aber immer noch käseweiß. Die 6-Jährige hat kurz nach meiner Ankunft einen guten Vergleich bzw. eine "Rangliste" dazu aufgestellt: An erster Stelle der ich-bin-der-oder-die-sonnengebräunteste steht die Mutter, dann folgt sie selbst, dann ihr kleiner Bruder, anschließend der Vater und - mit riesengroßem Abstand (sie hat es mit ihren weit ausgebreiteten Armen demonstriert) - komme ich :D

Ich bin gespannt auf die noch folgenden Monate, auf mein Abenteuer Australien und was dort alles auf mich zukommt und mich erwartet. Aber eins weiß ich genau: Ich werde die Zeit so gut es geht genießen.

Dienstag, 23. Februar 2016

Gänsehaut

... hatte ich in dieser Woche definitiv genug, aber nicht des Wetters wegen ;)
Trotz angesagtem Regen bot meine dritte Arbeitswoche viel Sonne und Hitze. Deshalb ist es nicht ganz so verwunderlich, dass ich mit den Kindern so viel Zeit wie möglich am Strand oder im Schatten verbracht habe. Und auch meine freie Zeit habe ich manchmal lieber im kühlen Inneren des Hauses verbracht, als draußen... Ich mag warmes Wetter - und ich will mich definitiv nicht über die Sommertage hier beschweren -, aber wenn man schon bei der kleinsten Bewegung in Schweiß ausbricht und dann auch noch Kindern hinterher jagen muss, ist mir das doch etwas zu viel :D
Erst gegen Ende der Woche wurde ich etwas aktiver. Trafen wir uns schon am Montag in der New Brighton Hotel Rooftop Bar in Manly auf ein überteuertes Corona, wiederholte sich unsere Begegnung am Donnerstag. Finn, der gerade der deutschen Kälte nach Sydney entflohen ist, wartete am Circular Quay und gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum Sydney Tower Eye. Klare Sicht und ein toller Ausblick über die Stadt und ihre Vororte - so startet man doch gerne in den Tag. Anschließend ging es weiter in den WILD LIFE Zoo, wo ich das erste Mal auf Kängurus, Wallabys und Kasuare stieß. Doch am meisten verzauberten mich die Koalas. Die entspannten & (bis zu 20 Stunden am Tag) schlafenden Wesen waren mir sofort sympathisch. Essen, schlafen, wiederholen - genau mein Ding ;) Von der Tierwelt noch nicht genug, ließen wir es uns nicht nehmen, auch dem SEA LIFE Aquarium einen Besuch abzustatten.  Von Quallen über unzählige Fische, Rochen und Haie bis hin zu Dugongs (Seekühe) - alles was das (Meeres)Herz begehrt. Nach einem leckeren Mittagessen am Darling Harbour ging es für mich zurück nach Manly, da ich abends Babysitten sollte. Aber für einen Tag - finde ich - haben wir ganz gut was vom Touristenprogramm abgegrast. 
Freitags hatte ich den Jungen wie gewohnt den ganzen Tag, den wir (wie so oft) auf dem Spielplatz und anschließend im Manly SEA LIFE Sanctuary verbrachten. Er ist vor Begeisterung fast ausgeflippt, als wir zahlreiche Doris und Nemos entdeckten. Aber auch der water dragon (Wasseragame), die Pinguine, die riesige Seeschildkröte, die nicht weniger kleinen Rochen und die kolossalen Haie erregten (nicht nur) seine Aufmerksamkeit. Er erzählt immer noch jedem, der es wissen oder auch nicht wissen will, was er alles gesehen hat und möchte am liebsten gleich wieder dort hin. Vielleicht schaffen wir es diese oder nächste Woche noch einmal, denn ich habe mir einen Jahrespass angeschafft, der einige Attraktionen in Australien - unter anderem den Tower, beide Sealife Aquarien in Sydney und Manly und den Wildlife Zoo - enthält, damit ich jederzeit auch mit den Kindern dort hingehen und (vor allem in den Ferien) den Tag verbringen kann. Die Kosten für die Kinder übernimmt natürlich die Gastfamilie.
Eigentlich war der Besuch des Aquariums letzten Freitag dazu gedacht, der schwülen Hitze zu entfliehen - blöd nur, dass keine Klimaanlage vorhanden ist... (was ich vorher nicht wusste). Dafür kühlten wir uns im Anschluss zusammen mit seiner Schwester, die wir zwischenzeitig von der Schule abgeholt hatten, mit einem Eis am Strand ab. Und so ging eine weitere Arbeitswoche abermals in Windeseile um, das Wochenende stand vor der Tür - und ich fiel todmüde ins Bett.
Am Samstagmorgen war ich mit Sophie - dem deutschen Au Pair, das ich vergangene Woche bereits getroffen habe - für den Manly Scenic Walkway zum North Head verabredet, den ich schon mit einem Teil meiner Gastfamilie angefangen, wegen der Hitze aber vorzeitig abgebrochen hatte. Wir hatten Glück mit dem Wetter, denn es war bewölkt. Hätte die Sonne zu der vorhandenen Luftfeuchtigkeit noch geschienen... ich mag es mir gar nicht vorstellen. Auch so hatten wir ganz gut zu kämpfen. Aber jeder Schritt, jeder Tropfen Schweiß, jede Gänsehaut verursachende beinahe-Kollision mit Riesenspinnen, war es wert. Der Ausblick, der sich uns auf die Klippen, den Süden Richtung Bondi Beach und die Skyline inklusive Harbour Bridge bot, war einmalig und unglaublich schön! Hier wäre ein blauer Himmel dann doch noch die Kirsche auf der Sahnehaube gewesen. Anschließend belohnten wir uns mit leckrem Essen und schlenderten über den an jedem dritten Samstag im Monat stattfindenden Markt an der Manly Village Public School. Eine Mischung aus Flohmarkt und Händlern mit selbstproduzierten oder örtlichen Produkten. Wirklich toll! Das Wetter war im Laufe des Tages ziemlich wechselhaft, überwiegend bewölkt, mal sonnig, mal regnerisch, aber immer windig. Und ähnlich sollte es Sonntag sein. Regnete es morgens noch in Strömen - so laut, dass ich davon wach wurde und so viel, dass ich meine eigentlichen Pläne verschieben und auf einen Besuch im Museum Of Contemporary Art ausweichen musste -, schien nachmittags die Sonne vom Himmel, als hätte sie etwas nachzuholen. Damit hatte ich nicht gerechnet und holte mir bei einem Spaziergang durch Sydney meinen ersten kleinen Sonnenbrand. Den Abend ließ ich in Gesellschaft der beiden niederländischen Au Pairs mit Bier und take away an der Promenade und schließlich im Hotel Steyne ausklingen. 
In der kommenden Woche steht viel an: der 3-Jährige hat Geburtstag, meine erste Surfstunde ist für Donnerstag gebucht und meine Entdeckungsreise von Sydney und Umgebung wird fortgesetzt. Ich berichte...

