(Dienstag, 29. März bis Sonntag, 03. April 2016)
... ist nicht immer einfach.
Da die kurze Arbeitswoche nach Ostern nicht sonderlich erwähnenswert ist (mit den Kindern war es überwiegend die gleiche Routine wie die Wochen zuvor) und ich meine freie Zeit fast ausschließlich damit verbracht habe, mich von dem Wochenende zu erholen (so lange Tagestrips und Autofahrten sind dann doch nicht ganz ohne), widme ich aus gegebenem Anlass diesen Eintrag der allgemeinen Rematch-Situation, also das Verlassen oder Wechseln der Gastfamilie, aus der Sicht eines Au Pairs.
Als Au Pair lässt man sich auf ein großes Abenteuer ein. Fremdes Land, fremde Menschen, eine fremde Kultur - und ein sehr bedeutender Part: man ist auf sich allein gestellt. Vor allem, wenn man sich dazu entscheidet, das Ganze ohne Agentur zu wagen. In Australien möglich, in den Staaten (legal) nicht. Mit einer Agentur ist man auf der sichereren Seite, es ist zwar kostspieliger, aber wenn Probleme auftreten sollten - egal ob mit der Gastfamilie oder in anderen Bereichen -, so hat man einen Ansprechpartner vor Ort, der einem Rat geben oder aus einer Situation heraus helfen kann. Denn Freunde und Familie sind tausende von Kilometern entfernt.
Ich habe mich, wie bereits in einem meiner ersten Einträge erwähnt, gegen eine Agentur entschlossen - einfach aus den Gründen, dass ich schon einmal als Au Pair im Ausland war und auch das Rematch schon durchlebt habe, und vor allem, weil ich mittlerweile älter, erwachsener, selbständiger bin als damals mit 19, frisch und unerfahren, direkt nach dem Abi aus dem Hotel Mama. So wie es die Meisten machen und wie ich es auch immer wieder machen würde. Man lernt so viel!
Ich hab mich in der Lage gefühlt, das ganze Unterfangen "Au Pair / Abenteuer Ausland Australien" selbst zu managen und zu organisieren. Auch falls es wieder zu dem Fall kommen sollte, dass es mit der Gastfamilie nicht auf Anhieb klappt. Die Chemie muss einfach stimmen und das merkt man erst, wenn man unter einem Dach lebt. Vielleicht wiederhole ich mich gerade, aber ich finde diesen Aspekt sehr, sehr wichtig und der wird oft nicht so recht beachtet oder runtergespielt. Manchmal ist es aber auch die Art, wie ein Au Pair behandelt wird oder unter welchen Bedingungen es arbeiten muss. Man muss Kompromisse eingehen, schließlich lebt man in einem zunächst fremden Haushalt mit anderen Regeln und Erziehungsmethoden. Darüber sollte man sich im Klaren sein. Aber man darf sich auch nicht alles gefallen oder sich ausnutzen lassen. Und das kommt häufiger vor, als man das vielleicht denkt. Leider.
Wieder ein Pro für das Reisen mit Unterstützung: die Familien und auch das Au Pair sind an einen Vertrag gebunden, der von der Agentur aufgesetzt wurde. Geregelte Arbeitszeiten und geregeltes "Taschengeld". Ich habe mich vorher informiert, was so der Standart für Australien ist und meine Gastfamilie hat von sich aus angeboten, einen Vertrag aufzusetzen, mit dem ich einverstanden war. Wer sich also selbstständig um alles kümmert, sollte vor allem darauf Wert legen und sich absichern.
Die Aufgaben eines Au Pairs beinhalten primär das Betreuen der Kinder, bis zu 40h pro Woche, aber auch ein paar leichte Aufgaben im Haushalt, wie z.B. das Waschen der Kinderkleidung, kleine (Lebensmittel)Einkäufe, Kochen, Staubsaugen oder Wischen, das Aufräumen bzw. Sauberhalten der Gemeinschafts- und Kinderzimmer. Das variiert von Familie zu Familie, aber das Au Pair ist auf keinen Fall die Putzfrau und für die Wäsche der Eltern oder deren Badezimmer zuständig. Für die Arbeit als Au Pair erhält man im Gegenzug ein eigenes Zimmer, Verpflegung, normalerweise auch einen Vertrag / eine SIM-Karte zum Telefonieren (man muss ja schließlich erreichbar sein) und das Taschengeld. Auch dieses kann (zumindest in Australien) variieren, je nachdem wie viele Stunden man arbeitet, wie erfahren man ist und auf wie viele Kinder man aufpasst.
Ich finde, das sind eigentlich ziemlich humane Bedingungen - und die günstigste Möglichkeit der Kinderbetreuung. Und trotzdem gibt es Familien, die sich nicht daran halten und die - eventuell zu gutgläubigen - Au Pairs schamlos ausnutzen und diese dann zu viel hinnehmen, um ihren Traum vom Ausland weiterhin leben zu können.
