Samstag, 30. April 2016

Ich habe Nemo gefunden!

(Dienstag, 19. April 2016)

Sehr, sehr, seeehr früh am Morgen machte ich mich auf den Weg zur Marlin Marina, dem Hafen von Cairns, wo die ganzen Touristenunternehmen, die Bootstouren anbieten, ihre Anlegestellen haben. Das Wetter stand eindeutig auf meiner Seite (Sonnenschein pur) und so konnte mein 9-stündiges "Abenteuer Great Barrier Reef" mit der Ocean Freedom ohne Umschweife starten. 90 Minuten Fahrt stand mir bis zum ersten Stopp am Upolu Cay Reef bevor - Zeit, Tabletten gegen Seekrankheit zu konsumieren (lieber auf der sicheren Seite als über der Reling hängend...), mich mit meiner geliehenen Unterwasserkamera auseinander zu setzen und der Einführung zum Tauchgang zu folgen. Am Reef angekommen, ging es für mich zunächst auf das Glass Bottom Boat. Dort konnte ich mir schon einen ersten Eindruck verschaffen und Korallen, Fische, Muscheln und sogar eine Seeschlange und eine Schildkröte sichten. Mich hielt es im Anschluss nicht lange auf dem Boot. Der empfohlene Stinger Suit (Quallenschutzanzug) & die Flossen übergezogen, die Taucherbrille und den Schnorchel aufgesetzt und mit meiner Kamera bewaffnet, sprang ich ins Meer und war sofort begeistert. Was für eine tolle Unterwasserwelt! Und wenn man darin schwimmt und schnorchelt noch viel beeindruckender als von dem Glasbodenboot. So schöne Farben, so viele Fische. Und am meisten haben mich die wirklich riesigen Muscheln in ihren Bann gezogen - teilweise bis zu einem Meter groß! Wie surreal... 
Nach einem leichten Mittagessen (die meisten Getränke und Snacks waren inklusive) und einem Standortwechsel war ich dann endlich mit meinem Tauchgang an der Reihe. Total nervös, aber super gespannt, was auf mich zukommen würde, ließ ich mir die Gewichte und die schweren Sauerstoffflaschen umschnallen, ging noch einmal die wichtigsten Signale durch und watschelte zum Rande des Bootes. Jeweils zwei Tauchanfänger wurden einem erfahrenen Taucher aus der Crew zugeteilt, der die beiden während des 25-minütigen Tauchgangs am Arm halten und herumführen würde. Nach meinem Sprung ins Wasser und anfänglichen Problemen mit meiner Maske, ließen wir vom Boot ab und sanken in die Tiefe. Das Atmen war nicht so seltsam wie erwartet (ich denke hierbei an mein erstes Schnorchel-Erlebnis zurück) und mit meinen Ohren hatte ich auch keine Probleme, es lief also alles wunderbar - was ich meinem Tauchlehrer auch so signalisierte. Dieser ließ sogar von meinem Arm ab und hielt mich irgendwo am Rücken fest, damit ich Gebrauch von meiner Kamera machen konnte. Super klasse von dem Typen! Wir sahen noch mehr Fische, Korallen und Muscheln - mit dem Unterschied, dass wir wirklich nah an alles heran kamen. Dieses Mal begeisterte mich vor allem die Begegnung mit einem Rochen und mit Nemo! Und das nicht nur einmal. In den Anemonen wimmelte es nur so von den Clownfischen. Viel zu schnell ging ein wirklich tolles erstes Taucherlebnis für mich vorbei. 
Den restlichen Nachmittag verbrachte ich bis zur Rückkehr nach Cairns weiterhin mit Schnorcheln - ich konnte einfach nicht genug von dieser schönen Unterwasserwelt bekommen :)
Ich muss dazu sagen, auch wenn ich jetzt total begeistert war von dem was ich gesehen habe, bemerkt man auch als Laie den Zerfall und die Beschädigung des größten Korallenriffs der Erde. So viele Korallen sind durch die globale Erwärmung und den El Niño von der Bleiche betroffen - dieses Jahr ist es sogar die Stärkste, die jemals festgestellt wurde -, man kann sich bei ihrem Anblick nur vorstellen, wie farbenfroh und lebensreich das Ganze mal gewesen sein muss. Und trotzdem zerstören wir es immer weiter...
Zurück an Land durfte ich feststellen, was ein ganzer Tag auf dem Meer für Auswirkungen auf meinen Körper hat. Noch Stunden später war mir schwindelig und ich hatte das Gefühl, ich befinde mich immer noch auf einem schwankenden Boot. Der Konsum von goon (Billigwein aus einem Plastikbeutel) mit meinen Zimmergenossen am Abend hat das Ganze dann nicht wirklich besser gemacht... ;)

Schlaflos in ein neues Abenteuer

(Samstag, 16. April bis Montag, 18. April 2016)