Dienstag, 16. Februar 2016

36 Grad und es wird noch heißer...

Hoffentlich nicht! Denn ich finde, 36°C fühlen sich hier nicht unbedingt an wie 36°C - vor allem wenn es dazu auch noch schwül ist. So wie letzten Sonntag... Puh!
Doch fangen wir am Anfang der Woche an:
Die ersten Tage war es noch nicht ganz so heiß, das sollte sich erst im Laufe der Woche steigern. Ich verbrachte meine Zeit damit, den Super Bowl zu schauen, weiter Manly zu erkunden - ich habe einen Buchladen und ein Yogastudio für mich entdeckt, da werde ich in nächster Zeit hoffentlich noch mehr Stunden verbringen ;) -, mich mit einem anderen Au Pair auf einen Smoothie zu treffen oder mich einfach mit Musik und einem guten Buch an den Strand in die Sonne zu legen und die Wellen zu genießen. Ich weiß nicht genau, woran es liegt - wahrscheinlich an der Gewissheit, dass meine Zeit hier limitiert ist -, aber ich unterliege hier einem Tatendrang, den ich seit Jahren nicht mehr verspürt habe. In Hamburg hätte ich das gute Wetter wohl nicht so ausgenutzt wie hier. In Hamburg hätte ich wahrscheinlich Netflix vorgezogen und hätte mich nicht aufraffen können, meine freie Zeit anderweitig zu nutzen mit dem Gedanken: ach, heute hab ich keine Lust, das mach ich morgen. In Hamburg hätte ich kein schlechtes Gewissen, so wie ich es hier immer wieder habe, wenn ich vom Laptop zum Fenster in den strahlend blauen Himmel aufblicke. Klingt irgendwie traurig. Aber so ist es. Gut, dass sich das hier gerade ändert!
Arbeitsmäßig lief alles gut, die Kinder werden immer zutraulicher und sie machen es mir mit ihrer Art überaus einfach, morgens aus dem Bett zu steigen. Wir waren sehr viel auf dem Spielplatz (und auf den Schaukeln - ohne Witz, stundenlang!), haben uns am Strand der Hitze widersetzt oder haben zu Hause die nachmittägliche schulfreie Zeit genossen. Am Freitag habe ich beide das erste Mal ins Bett bringen müssen, auch das verlief ohne Probleme. Einziger nervenaufreibender Part: das Abendessen. Speziell auf den 3-Jährigen bezogen. Er isst nämlich ungefähr gar nichts und ist auch nicht gewillt, Sachen zu probieren. Teilweise sind seine Argumente nicht ganz hand- und fußfest ["Alles was Orange ist, mag ich nicht", "Wenn ich das probieren muss, verletzt das meine Gefühle" - aber okay, er ist 3 ;)] und manchmal sitzt man eine geschlagene Stunde mit ihm am Tisch, doch bisher habe ich immer geduldig mit ihm bleiben und Kompromisse aushandeln können, sodass er letztendlich - mal mehr, mal weniger protestierend - zumindest teilweise das isst, was ich ihm vorsetze. Vor allem Gemüse ist sein Feind. Schmeckt alles nicht. Aber Vegemite liebt er... ist klar! Wer von euch das Zeug schon einmal probiert hat, weiß wovon ich rede. Für alle anderen: man könnte auch Salz pur essen. Ich meine, Schokolade oder so, kann ich ja verstehen - aber das?! :D Man verstehe diesen kleinen Menschen.
Am Wochenende habe ich mich samstags mit zwei niederländischen Au Paris in der Stadt getroffen. Zusammen waren wir wegen des vom 6.- 21. Februar stattfindenden Sydney Chinese New Year Festival und dem damit verbundenen Jahr des Affen in Chinatown und anschließend noch in der Innenstadt unterwegs. Die hohen Häuser lassen mich die überwiegende Zeit in die Luft starren, aber es "flasht" mich nicht mehr so, wie damals in Manhattan. Trotzdem ist diese mir noch unbekannte Gegend völlig faszinierend und der Touristen-Modus voll angeschaltet (zum "Leid" der anderen beiden Au Pairs, die schon etwas länger da sind). Sonntags habe ich morgens noch ein paar Sachen besorgt und bin dann nachmittags - weil es einfach zu heiß für den Strand war - wieder mit zwei Au Pairs mit der Fähre in die Stadt geschippert und anschließend zur Pyrmont Bay gelaufen, um dort an dem The Sydney Morning Herald Lunar Market teilzuhaben. Super viele Stände mit super viel leckerem Essen, dazu noch ein kaltes Bier unter schönen Laternen direkt am Hafen - perfekt! 