Man sollte das Wechseln einer Familie nicht überstürzt in Angriff nehmen, nicht sofort das Handtuch werfen, alles braucht seine Zeit - um sich aneinander, an die Umgebung, an den neuen Alltag zu gewöhnen -, aber wenn man es wirklich probiert, wenn man sein Bestes gibt und trotzdem das Gefühl hat, es funktioniert nicht oder dass man unfair behandelt wird, sollte man den Schritt wagen und sein Glück in einer neuen Familie suchen. Denn komplett Verbiegen sollte man sich auch nicht - anpassen ja, aber nicht verändern, nur um es der Familie recht zu machen. Wenn ich an mein Jahr in Amerika zurück denke, war das Rematch zwar eine sehr harte und schwierige Zeit für mich, jedoch zugleich das Beste, was mir hätte passieren können. Meine zweite Gastfamilie hat mir zu einer tollen, spannenden, ereignisreichen, glücklichen Erfahrung und Phase meines Lebens verholfen und beigetragen und die ersten drei Monate dadurch verblassen lassen.
Nun erging es leider auch der lieben Sophie so. Sie hat sich allerdings dazu entschlossen, nachdem es sich am Osterwochenende zugespitzt hat, ihren Aufenthalt in Australien vorzeitig zu beenden. Ich finde das natürlich sehr schade, kann ihre Entscheidung aber nachvollziehen.
Natürlich gibt es immer zwei Seiten einer Medaille, wie es so schön heißt, und ich habe auch schon viele Geschichten gehört oder miterlebt, wo ich das Verhalten des Au Pairs nicht nachvollziehen kann bzw. respektlos finde, aber generell finde ich sind Au Pairs von Anfang an der verletzlichere Part des (Arbeits)Verhältnisses - denn sie sind diejenigen, die ohne Freunde und Familie (überwiegend) auf sich allein gestellt in ein fremdes Land reisen und dort in eine sich im alltäglichen Leben befindende Gastfamilie ziehen und für sie arbeiten.
Fazit: Als Au Pair sollte man sich im Klaren sein, worauf man sich einlässt und als Gastfamilie sollte man die Person, die auf die eigenen Kinder aufpasst, fair behandeln. Stellt euch doch mal vor, jemand geht später so mit euerm Kind um...?!
Um etwas positiver zu werden folgt nun noch ein kleiner Bericht vom Wochenende. Am Samstag bin ich wieder zu dem Au Pair Meeting gegangen, welches von einem örtlichen Reiseveranstalter organisiert wird. Kostenlos Kaffee und Kuchen und die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen. Und das habe ich nun wieder bitter nötig. Denn nicht nur Sophie ist nun bald weg, sondern auch Lenah hat in der kommenden Woche ihren letzten Arbeitstag :( Dieses Mal war das Treffen besser besucht als beim letzten Mal, doch die Deutschen waren - mal wieder - in der Überzahl. Leider haben es die Deutschen so an sich, dass sie, sobald mehr als eine Person in einer Gruppe deutsch spricht, untereinander nur noch Deutsch miteinander sprechen, was natürlich dazu führt, dass die anderen Nationalitäten ausgeschlossen werden. Und leider war es auch an diesem Tag der Fall. Unterhielt ich mich erst noch angeregt mit einem Mädchen, das ich beim letzten Mal schon kennen gelernt habe, auf Englisch, wurde ich immer weiter in die deutsche Unterhaltung mit einbezogen, sodass letztendlich niemand mehr Lust hatte mit uns zu reden und wir Deutschen eine Gruppe bildeten. Naja... War trotzdem ein netter Tag. Ich gewann einen 50$-Gutschein für einen Trip, den ich beim Reiseveranstalter buchen kann (die haben eine sehr gute und große Auswahl) und verbrachte den restlichen Tag mit den deutschen Mädels am Strand und an der Promenade. Sophie kam nachmittags auch noch dazu.
Am Sonntag nahmen Sophie und ich die Fähre nach Kirribilli, um endlich das uns empfohlene Café Axil Coffee Co auszuprobieren, bei dem wir das letzte Mal vor verschlossener Tür standen. Anscheinend eine gute Empfehlung, denn wir mussten einige Zeit auf einen Tisch in dem kleinen, gemütlichen, mit schönem Ausblick ausgestatteten Raum warten um dann doch direkt beim Eingang zu sitzen. Das Frühstück war trotzdem sehr lecker. Auch wenn man sich die ganze Zeit etwas gehetzt gefühlt hat, da die wartenden Leute direkt hinter einem standen... Merke: Nächstes Mal vielleicht etwas früher aufkreuzen und auf einen besseren Tisch bestehen ;)
Den Tag nutzten wir außerdem, um typische Touri-Fotos zu schießen. Auf den Stufen vor dem Opera House und auf einem Spielplatz in Dover Heights. Dort hat man einen wunderbaren Blick auf die Skyline von Sydney - bisher meine liebste Aussicht - und normalerweise kann man dort auf einer Schaukel sitzen - eben mit dieser tollen Perspektive auf Sydney im Hintergrund - doch zu unserem Pech war genau diese Schaukel kaputt. Hatten wohl schon zu viele vor uns das Bedürfnis sich in ein tolles Erinnerungsfoto zu schaukeln. Too bad! Wir machten das Beste draus und genossen die lange Busfahrt durch die schöne Wohngegend mit unglaublich tollen (und teuren) Häusern entlang des Bondi Beach zurück zum Circular Quay. Abends gingen wir im Chica Bonita essen, einem sehr beliebten Mexikaner in Manly. Nicht ohne Grund sollte man hier schon vor Eröffnung seinen Platz in der Schlange suchen. So endete ein schönes Wochenende mit leckeren Veggie Fries und einer Margarita - Cheers!