Am Samstag war es dann soweit: Nachdem wir uns bei bare naked bowl mit Frühstück versorgt, dieses am Strand genossen und unsere sieben Sachen gepackt hatten [die Zahl sieben passt hier wunderbar, da ich nur genau so viele Kilos als Gepäck mitnehmen durfte... wer mich kennt: das war gar nicht mal so einfach ;)], machten Sophie und ich uns mit der fast ferry und dem Zug auf dem Weg zum Flughafen. Ich muss zugeben, dass ich mich ganz schön über den Fahrpreis erschrocken habe. Denn hier gilt nicht die übliche Regelung, dass einem höchstens 15$ pro Tag von der Opal-Card abgezogen werden, egal wie viel und wohin man fährt. Allein vom Circular Quay bis zum Flughafen (ca. 15 Minuten Fahrt) zahlt man schlappe 16$. Dazu die Kosten für die Fähre. 
Wie es der Zufall wollte ging Sophies Flug zurück nach Deutschland am späten Abend und meiner nach Cairns am frühen Morgen des darauffolgenden Tages (Sonntag). Ich beschloss, die Nacht einfach am Flughafen zu verbringen, denn ich hätte sonst sowieso viel zu früh für meinen Geschmack wegen der nachts gar nicht bzw. nicht so regelmäßig verkehrenden Fähren und Busse aufstehen müssen. Blöd nur, dass der Inlandsflug-Terminal nachts schließt. Ups! 
Nach einem leckeren Abendessen und der Verabschiedung von Sophie machte ich mich also auf den Weg zu einem 24h-MacDonalds, das mir von den Sicherheitsleuten des Flughafens "empfohlen" wurde ("da bekommst du zumindest einen warmen Kaffee..."), um mir dort die Nacht neben einer Steckdose skypend, Serien guckend, lesend, Blog schreibend um die Ohren zu schlagen. 
Zu meinem erhofften Schlaf auf dem 3-stündigen Flug kam ich dann leider auch nicht, da hinter mir ein schreiendes Kleinkind saß. Was auch sonst?! Völlig übermüdet kam ich im stickigen, sonnigen, heißen, tropischen Cairns an und war froh, als ich endlich mein Hostel erreichte. Dort erwartete mich dann der nächste "Schock": mein gemischter Schlafsaal war doch nicht so gemischt - 7 Typen, das pure Chaos und ich. Oh man(n)... Es stellte sich aber mit der Zeit heraus, dass alle ganz nette und lustige Zimmergenossen sind und 5 von ihnen - Jamie, Aaron, Oli, Thomas und Nathan - über meinen gesamten Aufenthalt bleiben würden. Ab Dienstag bekam ich dann sogar noch weibliche Verstärkung von Amanda, was die angenehme Truppe abrundete.
Sonntags war mein einziger Plan, Cairns ein bisschen zu Fuß zu erkunden. Ich machte mich also auf den Weg über Rusty's Market (Obst, Gemüse, Blumen, Schmuck), der sich direkt unter dem Hostel befindet, zum Cairns Central Shopping Centre, schlenderte ein bisschen durch die Geschäfte und deckte mich mit Lebensmitteln ein, dann weiter zur Lagune am Hafen, entlang der Promenade und schließlich über den Night Market, der jeden Tag ab 17 Uhr stattfindet und billige Souvenirs, Essen und Massagen anbietet, zurück zum Hostel. Fürs Erste war ich zufrieden und holte meinen langersehnten Schlaf nach.
Montag morgens ließ ich es auch noch einmal etwas entspannter angehen, da ich wusste, dass die restliche Woche ein straffes Programm auf mich zukommt. Nach einem späten Frühstück kam ich zurück aufs Zimmer, um festzustellen, dass meine Zimmergenossen der Drang nach Ordnung überfallen hat und diese in ihrem Wahn meine am Tag zuvor erstandenen Schuhe weggeschmissen hatten. "Oh, hier lag einfach so viel Müll rum von den vorherigen Bewohnern, da haben wir einfach alles, was wir niemandem zuordnen konnten, ausgemistet." Euer Ernst?! Ich war ziemlich angepisst, aber nicht des Geldes wegen, sondern weil sich niemand dafür verantwortlich fühlte, geschweige denn entschuldigte. Sie haben es später mit ein paar Drinks wieder gut gemacht - immerhin ;)
Am Nachmittag wurde ich von Foaming Fury vor dem Hostel abgeholt, um den Nachmittag mit White Water Rafting auf dem Barron River zu verbringen. 20 Touristen, 4 Guides, 3 Schlauchboote und eine Menge Spaß! Nach einer kurzen Einführung ging es zunächst noch etwas entspannter, später dann etwas rauer zu und endete mit einem Bad im Fluss. Einige Leute zog es auch schon vorher aus dem Boot (unfreiwillig), wir in unserem blieben verschont. Im Nachhinein auch ganz gut, denn aus dem Boot raus ist nicht so schwer, hinein allerdings sehr - alles andere als angenehm und elegant ;)
Triefnass ging es zur frühen Abendstunde zurück zum Hostel, wo ich mit folgender Bemerkung abgesetzt wurde: "Gilligan's?! Ooooh, das Partyhostel! Geht's heute Abend noch rund?!" Ging es. Und zwar jeden Abend, wie ich feststellen durfte. Ich hielt mich jedoch zurück, es stand ein langer und anstrengender Tag bevor, den ich auf keinen Fall von einem Kater oder Schlafmangel beeinflussen lassen wollte. Ich ging also als Erste ins Bett und stand als Erste wieder auf, ein Verhalten, dass sich die Woche noch ein paar Mal wiederholen sollte :D

Sonntag, 24. April 2016

Zoo mit Ausblick

(Montag, 11. April bis Freitag, 15. April)

Alle Kinder schreien freudestrahlend: "Endlich Ferien!" - Alle Au Pairs fangen an zu weinen. 