Als die Dämmerung einbrach (unglaublich schön in der Kombination mit den mittlerweile erleuchteten Laternen!) und es ziemlich schnell ziemlich kalt wurde, machten wir uns mit der Fähre von Pyrmont Bay entlang des erleuchteten Luna Parks (Vergnügungspark an der Lavender Bay) und unterhalb der Harbour Bridge mit Blick aufs Opernhaus und die Skyline auf den Weg zurück zum Circular Quay und von dort weiter nach Manly. Was für ein wunderschöner, einmaliger, atemberaubender Ausblick!  Da war die "Kälte" prompt vergessen. Ich freue mich schon auf viele weitere so wunderbare Momente wie diesen :)
In Manly erwartete uns übrigens das düstere Nichts - Stromausfall! Nur ein paar Polizeiwagen leuchteten uns den Weg nach Hause, alles andere war dunkel - egal ob Wohnungen, Ampeln oder Straßenlaternen. Meine Gastmutter vermutet, dass es wohl an Überlastung lag. Hitze + viele schwitzende Haushalte + kühlende Klimaanlagen = Schwarz. Hat sich aber schnell wieder geregelt und ich konnte meinen Abend in Ruhe mit einer Folge House Of Cards ausklingen lassen.

Samstag, 13. Februar 2016

Die Deutschen sind einfach überall

Da ist man am anderen Ende der Welt und trotzdem rennt man täglich in deutschsprachige Situationen... Ob es die zwei Männer an meinem ersten Tag am Strand sind, die erste Mutter von einem befreundeten Kind, die mir in der Schule der 6-Jährigen vorgestellt wird, Touristen in den Botanical Gardens von Sydney (und auch eigentlich überall sonst in der Stadt und in Manly), der "Club der deutschen Mütter" auf dem Spielplatz oder andere Au Pairs. Überall! Wirklich! 
Das ist jetzt nicht böse gemeint, aber ich bin ja eigentlich hier, um Englisch zu sprechen. Und dann höre ich an jeder Ecke Deutsch. Ich versuche schon gar nicht mehr hinzuhören, aber ganz vermeiden kann man es dann doch nicht. Klar, es ist auch mal ganz angenehm, ab und an seine Muttersprache zu sprechen - es ist eben einfacher, man kann sich besser ausdrücken -, aber dennoch bin ich froh und freue mich über die Herausforderung mein Englisch und mein Verständnis der Sprache zu verbessern, das Vokabular zu erweitern, sich einfach sicher zu fühlen. Und das geht nunmal nicht auf dem bequemen Weg oder indem man ständig in die Muttersprache zurück fällt. 
In Amerika hatte ich während meiner Au Pair-Zeit eigentlich ausschließlich deutsche Au Pair-Freunde. Ich möchte diese Zeit niemals missen, es war ein großartiges Jahr mit großartigen Menschen, aber in der Freizeit hab ich deshalb überwiegend Deutsch gesprochen und mein Englisch nicht so gefördert, wie ich es hätte fördern können oder wollen. 
Ich habe hier mittlerweile schon ein sehr nettes deutsches Au Pair kennen gelernt, aber auch ein paar aus anderen Ländern, weshalb ich hoffe, dass es dieses Mal etwas internationaler wird. Man wird sehen, planen kann man so etwas ja nicht. Letztendlich liegt es daran, ob und mit wem man sich gut versteht, Interessen teilt und einfach auf einer Wellenlänge liegt und mit wem nicht.