Nein, ganz so schlimm ist es dann doch nicht. Aber es bedeutet natürlich mehr Arbeit. Ich hab es allerdings ganz gut getroffen, denn meine Gastmutter ist sehr unterstützend und entgegenkommend und ich muss nur die erste der beiden Ferienwochen arbeiten und habe die Möglichkeit, die zweite ganz nach meinen Vorstellungen zu gestalten und meinen ersten richtigen Urlaub zu planen. (Wer es noch nicht mitbekommen hat: es geht für mich nach Cairns / Queensland! :D)
Montag fing schon gut an, da beide Kinder für ein paar Stunden in einem Tennis- bzw. Spielcamp untergebracht waren. Zeit, um Blogeinträge nachzuholen und ein Buch zu lesen. Im Anschluss sind wir zunächst nach Hause gefahren, um gemütlich Mittag zu essen und uns dann bei Yogurtland auf dem Corso mit einem frozen yogurt zu belohnen. Den Nachmittag ließen wir auf dem Spielplatz in Gesellschaft von Sophie und ihrem Gastkind, welches im selben Alter ist wie mein Mädchen, ausklingen. 
Dienstag musste ich erst ab 13 Uhr arbeiten und nach einem Frisörbesuch für den Jungen hieß es wieder Spielplatz, wieder Eis (free cone day von Ben & Jerry's direkt am Manly Beach - was gibt's besseres?!), wieder die Gesellschaft von Sophie & Gastkind. Perfekt!
Am Mittwoch hatte ich meinen freien Tag, den ich aber mit meiner Gastmutter und den Kindern im Taronga Zoo in Mosman verbrachte. Wunderschöner, grüner Zoo mit wunderschönem Blick auf die Skyline. Ich glaube ich wiederhole mich mit diesem Part immer wieder - aber die Stadt ist einfach von allen Seiten schön anzusehen! :) Als erstes zog es uns auf meinen Wunsch zu den einheimischen, australischen Tieren. In dem Bereich kann man sogar teilweise ins Gehege laufen und den Tieren (vor allem Kängurus & Wallabys) besonders nahe kommen. Uns faszinierte auf dem Weg zur Vogelschau vor allem der Kletterparcourse hoch oben in den Bäumen über dem Zoo - ich komme auf jeden Fall noch einmal wieder und werde das ausprobieren, sieht nach ziemlich viel Spaß aus! Vorbei an den Giraffen (die haben definitiv den besten Blick auf die Stadt!) und den bemalten Elefanten ging es entlang des Rainforest Trails zum Foodcourt, wo wir eine Mittagspause einlegten. Es ging weiter zur Seelöwen-Show (die Kids waren begeistert!) und schließlich zur Sky Safari, die uns über den Zoo schwebend (und mal wieder mit einmaligem Ausblick) zum Ein- bzw. Ausgang zurück transportierte und wir hundemüde unseren Ausflug beendeten. Wir fuhren noch ein bisschen in Mosman umher (eine noch schönere und teurere Gegend mit noch größeren und pompöseren Häusern als Palm Beach) und schließlich mit zwei schlafenden Kindern und einem halbschlafenden Au Pair zurück nach Manly. Den Rest des Tages verbrachte ich mit dem letzten Vorbereiten und Planen meines bevorstehenden Trips. 
Donnerstag nahm ich mit den Kindern in Gesellschaft von Sophie & ihrem Gastkind die Fähre nach Darling Harbour, wo sich unsere Wege allerdings wieder trennten, da Sophie ins Wildlife und ich ins Sealife wollte. Mein Premium Merlin Annual Pass zahlt sich so langsam aus: für den Eintritt musste ich insgesamt nur 10$ bezahlen, da der Kleine sowie ich kostenlos reinkamen und ich für das Mädchen einen ordentlichen Rabatt erhielt (normaler Preis: 28$ für Kinder). Das übernehmen zwar alles meine Gasteltern, aber man kann ja trotzdem versuchen zu sparen wo es geht ;) Es war ziemlich anstrengend, da es durch die Ferien natürlich proppenvoll war und - wie ich finde - das Aquarium nicht auf ihre kleinsten Besucher ausgelegt ist (vielleicht deshalb auch kostenlos?!). Ich musste den Jungen ständig hochheben, da er nicht in die Aquarien gucken konnte, er aber natürlich verständlicherweise alles sehen wollte, was auch seine Schwester sah. Und ganz so leicht ist er dann leider doch nicht mehr... Wie es der Zufall so wollte waren Sophie und ihr Gastkind zur selben Zeit durch den Zoo wie wir durch das Aquarium, sodass wir uns zusammen zurück auf den Weg nach Manly machten. Das erleichterte Sophie und meinem völlig kaputten und müden Selbst die Arbeit um einiges, da die Kinder sich gut miteinander beschäftigten.
Abends dann das Unfassbare: Nur zwei Tage vor ihrem Abflug nach Hause an ihrem letzten Arbeitstag setzte ihre Gastmutter Sophie vor die Tür. Nach Feierabend sammelte ich die Arme mit Sack und Pack ein, da meine Gasteltern ohne zu zögern zustimmten, sie bis Samstag bei uns wohnen zu lassen. Ich habe nur eine Frage zu der gesamten Situation: Wie kann man nur?!
Freitag ging ich mit den Kindern der üblichen Routine nach: Spielgruppe (das Mädchen fühlte sich allerdings zugegebenermaßen berechtigterweise fehl am Platz), Brezel Bar, Bücherei (wo ich die Anwesenheit einer anderen Mutter ausnutze und meine gefühlt tausend Voucher für die Reise nach Cairns ausdruckte). Nachmittags gingen wir auf eine Kinder-Tanz-Barbecue-Party veranstaltet von unseren Nachbarn. Die Eltern tanzten zwar mehr als die Kinder (was wohl auch an der Musik lag...), aber es war trotzdem ein schöner Weg, eine lange Arbeitswoche abzuschließen. Leider riss nach 5 Jahren treuem Dienst meine Tiffany & Co-Halskette, die ich von meiner amerikanischen Gastfamilie zum Abschied geschenkt bekommen hatte. Darüber war ich ziemlich traurig, aber immerhin habe ich es bemerkt und kann zumindest die zwei Herz-Anhänger aufheben und an einer neuen Kette oder als Armband weiterhin tragen.
Den Abend ließen Sophie und ich gemütlich mit einem Film ausklingen, schließlich mussten wir gut ausgeruht in die bevorstehenden Tage starten.

Montag, 18. April 2016

It's always hard to say goodbye

(Montag, 04. April bis Sonntag, 10. April 2016)

Vor allem für den 4-Jährigen. Vor allem letzte Woche.
Aber die war insgesamt nicht so seine...
Die letzte Woche vor den Schulferien war gefüllt mit wechselhaftem, aber doch eigentlich überwiegend gutem Wetter, mit Aktivitäten voll verplanten (Arbeits)Nachmittagen, kurz aufflammender sportlicher Motivation und sich in der Schule verbreiteten Läusen, die unserem Haushalt jedoch glücklicherweise fern blieben.
Am erwähnenswertesten ist aber die momentane (anstrengende) Situation mit dem Jungen. Fing für ihn die Woche schon nicht so toll mit einem kleinen "Toiletten-Unfall" [kann mal passieren ;)] auf dem Weg vom Kindergarten zur Schule seiner Schwester an, so ging es mit seiner Laune im Laufe der Tage auch noch stetig bergab. Zumindest wenn es um das Verabschieden seiner Mutter ging. Am Mittwochmorgen ist er schreiend, vor mir weglaufend und an seiner Mutter klammernd in Tränen ausgebrochen, als es Zeit wurde von ihr Abschied zu nehmen. Es lief letztendlich darauf hinaus, dass ich ihn loslösen, festhalten und dabei seinen Tritten ausweichen musste und ihn - er ununterbrochen am Weinen - den ganzen weiten, nicht ganz hügelfreien Weg zum Kindergarten tragen musste. Alle Überredenskünste oder Ablenkungsmanöver seiner Mutter und meinerseits schlugen fehl. Meine Arme waren danach Wackelpudding... Samstagabend wiederholte sich das ganze Schauspiel - nur, dass ich ihn dieses Mal nicht tragen, sondern dazu bringen musste, mit mir und seiner Schwester in der Wohnung zu bleiben, während die Eltern sich auf den Weg in die Stadt machten. Ich musste alle möglichen Fluchtwege abschließen, damit er mir nicht ausbüchst. Nach einer gewissen Zeit hat er sich bisher jedes Mal wieder beruhigt und alles ist gut, als wäre nichts gewesen. Aber bis dahin ist es eine anstrengende Ewigkeit.
Und wir wissen nicht so recht, woher das kommt - vorher hatten wir damit noch nie Probleme. Er war zwar immer schon Herr der lang gezogenen Verabschiedungen, aber der dramatische Aspekt ist neu. Mal sehen, wie sich das so in den nächsten Wochen entwickelt.
An meinem freien Donnerstag bin ich mit dem Bus nach Palm Beach, dem nördlichsten der Sydney-Strände (Northern Beaches), gefahren. Dauert ca. 1,5 h (mit dem Auto ist man etwas schneller), lohnt sich aber auf jeden Fall. Vorbei an all den zahlreichen Stränden [Freshwater, (North & South) Curl Curl, Dee Why, Long Reef, Collaroy, (North & South) Narrabeen, Warriewood, Mona Vale, Basin, Bungan, Newport, Bilgola, Avalon, Whale] kann man beobachten, wie die Häuser größer, schöner, pompöser, teurer werden. Manchmal wusste ich gar nicht, wo ich zuerst hingucken sollte: nach rechts, Richtung Strand und Küste, oder nach links, Richtung Landesinnere. Da ich es liebe, mir Häuser anzuschauen, entschied ich mich überwiegend für das Letztere :D 
Mit einem schönen Ausblick auf einen ebenfalls schönen Strand (wie eigentlich fast jeder hier in Australien) sollte ich später noch belohnt werden. Denn am Palm Beach angekommen erwartete mich ein fast orangefarbener Sand und Menschenleere. Auch wenn das Wetter an dem Tag nicht komplett auf meiner Seite stand (überwiegend bewölkt, regnerisch), war es angenehm - vor allem als ich mich nach einem kurzen Strandspaziergang auf den Weg zum an der Spitze auf einer Erhöhung liegenden Leuchtturm machte. Die Stufen waren nämlich nicht Ohne... Aber für den Ausblick, der sich mir über die Bucht, die Strände, die Küste bot, absolut lohnenswert! Zur richtigen Jahreszeit soll man von dort sogar Wale beobachten können.
Eigentlich wollte ich den Nachmittag mit einem Buch in dem Café The Little Marionette direkt an der Strandpromenade verbringen, es reichte dann aber leider nur noch für eine kurze Kaffeepause inklusive sehr leckerem Bananenbrot, da um 15 Uhr der Bürgersteig hochgeklappt wurde. Mit mir als einziger Gast nachvollziehbar... Also fuhr ich zurück und nutze die restlichen Stunden zum skypen - auch immer wieder wunderbar :)
Freitags bin ich nach Feierabend zu einer Freundin von Lenah gelaufen. Wein- & Filmabend in gemütlicher Runde und ein schöner Start ins Wochenende.
Am Samstag war ich mit Sophie im Café Three Beans, wo wir einen entspannten frühen Nachmittag verbrachten. Abends musste ich wie gesagt Babysitten und Sonntag verbrachte ich überwiegend mit Netflix in meinem Bett. Muss auch mal sein ;) Abends kam Sophie dann noch vorbei, da meine Gasteltern sie zum Essen eingeladen hatten. So ging ein entspanntes Wochenende viel zu schnell vorbei.

Samstag, 16. April 2016

Au Pair-Sein

(Dienstag, 29. März bis Sonntag, 03. April 2016)

... ist nicht immer einfach.
Da die kurze Arbeitswoche nach Ostern nicht sonderlich erwähnenswert ist (mit den Kindern war es überwiegend die gleiche Routine wie die Wochen zuvor) und ich meine freie Zeit fast ausschließlich damit verbracht habe, mich von dem Wochenende zu erholen (so lange Tagestrips und Autofahrten sind dann doch nicht ganz ohne), widme ich aus gegebenem Anlass diesen Eintrag der allgemeinen Rematch-Situation, also das Verlassen oder Wechseln der Gastfamilie, aus der Sicht eines Au Pairs. 
Als Au Pair lässt man sich auf ein großes Abenteuer ein. Fremdes Land, fremde Menschen, eine fremde Kultur - und ein sehr bedeutender Part: man ist auf sich allein gestellt. Vor allem, wenn man sich dazu entscheidet, das Ganze ohne Agentur zu wagen. In Australien möglich, in den Staaten (legal) nicht. Mit einer Agentur ist man auf der sichereren Seite, es ist zwar kostspieliger, aber wenn Probleme auftreten sollten - egal ob mit der Gastfamilie oder in anderen Bereichen -, so hat man einen Ansprechpartner vor Ort, der einem Rat geben oder aus einer Situation heraus helfen kann. Denn Freunde und Familie sind tausende von Kilometern entfernt. 
Ich habe mich, wie bereits in einem meiner ersten Einträge erwähnt, gegen eine Agentur entschlossen - einfach aus den Gründen, dass ich schon einmal als Au Pair im Ausland war und auch das Rematch schon durchlebt habe, und vor allem, weil ich mittlerweile älter, erwachsener, selbständiger bin als damals mit 19, frisch und unerfahren, direkt nach dem Abi aus dem Hotel Mama. So wie es die Meisten machen und wie ich es auch immer wieder machen würde. Man lernt so viel!
Ich hab mich in der Lage gefühlt, das ganze Unterfangen "Au Pair / Abenteuer Ausland Australien" selbst zu managen und zu organisieren. Auch falls es wieder zu dem Fall kommen sollte, dass es mit der Gastfamilie nicht auf Anhieb klappt. Die Chemie muss einfach stimmen und das merkt man erst, wenn man unter einem Dach lebt. Vielleicht wiederhole ich mich gerade, aber ich finde diesen Aspekt sehr, sehr wichtig und der wird oft nicht so recht beachtet oder runtergespielt. Manchmal ist es aber auch die Art, wie ein Au Pair behandelt wird oder unter welchen Bedingungen es arbeiten muss. Man muss Kompromisse eingehen, schließlich lebt man in einem zunächst fremden Haushalt mit anderen Regeln und Erziehungsmethoden. Darüber sollte man sich im Klaren sein. Aber man darf sich auch nicht alles gefallen oder sich ausnutzen lassen. Und das kommt häufiger vor, als man das vielleicht denkt. Leider.
Wieder ein Pro für das Reisen mit Unterstützung: die Familien und auch das Au Pair sind an einen Vertrag gebunden, der von der Agentur aufgesetzt wurde. Geregelte Arbeitszeiten und geregeltes "Taschengeld". Ich habe mich vorher informiert, was so der Standart für Australien ist und meine Gastfamilie hat von sich aus angeboten, einen Vertrag aufzusetzen, mit dem ich einverstanden war. Wer sich also selbstständig um alles kümmert, sollte vor allem darauf Wert legen und sich absichern.
Die Aufgaben eines Au Pairs beinhalten primär das Betreuen der Kinder, bis zu 40h pro Woche, aber auch ein paar leichte Aufgaben im Haushalt, wie z.B. das Waschen der Kinderkleidung, kleine (Lebensmittel)Einkäufe, Kochen, Staubsaugen oder Wischen, das Aufräumen bzw. Sauberhalten der Gemeinschafts- und Kinderzimmer. Das variiert von Familie zu Familie, aber das Au Pair ist auf keinen Fall die Putzfrau und für die Wäsche der Eltern oder deren Badezimmer zuständig. Für die Arbeit als Au Pair erhält man im Gegenzug ein eigenes Zimmer, Verpflegung, normalerweise auch einen Vertrag / eine SIM-Karte zum Telefonieren (man muss ja schließlich erreichbar sein) und das Taschengeld. Auch dieses kann (zumindest in Australien) variieren, je nachdem wie viele Stunden man arbeitet, wie erfahren man ist und auf wie viele Kinder man aufpasst.
Ich finde, das sind eigentlich ziemlich humane Bedingungen - und die günstigste Möglichkeit der Kinderbetreuung. Und trotzdem gibt es Familien, die sich nicht daran halten und die - eventuell zu gutgläubigen - Au Pairs schamlos ausnutzen und diese dann zu viel hinnehmen, um ihren Traum vom Ausland weiterhin leben zu können. 
Man sollte das Wechseln einer Familie nicht überstürzt in Angriff nehmen, nicht sofort das Handtuch werfen, alles braucht seine Zeit - um sich aneinander, an die Umgebung, an den neuen Alltag zu gewöhnen -, aber wenn man es wirklich probiert, wenn man sein Bestes gibt und trotzdem das Gefühl hat, es funktioniert nicht oder dass man unfair behandelt wird, sollte man den Schritt wagen und sein Glück in einer neuen Familie suchen. Denn komplett Verbiegen sollte man sich auch nicht - anpassen ja, aber nicht verändern, nur um es der Familie recht zu machen. Wenn ich an mein Jahr in Amerika zurück denke, war das Rematch zwar eine sehr harte und schwierige Zeit für mich, jedoch zugleich das Beste, was mir hätte passieren können. Meine zweite Gastfamilie hat mir zu einer tollen, spannenden, ereignisreichen, glücklichen Erfahrung und Phase meines Lebens verholfen und beigetragen und die ersten drei Monate dadurch verblassen lassen.
Nun erging es leider auch der lieben Sophie so. Sie hat sich allerdings dazu entschlossen, nachdem es sich am Osterwochenende zugespitzt hat, ihren Aufenthalt in Australien vorzeitig zu beenden. Ich finde das natürlich sehr schade, kann ihre Entscheidung aber nachvollziehen. 
Natürlich gibt es immer zwei Seiten einer Medaille, wie es so schön heißt, und ich habe auch schon viele Geschichten gehört oder miterlebt, wo ich das Verhalten des Au Pairs nicht nachvollziehen kann bzw. respektlos finde, aber generell finde ich sind Au Pairs von Anfang an der verletzlichere Part des (Arbeits)Verhältnisses - denn sie sind diejenigen, die ohne Freunde und Familie (überwiegend) auf sich allein gestellt in ein fremdes Land reisen und dort in eine sich im alltäglichen Leben befindende Gastfamilie ziehen und für sie arbeiten. 
Fazit: Als Au Pair sollte man sich im Klaren sein, worauf man sich einlässt und als Gastfamilie sollte man die Person, die auf die eigenen Kinder aufpasst, fair behandeln. Stellt euch doch mal vor, jemand geht später so mit euerm Kind um...?!