Dienstag, 9. Februar 2016

Und dann war da auf einmal dieses Kribbeln im Bauch

... als ich am Sonntagnachmittag vorne an der Reling der Fähre, die mich innerhalb einer halben Stunde von Manly nach Sydney bringen würde, stand, mir der Wind kräftig um die Ohren blies und die Wellen fast bis ans Deck schlugen. Bald, ja ganz bald würde ich das erste mal die Skyline Sydneys sehen. Die Harbour Brigde, das Opernhaus. Ich war richtig aufgeregt! Und einfach nur glücklich!
Das sah am Samstag, meinem ersten freien Wochenendtag nach der 1. Arbeitswoche, noch etwas anders aus. Ich kam morgens einfach nicht aus dem Bett, hatte meinen ersten "down"-Moment / Tag und konnte mich nur gerade so eben dazu aufraffen, zumindest kurz an den Strand und etwas spazieren zu gehen. Ich weiß nicht, woran es lag - ob daran, dass zu Hause und somit ziemlich weit weg von mir gerade alle Fasching feierten und ich mich allein fühlte, oder daran, dass ich einfach müde und kaputt von den ersten Arbeitstagen, der Zeitumstellung, dem warmen Wetter war.
Auch am Sonntag bin ich nicht hochmotiviert aufgewacht. Da ich mir aber die ganze Woche schon vorgenommen hatte, den Sonntag und die damit verbundene bezahle-nur-2,50$-und-fahre-so-viel-und-wohin-du-willst-egal-ob-mit-Bus-Fähre-oder-Bahn-Regelung des Opal-Card-Systems vom NSW-Government zu nutzen, machte ich mich am frühen Nachmittag auf den Weg zur innerhalb von nicht einmal 10 Minuten fußläufig entfernten Manly Wharf. Schnell noch einen der besten Plätze auf der Fähre gesichert, ging es auch schon los in Richtung Sydney. Vorbei an Segelbooten, den Hügeln der Vorstädte, dem "Tor" zum offenen Ozean. Die Hochhäuser und der Sydney Tower sind von Manly aus zu sehen, doch wann würde ich endlich das erste Mal DAS Wahrzeichen Australiens zu der Sicht hinzufügen können?! Etwas ungeduldig, aber überwiegend aufgeregt stieg die Spannung immer weiter an. Und da war sie, langsam aber sicher kroch die Skyline Sydneys hinter dem letzten Hügel hervor und präsentierte sich bald in ihrer gesamten Schönheit. Okay, so langsam wird's kitschig :D Aber es war wirklich ein tolles Gefühl, alle Sorgen oder Bedenken und die Müdigkeit waren mit einem Mal wie (vom Fahrtwind) weggeblasen, ein Grinsen breitete sich über meinem ganzen Gesicht aus. Und ich war einfach nur glücklich. Glücklich, zufrieden, gespannt (auf das was nun noch alles vor mir liegt). 
Wenn ihr irgendwann mal in Sydney seid, fahrt mit der Fähre nach Manly. Einfach nur des Ausblickes wegen! Wow! [Und Manly ist auch ganz schön ;)]
Am Circular Quay angekommen bin ich in Richtung des Opernhauses und einmal drum herum gelaufen - von allen Seiten ein wirklich schönes Bauwerk, wenn auch etwas surreal wenn man so davor steht. Weiter ging es dann in die Royal Botanical Gardens, die dieses Jahr ihr 200-jähriges Bestehen feiern. Dort lief ich, vorbei an einer Hochzeitszeremonie und einem Open Air Kino mit einmaligem Ausblick, bis zum Mrs Macquaries Point. Ein paar obligatorische Touristenfotos später bin ich auf anderem Weg durch die Anlage zurück zum Circular Quay und weiter - vorbei an vielen Straßenmusikern - zu einem kleinen, teils überdachten Markt / The Rocks
Falsches Schuhwerk bereiteten meiner Erkundungstour ein jähes Ende, aber die paar Stunden waren schon so voll gefüllt mit neuen Eindrücke, dass es fürs Erste sowieso reichte. Müde, aber immer noch glücklich schipperte ich mit der Fähre (bei ebenso tollem Blick wie zuvor) gen Heimat(Hafen). 