Um etwas positiver zu werden folgt nun noch ein kleiner Bericht vom Wochenende. Am Samstag bin ich wieder zu dem Au Pair Meeting gegangen, welches von einem örtlichen Reiseveranstalter organisiert wird. Kostenlos Kaffee und Kuchen und die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. Und das habe ich nun wieder bitter nötig. Denn nicht nur Sophie ist nun bald weg, sondern auch Lenah hat in der kommenden Woche ihren letzten Arbeitstag :( Dieses Mal war das Treffen besser besucht als beim letzten Mal, doch die Deutschen waren - mal wieder - in der Überzahl. Leider haben es die Deutschen so an sich, dass sie, sobald mehr als eine Person in einer Gruppe deutsch spricht, untereinander nur noch Deutsch miteinander sprechen, was natürlich dazu führt, dass die anderen Nationalitäten ausgeschlossen werden. Und leider war es auch an diesem Tag der Fall. Unterhielt ich mich erst noch angeregt mit einem Mädchen, das ich beim letzten Mal schon kennen gelernt habe, auf Englisch, wurde ich immer weiter in die deutsche Unterhaltung mit einbezogen, sodass letztendlich niemand mehr Lust hatte mit uns zu reden und wir Deutschen eine Gruppe bildeten. Naja... War trotzdem ein netter Tag. Ich gewann einen 50$-Gutschein für einen Trip, den ich beim Reiseveranstalter buchen kann (die haben eine sehr gute und große Auswahl) und verbrachte den restlichen Tag mit den deutschen Mädels am Strand und an der Promenade. Sophie kam nachmittags auch noch dazu. 
Am Sonntag nahmen Sophie und ich die Fähre nach Kirribilli, um endlich das uns empfohlene Café Axil Coffee Co auszuprobieren, bei dem wir das letzte Mal vor verschlossener Tür standen. Anscheinend eine gute Empfehlung, denn wir mussten einige Zeit auf einen Tisch in dem kleinen, gemütlichen, mit schönem Ausblick ausgestatteten Raum warten um dann doch direkt beim Eingang zu sitzen. Das Frühstück war trotzdem sehr lecker. Auch wenn man sich die ganze Zeit etwas gehetzt gefühlt hat, da die wartenden Leute direkt hinter einem standen... Merke: Nächstes Mal vielleicht etwas früher aufkreuzen und auf einen besseren Tisch bestehen ;)
Den Tag nutzten wir außerdem, um typische Touri-Fotos zu schießen. Auf den Stufen vor dem Opera House und auf einem Spielplatz in Dover Heights. Dort hat man einen wunderbaren Blick auf die Skyline von Sydney - bisher meine liebste Aussicht - und normalerweise kann man dort auf einer Schaukel sitzen - eben mit dieser tollen Perspektive auf Sydney im Hintergrund - doch zu unserem Pech war genau diese Schaukel kaputt. Hatten wohl schon zu viele vor uns das Bedürfnis sich in ein tolles Erinnerungsfoto zu schaukeln. Too bad! Wir machten das Beste draus und genossen die lange Busfahrt durch die schöne Wohngegend mit unglaublich tollen (und teuren) Häusern entlang des Bondi Beach zurück zum Circular Quay. Abends gingen wir im Chica Bonita essen, einem sehr beliebten Mexikaner in Manly. Nicht ohne Grund sollte man hier schon vor Eröffnung seinen Platz in der Schlange suchen. So endete ein schönes Wochenende mit leckeren Veggie Fries und einer Margarita - Cheers!

Freitag, 15. April 2016

Jervis Bay und Umgebung

(Sonntag, 27. März & Montag, 29. März 2016)

Am Ostersonntag machten Sophie und ich uns morgens auf den Weg zur ca. 3h südlich von Sydney gelegenen Jervis Bay. Diesen Trip traten wir allein an, da es am Osterwochenende schier unmöglich war, eine günstige Unterkunft für mehrere Personen in der Umgebung zu finden. Airbnb verhalf uns zu einem bezahlbaren Zimmer in Albion Park / Illawarra, jedoch war das nur für 2 Personen ausgelegt. Deshalb beschlossen wir, niemanden sonst mitzunehmen. Auch ganz schön. Und vor allem entspannt: so konnte es kein Stress mit Mitfahrern oder Treffpunkten geben - und zwei Meinungen sind bekanntlich besser auf einen Nenner zu bringen als vier ;) 
Es gibt zwei Wege runter zur Jervis Bay: entweder über den Highway (A1/M1) oder über den zwar etwas umständlicheren / längeren Grand Pacific Drive und die Sea Cliff Bridge, dafür aber definitiv mit besseren Aussichten auf die Küste. Für welchen haben wir uns wohl entschieden?! Ich glaube, die Frage beantwortet sich von selbst...
Als Fahrer hat man leider, wie schon in einem früheren Eintrag erwähnt, den Nachteil, dass man die Aussicht nicht so sehr genießen kann, wie die restlichen Mitfahrer. Ich war aber trotzdem begeistert. Trotz des Regenwetters - das gab dem Ganzen noch einen mystischen Touch ;) Neben den wolkenverhangenen Bergen und Hügeln war die Sea Cliff Bridge mein absolutes Highlight: eine Brücke über dem Meer entlang der Klippen. Wow! 
Unser erstes Ziel war der Hyams Beach, laut Guinness Buch der Rekorde der Strand mit dem weißesten Sand der Welt. Kann ich ehrlich gesagt nicht so ganz beurteilen. Der Sand war Weiß. Aber durch den mit (sehr) dunklen Wolken bedeckten Himmel und ohne Sonne sah er jetzt nicht besonders, hervorragend, rekordverdächtig weiß aus. Muss man sich vielleicht noch einmal bei besserem Wetter anschauen. Vorteil am Miesepeter-Wetter: wir hatten den langen Strand fast komplett für uns allein, sind ein bisschen spazieren gegangen und haben einfach einen entspannten Vormittag genossen. Es gibt laut meinem Reiseführer noch weitere schöne must-see-Strände an der Jervis Bay, wir entschlossen uns aber wegen des mangelnden Sonnenscheins doch lieber zunächst den Ort Vincentia und schließlich Huskisson zu erkunden. Trotz Ostersonntag hatten die meisten Geschäfte geöffnet, sodass wir ein bisschen herumstöberten und den Ausflug in Huskisson Bakery & Café beendeten. Für mich gab es einen Cappuccino und ein für Ostern typisches Hot Cross Bun - YUM! 
Nach einer einstündigen Fahrt erreichten wir das Haus von Debra und Robert, einem sehr gastfreundlichen älteren Ehepaar, die ihre gemütlichen, sauberen, schön hergerichteten, umfunktionierten alten Kinderzimmer an Reisende und Zeitarbeiter vermieten, und ließen den Abend entspannt ausklingen. 
Robert gab uns am nächsten Morgen beim Frühstück noch so einige Tipps mit auf dem Weg, sodass wir unseren Tagesplan etwas erweiterten. Wir fuhren zunächst nach Kiama. Dort gibt es ein so genanntes Blowhole, ein Loch in der Klippe, aus dem, sobald eine Welle das Ganze unterspült, eine Wasserfontäne heraus schießt. Ziemlich beeindruckend, was Mutter Natur so alles zu bieten hat! An der Promenade war dann auch noch ein Markt aufgebaut, über den wir schlenderten, bevor wir weiter nach Berry fuhren. Was für ein schöner Ort inmitten der bezaubernden Landschaft von Shoalhaven: historische Häuser, niedliche Geschäfte. Wirklich einen Zwischenstopp wert! Und Pompadour's Chocolate House hat mir die Mittagszeit mit leckerem Kaffee und Schokolade versüßt - himmlisch!
Weiter ging es über kurvenreiche Straßen in das kleine Örtchen Kangaroo Valley, wo man in jedem zweiten Geschäft Pie essen und über die älteste Hängebrücke Australiens fahren kann. In der Gegend soll man angeblich auch gut Wombats in freier Natur beobachten können, wir waren allerdings nicht sonderlich erfolgreich. Insgesamt war der restliche Tag nicht ganz so, wie erhofft und vorgestellt, denn als wir an den Fitzroy Falls im Morton National Park ankamen, war es so nebelig, dass man kaum die Hand vor Augen geschweige denn die Wasserfälle sehen konnte. Die Wanderwege erkundeten wir erst gar nicht - aus welchem Zweck denn auch?! 
Etwas verfrüht machten wir uns auf den Weg zurück nach Sydney, wo entlang der Highways immer noch die Polizeikolonnen standen, die das ganze lange Wochenende Random Breath Controls bei jedem zweiten vorbeifahrenden Auto durchführten. Auch mich hatte es am Samstagmorgen auf dem Weg zum Royal National Park erwischt, aber nach kurzer Verwirrung meinerseits war alles okay und ich durfte die Fahrt fortsetzen. Mich versetzt so etwas immer in Schockstarre ;) Ohne große Umstände und ohne den erwarteten Superstau vor und in Sydney kamen wir in den frühen Abendstunden in Manly an, wo ich erschöpft vom langen Wochenende und den ereignisreichen Tagen ins Bett fiel. Aber die Anstrengung hat sich auf jeden Fall gelohnt!

Dienstag, 12. April 2016

Royal National Park

(Samstag, 26. März 2016)