Montag, 8. Februar 2016

1. Arbeitswoche

Meine erste Arbeitswoche war aufregend, verlief aber dennoch sehr entspannt. Der Junge, der am Anfang nicht ganz so begeistert von meiner Anwesenheit war, taut langsam auf und wird mir gegenüber zutraulicher. Der arme Kleine hatte in dieser Woche auch noch seinen ersten Tag in der Preschool - viel Veränderung auf einmal! Das Mädchen ist weiterhin sehr offen und fröhlich und macht mir den Einstieg extrem leicht. Und beide zusammen sind sie einfach nur unglaublich süß!
Am Montag, also meinem ersten Tag, war meine Gastmutter noch zu Hause und hat mir die generellen Abläufe und die Gegend gezeigt. Sie hat mir viele Tipps gegeben und ist die ganze Zeit - auch wenn ich ihr eventuell Löcher in den Bauch gefragt habe - geduldig, ruhig, entspannt und super freundlich geblieben. Auf die Art und Weise erzieht sie auch ihre Kinder, was mir sehr gefällt. Und das scheint ganz gut zu klappen, denn ich finde, dass beide Kinder gut erzogen sind: höflich & selbstständig - außer sie haben gerade mal eine müde oder launische Phase. Aber das ist bei Kindern wohl normal ;) 
Ab Dienstag war ich dann auf mich allein gestellt.
Meine genereller Wochenablauf sieht folgendermaßen aus: Jeden (Arbeits-)Tag fange ich um 8 Uhr an. Zu meinen Aufgaben gehört es dann hauptsächlich den Geschirrspüler auszuräumen und die Küche in Ordnung zu bringen, während meine Gastmutter die Lunchboxen und das Frühstück der Kinder vorbereitet. Zusammen unterstützen wir die Kinder, sich für die Schule fertig zu machen [an das tägliche Auftragen von Sonnencreme muss ich mich - egal ob bei mir oder den Kindern - erst noch gewöhnen, aber ich denke damit kann ich leben ;)], anschließend bringe ich das Mädchen zu Fuß zur Schule. Sobald der Junge sich an die Preschool gewöhnt hat, bringe ich auch ihn hin. Montags bis mittwochs hole ich dann beide um 15 Uhr wieder ab - die Zeit bis dahin steht mir zur freien Verfügung. Montag und Dienstag hat das Mädchen dann noch Sport, d.h. ich bin bis ca. 16.30/17.00 Uhr mit dem Jungen allein, mittwochs habe ich beide den ganzen Nachmittag. Die Zeit vertreiben wir uns am Strand, auf dem Spielplatz, auf der Schaukel an der Promenade, in der Bücherei oder zu Hause inmitten der zahlreichen Spielsachen. Grundsätzliche bin ich an all meinen insgesamt vier Arbeitstagen für das Essen der Kinder zuständig, an den ersten drei aber auch für uns Erwachsene. Donnerstags habe ich frei, außer es besteht Babysitting-Bedarf, was sie aber früh genug ankündigen und es wohl auch nicht so oft vorkommt und extra bezahlt wird. Das gilt auch für die Wochenenden. Freitags hat dann nur das Mädchen Schule und ich habe den Jungen den gesamten Tag. Mein erster Gedanke: Das kann aber anstrengend und lang werden! Doch ich muss sagen, dass der erste Freitag sehr schnell rumging - einfach dank der zahlreichen Unterhaltungsmöglichkeiten. Mag auf die Dauer auch langweilig werden, aber das werde ich dann ja sehen.
Im Haushalt muss ich relativ wenig machen, da alle zwei Wochen eine Putzfrau vorbei kommt. Ich bin lediglich für die Wäsche der Kinder sowie das trockene Wischen des Bodens im Küchen-, Wohn- und Essbereich zuständig - was bei dem Sand, den man täglich mit hinein schleppt, nur verständlich ist.
Sobald die Eltern von der Arbeit daheim sind, was täglich zeitlich variiert, bin ich "off", wobei ich dann gerne noch weiterhin in der Küche helfe oder mit den Kindern spiele und anschließend bei einem netten Gespräch mit den Eltern zu Abend esse. Insgesamt muss ich sagen, dass ich mich sehr wohl bei meiner Gastfamilie fühle und sie mir die Eingewöhnung und das Einleben durch ihre Freundlichkeit und Offenheit sehr leicht machen.
Meine freie Zeit habe ich natürlich auch gut genutzt: ich habe ein Bankkonto eröffnet, die Gegend zu Fuß erkundet, mich am Strand gesonnt und das Wellenbad genossen und bin mit dem Bus in die nahe gelegene, von meiner Gastmutter empfohlene Warringah Mall gefahren. Denn ich musste mich dringend mit sommer- & strandtauglichen Klamotten eindecken. In Hamburg brauch ich die nicht ganz so häufig, weshalb die vorhandenen und mitgebrachten 3 Shorts und 5 T-Shirts lange nicht für die zahlreichen verschwitzen, sandigen, salzigen Tage in Manly ausreichen. Nun sind es 5 Shorts, 9 T-Shirts und ein Jumpsuit und mein erstes Gehalt hatte nur eine kurze Lebensdauer ;)