Am Samstag sammelte ich ab 7.30 Uhr zunächst Sophie, dann Antonia und schließlich Jana für den Trip zum Royal National Park ein. Ein komplett deutsches Auto. Und von vorne herein eine viel angenehmere Atmosphäre als die beiden Tage zuvor. Eine Stunde südlich von Sydney gelegen und für 12$ Fahrzeug-/Parkgebühren pro Tag fuhren wir zunächst zum Wattamolla Beach, kühlten uns in der Lagune ab, sprangen von den ca. 10m hohen Klippen des Wasserfalls, sonnten uns am Strand und genossen nach einem kurzen Fußmarsch die Aussicht auf die Küste. Wir hatten wieder Glück mit dem Wetter: Sonnenschein pur - damit hatte ich ehrlich gesagt überhaupt nicht gerechnet. Und wir hatten auch Glück mit dem Parkplatz bzw. dem Zeitpunkt unserer Ankunft. Denn als wir uns gegen 14 Uhr auf den Weg zu den Figure Eight Pools machten, sahen wir, dass der Parkplatz für den Wattamolla Beach gesperrt war und die Menschen mit Sack und Pack über 3km in der prallen Sonne laufen mussten, wenn sie trotzdem ihren Tag dort verbringen wollten. 
Um zu den südlicher gelegenen Figure 8 Pools zu gelangen, parkt man am besten bei der Garrawarra Farm und läuft bzw. wandert den Rest zu Fuß. Über Stock und Stein - oder wohl eher über Baumwurzeln und Felsen - ging es 3km bergab durch Wald, Wiesen und wieder (Palmen)Wald. Etwas verfrüht kamen wir an den Klippen der Küste an - man muss den tiefsten Wasserstand abwarten (am besten vorher informieren ), um die Pools sehen und ohne Gefahr zu ihnen gelangen zu können, weshalb wir erst einmal eine verspätete Mittagspause einlegten. Wir beschlossen, uns anschließend auf die letzten Meter zu dem Steinplateau zu wagen, die Wellen und der Wasserstand ließen das bereits zu. Die Pools - Löcher in den Felsen, die geformt sind wie die Zahl 8 - waren auch schon zu sehen, aber das Plateau stand noch etwas unter Wasser, weshalb wir uns einig waren, auf den trockenen Felsen abzuwarten. Gute Entscheidung! Denn Naturlaunen bzw. hoher Wellengang, Faszination und die Dummheit des Menschen sollten die folgenden Stunden unterhaltsam füllen.
Immer wieder schlugen Sets hoher Wellen an das Plateau und überschwemmten dieses - inklusive aller Touristen und ihrer Habseligkeiten. Immer wieder wurden Menschen von den Wellen umgerissen und über die Steinplattform geschliffen. Und immer wieder suchten Verletzte Zuflucht auf den höher gelegenen Felsen. Schürfwunden, kaputte Elektronik, triefende Rucksäcke. Ein Schauspiel, dass sich alle 15 Minuten wiederholte. Einerseits taten einem die Betroffenen natürlich Leid, schließlich kann es nicht angenehm sein, mit offenen Wunden und klitschnass den ganzen Weg zurück zu wandern, andererseits hatten sie auch selbst Schuld (Lifeguards sind hier nicht zur Stelle, alle Handlungen auf eigene Gefahr). Schon von Weitem sah man, wenn sich wieder eine hohe Welle näherte, doch die Warnrufe wurden entweder nicht gehört oder ignoriert. Oder man wollte trotzdem unbedingt das Touri-Beweisfoto "Ich war hier!" schießen. Ich muss zugeben, mich zog es auch in diesen Bann, denn von den Felsen aus sah man die Löcher wegen der Überschwemmung (auch beim tiefsten Wasserstand) nicht gut - allerdings ging ich etwas vorsichtiger an die Sache heran. Ich ließ meine Tasche bei den anderen Mädels liegen, wartete eine ruhige Phase ab, lief hinunter aufs Plateau, schoss das Foto und suchte schnell wieder das Weite. Aber mir ist es unbegreiflich, wie man dort schwimmen oder länger als nötig Zeit verbringen möchte - vor allem, wenn man das "Spektakel" vorher beobachten konnte.
Genug Adrenalin und Sonne für einen Tag! Wir machten uns - dieses Mal an der Küste über die Felsen und Strände entlang - auf den Weg zurück zum Auto. Und alles, was wir vorher bergab gelaufen sind, mussten wir nun natürlich auch wieder rauf. Unglaublich! Unendlich! Anstrengend! Kräftezehrend! Aber wir konnten keinen besseren Zeitpunkt erwischen: während der Abenddämmerung mit Ausblick auf die Klippen, die Wälder, die Strände. Das hat das Ganze zumindest ein klein wenig erträglicher gemacht.
Insgesamt muss ich sagen, dass das, was ich vom Royal National Park an diesem Tag gesehen habe, sehr beeindruckend und idyllisch war - doch die Wanderung zu den Figure 8 Pools halte ich nicht für besonders lohnenswert (auch wenn ich darüber nun am meisten geschrieben habe). Ein wirklich mühsamer Weg für zwei oder drei dieser Löcherformationen, die von Touristen belagert werden. Und wenn man Pech hat bzw. sich nicht richtig über den Wasserstand und Wellengang informiert, lässt sich erst Recht kein vernünftiger Blick darauf werfen. Ich glaube, da gibt es schönere, außergewöhnlichere Flecken hier in Australien, in die man seine Zeit investieren sollte ;)

Montag, 11. April 2016

Blue Mountains

(Donnerstag, 24. März & Freitag, 25. März 2016)

Die Blue Mountains liegen westlich von Sydney und von Manly aus braucht man nach Katoomba normalerweise ca. 1h45min, wir wegen der Zwischenstopps natürlich etwas länger. Wir kamen am frühen Nachmittag in unserem Hostel (YHA) an, bezogen unser Zimmer mit eigenem Badezimmer und beschlossen, das Wandern auf den nächsten Tag zu schieben und anstatt dessen zu den Jenolan Caves zu fahren. Eine weitere Stunde Fahrt, unzählige Kurven und unglaublich schmale Straßen später (ein Hoch auf Automatik!) kamen wir an, um dann festzustellen, dass wir nicht selbstständig die Höhlen betreten dürfen, sondern eine Tour buchen müssen. 35$ für 600m, aufgeteilt auf eine knappe Stunde. Beeindruckend, aber nicht den Preis wert. Wir erkundeten noch ein bisschen die Gegend, staunten nicht schlecht über den wirklich sehr blauen See und die darin schwimmenden Schnabeltiere, und machten uns schließlich in Gesellschaft vieler Kängurus in der Abenddämmerung auf den Weg zurück nach Katoomba. Einfach wunderschön! Der Nachteil am Fahrersein: man kann sich nicht beliebig in der Gegend umschauen und die Aussicht so genießen, wie die Mitfahrer. Aber das Fahren auf den kurvenreichen Straßen hat auch ziemlich Spaß gemacht :D
Abends kochten Sophie und ich uns in der geräumigen, sauberen und gut ausgestatteten Hostelküche etwas zu essen, genauso wie wir uns unser Frühstück schon vorher eingekauft hatten - mit dem Wissen, dass die Supermärkte an Karfreitag geschlossen sind. Die anderen Beiden, die sich erst noch über unser Gepäck lustig machten („Ihr habt aber viel [Essen] mit...!“), durften dann feststellen, dass es doch nicht so schlecht ist, organisiert zu sein. Die, die möglichst viel Geld sparen wollten, mussten letztendlich auswärts essen. Klingt gehässig, aber: haha!
Freitags machten wir uns dann [mehr oder weniger ;)] gut gestärkt auf den Weg, um den ca. 9km langen Prince Henry Cliff Walk von der Scenic Railway Station vorbei an den Katoomba Falls über den Echo Point [(asiatischer) Touristenausblick Nr.1] zu den Leura Cascades anzutreten. Zunächst noch auf gefestigten, geraden Wegen und Treppen, später über Stock und Stein ging es durch die (Regen)Wälder der Blue Mountains, entlang des Hangs mit wunderbarem Blick auf das Tal und die berühmten Three Sisters. Auch wenn es bewölkt war und teilweise sogar nieselte, finde ich, hatten wir Glück mit dem Wetter. Es war nicht zu heiß zum Wandern und durch die Wetterlage war der blaue Dunst von den Eukalyptusbäumen, der namensgebend für die Berge ist, die ganze Zeit zu sehen. Wunderwunderwunderschön! Und auf Bildern leider nie so einzufangen, wie es wirklich aussieht.
Am Ende unserer Wanderung mussten wir noch 1,5km in den Ort Leura laufen, wo die Stimmung dann am Tiefpunkt war und wir erst einmal eine Pause zur Stärkung einlegten, bevor wir mit dem Zug und Bus wieder zurück nach Katoomba und zu unserem Auto fuhren. Wir legten noch einen Stopp in Blackheath ein, um eine weitere atemberaubende Aussicht inklusive Wasserfall zu genießen, bevor wir uns auf den Rückweg nach Sydney/Manly machten.

Roadtrip mit Hindernissen

(Montag, 21. März bis Mittwoch, 23. März)

Wow! Zweieinhalb Wochen sind schon wieder rum - Zeit, endlich mal etwas von mir hören zu lassen... 
Die Woche vor dem Osterwochenende, meine 8. Arbeitswoche, war kurz und entspannt. Das Wetter war nicht ganz so gut, wegen dem Regen fiel am Dienstag sogar die Tennisstunde der 6-Jährigen aus, was den Kindern und mir aber viel ruhige Zeit zu Hause ermöglichte. Wenn man immer unterwegs ist, kommt das manchmal zu kurz. Basteln, Lego, Bücher, Musik. 
Meine freie Zeit verbrachte ich mit der Planung des bevorstehenden Wochenendes - das war allerdings nicht ganz so entspannt. Eher ziemlich nervenaufreibend. Aber von vorn:
Sophie und ich wollten über das lange Wochenende unsere freien Tage nutzen und mit einem Mietwagen die Gegend erkunden. Auf dem Plan standen die Blue Mountains, der Royal National Park und Jervis Bay aufgeteilt auf 5 Tage. Da wir möglichst kostensparend reisen wollten, suchten wir über facebook mögliche Interessenten uns zu begleiten. Ich wurde von Anfragen überflutet, für den Royal National Park war das Ganze unkompliziert, aber für die Blue Mountains passte es entweder zeitlich nicht oder sie hatten andere Vorstellungen. Letztendlich bekam ich eine Nachricht von einem Mädchen, das zufälligerweise aus meinem Heimatnachbarort Hude stammt (da ist man am anderen Ende der Welt und dann so etwas... :D) und es sah so aus, als ob alles gut läuft. Ich habe fünf Mal nachgefragt, ob sie und ihre Freundin wirklich mit dabei sind, bevor ich das Hostel gebucht habe (war einfach günstiger, als wenn jede für sich bucht)... Und damit hatte ich den Salat. Mach ich nie, nie wieder! 
Am Mittwoch holte ich vormittags den Mietwagen ab, auf dem Weg in die Stadt fuhr ich das erste Mal mit der fast ferry, die anstatt 30 Minuten nur eine Viertelstunde braucht. Ist zwar etwas teurer, aber werktags kein nennenswerter Unterschied zur großen Fähre. Man spart Zeit und es macht mehr Spaß (Wellengang!) ;) 

Nachdem meine Kreditkarte zwei Mal abgewiesen wurde und ich direkt an der ersten Kreuzung auf der falschen Spur stand, habe ich letztendlich doch unversehrt den Weg nach Manly gefunden. Über die Harbour Bridge zu fahren war ein unbeschreibliches Gefühl! Irgendwie surreal und toll und mir-ein-riesen-großes-Grinsen-aufs-Gesicht-zaubernd, aber auch leicht überfordernd. Ich hatte das Gefühl, die Spurenanzahl wuchs immer weiter - gut, dass meine Gastmutter mir zuvor gesagt hatte, auf welcher ich mich halten muss, um mich richtig einzufädeln.
Der 4-Jährige blieb an jenem Morgen aus Krankheitsgründen zu Hause, ich übernahm ihn sobald ich wieder zurück war. Es musste aber noch einiges geplant werden, weshalb Sophie einfach zu uns kam und der Kleine ein wenig vorm Fernseher entspannen durfte. Da war noch alles gut. Das Blatt wendete sich, als ich abends in mein Zimmer kam und auf meinem Handy eine Nachricht von der Freundin des Mädels, die mir zugesagt hatte, entdeckte: „[...] just wanted to say I don’t think I can make it.“ Um 21.20 Uhr. 12 Stunden vor Abfahrt. Ihr Ernst?! Ist denn heutzutage auf niemanden mehr Verlass?
Es sei ihr zu teuer, zu kurzfristig, zu umständlich. 
Ich wusste erst gar nicht so recht, was ich dazu sagen, wie ich darauf reagieren sollte. Meine einzige Befürchtung, auf den Kosten sitzen zu bleiben, wurde wahr. Ich versuchte noch, sie irgendwie zu überreden und ihr mit dem Abfahrtsort entgegen zu kommen. Aber sie hatte ihre Entscheidung schon gefällt. Und auf meine Anmerkung, dass sie zumindest ihren Anteil am Hostel bezahlen müsste, kam nur, es sei nicht ihr Problem. Ich musste mich wirklich zusammen reißen, als ich die Deutsche kontaktierte, mit der ich alles abgemacht hatte. Ich war wütend, frustriert, fassungslos, sprachlos, hatte kein Verständnis für so ein Verhalten. Zusammen versuchten wir ihre Freundin doch noch zur Mitfahrt zu bewegen, ich bekam allerdings keine Antwort mehr von ihr. Für mich war das also gegessen. Ist schwer, sich von so etwas nicht von vorne herein den Trip versauen zu lassen...
Am Donnerstag packte ich meine sieben Sachen und machte mich auf den Weg zur Schule der 6-Jährigen, um der Easter Hat Parade zuzusehen, für welche die Kinder bunte Hüte zum Thema Ostern gebastelt hatten, bevor ich mich mit Sophie um halb 11 auf den Weg machen wollte. Um 9.45 Uhr kam die Nachricht: „Hey, what time should I be at the station?“ Von der, die mir abgesagt hatte. Seriously?!
Ohne Witz, ich habe noch nie eine so unselbstständige, unorganisierte Person getroffen. Wie schafft sie es, hier in Australien auf eigene Faust herumzureisen?! Und nebenbei bemerkt: Sie ist 27 Jahre alt. 
Nachdem sich meine Nerven und auch mein Fahrstil etwas beruhigt hatten, sammelte ich nach einigem Hin und Her die Amerikanerin und schließlich die Deutsche ein und wir konnten uns endlich auf den Weg in die Berge machen. 
Roadtrip - here weg go!