Freitag, 5. Februar 2016

3 Strände in 3 Tagen

... und das ist erst der Anfang!
Kaum von der herzlichen Gastmutter und dem mir gegenüber schüchternen und noch etwas abweisenden Jungen begrüßt, ging es im Auto in einer knapp 1-stündigen Fahrt in das nördlich von Sydney gelegene Manly. Schon auf dem Weg dorthin verliebte ich mich schlagartig: in die Gegend, die Hügel, das Grün, die Häuschen, das Wasser, die Boote, den Sand. Traumhaft! Ich kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. 
Zu Hause angekommen, packte ich nach einer Führung durchs Apartment schnell meinen Koffer aus und dann ging es auch schon zum Strand, denn die Sonne schien kräftig zur Begrüßung vom Himmel. In unserer Nähe (damit meine ich fußläufig) gibt es 5 verschiedene Strände: Manly (neben Bondi Beach der bekannteste und einer der schönsten Strände Sydneys) und Shelly Beach, welche zum offenen Ozean (Pazifik) gerichtet sind, und dann noch Collins und Little Manly Beach sowie der Strand an der Promenade, welche in Richtung der Inlandsseite / des Hafen liegen. Die - ich nenn es jetzt mal - Inlandstrände sind eher ruhig, also gut geeignet für Familien oder Au Pairs mit Kindern, Manly Beach ist wegen des Wellengangs hingegen gut zum Surfen oder einfach zum Spaß haben geeignet und Shelly Beach zum Schnorcheln.
Für uns ging es an meinem ersten Tag an einen der kinderfreundlichen, nämlich Little Manly Beach. Schnell noch Sonnencreme aufgetragen, ging es auch schon ohne Umschweife ins Wasser. Überraschend kalt, aber super angenehm als Abkühlung. Da sich die Sonne aber relativ schnell wieder verzog, verzogen auch wir uns rasch nach Hause. Dort angekommen wollte ich eigentlich nur einmal kurz verschnaufen, während die Mutter das Mädchen von der Schule abholt - und bin dann am nächsten Morgen wieder aufgewacht. Ich habe somit einfach mal die Ankunft des Gastmädchens und -vaters verschlafen. Darüber habe ich mich ein bisschen geärgert... Aber das wurde dann eben am Samstag nachgeholt. Das Mädchen war gleich ganz offen und hat viel von sich, der Familie und der Gegend erzählt, auch der Gastvater hat mich super nett begrüßt. Und alle zusammen sind wir dann zum Manly Beach gelaufen. 
Dort hat mir mein Gastvater dann erst einmal seine "Strandregeln" erklärt, denn an diesem Strand kann das Schwimmvergnügen wegen der starken Strömung und des Wellengangs auch mal brenzlig werden. Aber wer in dem beflaggten Bereich schwimmt, kann gegebenenfalls einfach seine Hand heben und von den Lifeguards gerettet werden. Auch Haie werden hier regelmäßig gesichtet, sollte das allerdings der Fall sein, werden diese mit Helikoptern beobachtet und die Leute im Extremfall aus dem Wasser geschickt. Durchsagen werden, wie ich feststellen durfte, sowieso ständig gemacht und auch die Lifeguards trillern ständig mit ihren Pfeifen die Leute im Wasser zurecht (wer sich außerhalb der Schwimmzone wagt). Mein Fazit zum ersten richtigen Strandbesuch fällt allerdings so aus: WAS FÜR EIN SPAß! :) 
Abends gabs im örtlichen Manly 16ft Skiff Sailing Club von meiner Gastfamilie ein super leckeres Essen und eine Runde Bier spendiert. Guter Abschluss von einem schönen Tag.
Sonntags bin ich mit meinem Gastvater und der 6-Jährigen bei gefühlt 100°C den Scenic Walkway von Manly entlang gewandert. Auf Straßen, die San Francisco Konkurrenz machen (die Hügel hab ich ja schon anfangs erwähnt - im Auto fand ich die noch toll...), ging es in Richtung und vorbei an Shelly Beach durch den Nationalpark zu einem Aussichtspunkt. Bei der Hitze vielleicht nicht die allerbeste Idee, aber dank eines geliehenen Sonnenhuts meiner Gastmutter, Trinkwasserstationen zum Nachfüllen der Wasserflaschen und der Unterhaltung durch das Mädchen ganz gut auszuhalten. Ich hatte einen wunderschönen Blick über die Nordstrände von Sydney und sah die ersten - für deutsche Verhältnisse riesige, für australische Verhältnisse wohl eher kleine - Spinnen. An die muss ich mich definitiv noch gewöhnen! Auf der einen Seite faszinierend, da unbekannt (vor allem die riesigen Spinnennetze, die überall in und zwischen den Bäumen hängen), aber auch einfach mir-Gänsehaut-am-gesamten-Körper-bescherend eklig. Nach der Hälfte des Weges beschloss mein Gastvater eine Abkürzung zum Collins Beach zu nehmen (was ich ihm kein Stück übel nahm) und unsere Tour endete früher als erwartet. Dort schnorchelte ich das erste Mal in meinem Leben. Obwohl ich am Anfang das Gefühl unter Wasser atmen zu können als durchaus seltsam, wenn nicht sogar panikerregend empfand, das Wasser sehr trüb war und ich nicht so viele Fische sah wie das Mädchen, die ungefähr alle 5 Sekunden aufschrie "Hast du den gesehen?!", muss ich sagen, dass es viel Spaß gemacht hat und unbedingt wiederholt werden muss.
Abends überreichte ich noch meine Gastgeschenke, die durchweg positiv entgegen genommen wurden - vor allem mit den Süßigkeiten traf ich voll ins Schwarze ;)
Nach so einem aufregenden ersten Wochenende ist es glaub ich selbsterklärend, wieso ich todmüde, aber glücklich ins Bett fiel. Außerdem musste genug Kraft für den kommenden ersten Arbeitstag getankt werden.

Donnerstag, 4. Februar 2016

Ich bin dann mal am anderen Ende der Welt...

24 Stunden - davon 20 Flugstunden -, einen Zwischenstopp in Neu Delhi, zwei Sicherheitskontrollen,  super scharfes Flugzeugessen, ein Fläschchen Wein, ein paar Turbulenzen und Momente des "Ich fasse es immer noch nicht", unglaublich geschwollene Fußknöchel, eine meinen Geschmack nicht unbedingt treffende Filmauswahl, viel Schlaf und ein taubes Ohr später landete ich endlich in Sydney, NSW, Australia. Hatte ich auf dem ersten Flug noch das unglaubliche Glück eine ganze Reihe für mich allein zu haben und mich ohne Ende ausbreiten zu können, musste ich auf dem längeren Flug mal wieder feststellen, wie eng es doch in so einem Flugzeug sein kann. Da ich aber mehr mit meiner Erkältung und somit meinen Ohren beschäftigt war, war die Frage "Wohin mit meinen Beinen?" eher zweitrangig. Fix und fertig stellte ich mich zur Passkontrolle für Non-Residents an, gespannt, ob ich nach einem Rückflug oder dem Kontoauszug gefragt werden würde. Nö! Einmal schnell den Pass gescannt, kurz mein Gesicht mit dem Foto abgeglichen und schon gab es den ersehnten Stempel und Einlass ins Land der unzähligen Strände, der Kängurus, der unendlichen Weite.
Meine ersten Schritte gingen in Richtung Toilette, bei fast 20 Grad Temperaturunterschied musste schnell ein Kleidungswechsel her. Außerdem wollte ich einigermaßen vorzeigbar meiner Gastfamilie entgegen treten. Nicht, dass die mich gleich am Flughafen stehen lassen... ;D Den Koffer eingesammelt, ging ich zielsicher auf das Tor Nothing to declare zu - ich hatte wirklich nichts anzumelden, aber ein mulmiges Gefühl habe ich trotzdem irgendwie jedes Mal - gab meinen Zettel, den ich im Flugzeug ausfüllen musste, ab und war nun ganz offiziell mit Sack und Pack Down Under.
Auf meine Gastmutter und den Jungen, die mich vom Flughafen abholen würden, musste ich noch ein wenig warten, was sie aber vorher angekündigt hatten und mir somit Zeit ließ, ein generelles "Ich bin gut angekommen" zu verbreiten. 

Mittwoch, 3. Februar 2016

Hast du denn schon dein Visum?

Das war wohl die häufigste Frage, die ich in den letzten Monaten zu hören bekam :D Ist ja auch nicht ganz unwichtig... aber nicht das Einzige, was beantragt, vorbereitet oder besorgt werden muss.
Nachdem ich nun also eine 4-köpfige Gastfamilie in Australien gefunden hatte und feststand, dass es Ende Januar für mich nach Manly - einem kleinen, aber feinen Vorort von Sydney in New South Wales - geht, wo ich auf einen 3-jährigen Jungen und ein 6-jähriges Mädchen aufpassen werde, verschaffte ich mir erst einmal einen Überblick, was alles auf meine to-do-Liste gesetzt werden muss. Meinen Reisepass hatte ich bereits im Sommer beantragt, da mein alter im Oktober ablief und ich einen bei Ausreise noch gültigen Pass für die Bewerbung bei der Agentur brauchte. Abgesehen davon natürlich die offensichtlichen Dinge: einen Hinflug (den Rückflug ließ ich aus Gründen der Flexibilität von Zeitpunkt und Ort/Route weg), eine Kreditkarte, einen internationalen Führerschein, eine Auslandskrankenversicherung. Und natürlich das Working Holiday Visum, mit dem ich - wenn man zwischen 18 und 30 Jahre alt ist - ab Beantragungsdatum 1 Jahr Zeit habe, um in das Land zu reisen, anschließend 1 Jahr dort bleiben, bis zu 6 Monate bei demselben Arbeitgeber arbeiten und so oft ein- und ausreisen darf, wie ich möchte und das Visum gültig ist.
Amüsante Geschichte zwischendurch: Visum beantragt (dauert online ca. 1 Stunde) & bezahlt (440 AUD + Kreditkartengebühren), Antragsbestätigung per E-Mail bekommen. 4 Wochen gewartet, schon total nervös und sich Gedanken machend im Internet recherchiert (normalerweise erhält man bei der Onlinebeantragung die Bestätigung des Visums bereits nach wenigen Stunden), noch einmal die E-Mails gecheckt, um dann festzustellen, dass die heiß ersehnte Nachricht bereits wenige Minuten nach Beantragung und Bestätigung im Postfach war und von mir einfach übersehen wurde. Was lernen wir daraus?! Man sollte seine E-Mails immer gründlich lesen...!
Ich wechselte Geld, besorgte Gastgeschenke, deckte mich mit Sonnencreme LSF 50+ und Lektüre über Land und Leute ein, informierte mich über die Gepäckbestimmungen (ich musste mal wieder feststellen: es ist nicht einfach für ein Jahr zu packen...), klapperte sämtliche Ärzte ab, druckte alle wichtigen Dokumente und einen Kontoauszug zum Nachweis von genug Eigenkapital aus, suchte und fand eine Untermieterin für mein Zimmer, räumte eben dieses bis auf die Möbel leer und fing an, meinen Abschied zu planen.
Abschied von Arbeitskollegen, von Freunden, von Familie. Teilweise unwirklich und seltsam und dadurch relativ ruhig und gelassen, doch auch traurig. So ganz kam ich nun doch nicht um Tränen herum. Die große Aufregung setzte dann zwei Tage vor Abflug schlagartig ein. Schlaflosig- und Übelkeit gehörten zu meinen ständigen Begleitern. Der Koffer wurde gefüllt, um- wieder aus- und schließlich endgültig eingepackt. Das Handgepäck für zu schwer befunden und ebenfalls reduziert und aussortiert. Und das Auto in Richtung Frankfurter Flughafen bestiegen...

Montag, 1. Februar 2016

Schaffe ich das allein?!

... oder benötige ich die Unterstützung einer Agentur?!
Die Fragen hören nicht auf! Es gibt viele Entscheidungen und vor allem Vorbereitungen zu treffen, wie ich im Lauf der Zeit immer wieder feststellen musste. Man sollte wirklich früh genug mit der Planung anfangen - am Ende reicht die Zeit dann nämlich doch nie aus! ;)
Instinktiv schaute ich mich zunächst nach Agenturen um, vermutlich aus Gewohnheit. Mein Traum von Amerika wäre damals ohne Agentur nämlich gar nicht möglich gewesen. Ich ließ mir diverse Infobroschüren zuschicken und füllte relativ schnell die ersten Bewerbungsunterlagen aus. Das Komplettieren meiner Online-Application zog sich dann jedoch etwas hinaus - 1. da ich mitten in meiner Abschlussarbeit steckte und 2. da sie ziemlich umfangreich war. Vom Beantworten eines langen Fragebogens, über das Einholen diverser Referenzen (childcare & character), eines polizeilichen Führungs- und ärztlichen Gesundheitszeugnisses, das Erstellen von Bildcollagen und eines Videos bis hin zum Schreiben von gefühlt tausend Briefen und Kurzbeschreibungen, in denen inhaltlich eigentlich immer dasselbe stand. Mehr ging wirklich nicht... Ach doch, ich vergaß: hinzu kam noch ein persönliches Interview, das sich über eine Stunde hinauszog. Puh! Nun fehlte nur noch die Freischaltung seitens der Agentur für die Gastfamiliensuche.

Da sich dies allerdings nun seitens der Agentur etwas hinzog und ich - mittlerweile fertig mit Studium - auf heißen Kohlen saß, beschloss ich nach Rat einer Freundin, mich auf der Plattform aupairworld kostenlos anzumelden. Da ich die ganzen Berwebungstexte usw dank der Agentur bis zum Äußerten perfektioniert hatte, hieß es dort: copy+paste. Innerhalb von wenigen Minuten war mein Profil online, innerhalb weiterer weniger Minuten kamen die ersten Anfragen. So gefällt's mir! Im Laufe der nächsten Tage schrieb ich mehrere Familien an und bekam weitere Anfragen, von denen mir einige zusagten und ich den Kontakt aufnahm. Und dann ging alles ziemlich schnell: Ein paar E-Mails hin und her, das erste Skype-Date und schon stand meine Entscheidung. Fast!
Sollte ich mein Abenteuer Ausland ohne Agentur wagen? Würde ich es schaffen, alles selbst zu organisieren? Fühle ich mich wohl ohne weitere Unterstützung und Ansprechpartner in ein fremdes Land zu gehen? 
Nach kurzer Rücksprache mit meinen Eltern sagte ich der Familie zu und der Agentur ab. Folgende Gründe sprachen einfach dafür: Ich war schon einmal als Au Pair in einer Gastfamilie, in einem fremden Land - ich weiß also, was da auf mich zukommt, sogar in schlechten Zeiten. Ich bin mittlerweile 5 Jahre älter, selbstständiger, erwachsener. Ich bin nicht an eine Agentur, eine Familie, generell an den Job gebunden, ich bin in Australien viel flexibler. Und es ist insgesamt viel günstiger für mich - auch wenn ich um die Anzahlung für die Agentur leider nicht mehr herum gekommen bin.