Montag, 11. April 2016

Roadtrip mit Hindernissen

(Montag, 21. März bis Mittwoch, 23. März)

Wow! Zweieinhalb Wochen sind schon wieder rum - Zeit, endlich mal etwas von mir hören zu lassen... 
Die Woche vor dem Osterwochenende, meine 8. Arbeitswoche, war kurz und entspannt. Das Wetter war nicht ganz so gut, wegen dem Regen fiel am Dienstag sogar die Tennisstunde der 6-Jährigen aus, was den Kindern und mir aber viel ruhige Zeit zu Hause ermöglichte. Wenn man immer unterwegs ist, kommt das manchmal zu kurz. Basteln, Lego, Bücher, Musik. 
Meine freie Zeit verbrachte ich mit der Planung des bevorstehenden Wochenendes - das war allerdings nicht ganz so entspannt. Eher ziemlich nervenaufreibend. Aber von vorn:
Sophie und ich wollten über das lange Wochenende unsere freien Tage nutzen und mit einem Mietwagen die Gegend erkunden. Auf dem Plan standen die Blue Mountains, der Royal National Park und Jervis Bay aufgeteilt auf 5 Tage. Da wir möglichst kostensparend reisen wollten, suchten wir über facebook mögliche Interessenten uns zu begleiten. Ich wurde von Anfragen überflutet, für den Royal National Park war das Ganze unkompliziert, aber für die Blue Mountains passte es entweder zeitlich nicht oder sie hatten andere Vorstellungen. Letztendlich bekam ich eine Nachricht von einem Mädchen, das zufälligerweise aus meinem Heimatnachbarort Hude stammt (da ist man am anderen Ende der Welt und dann so etwas... :D) und es sah so aus, als ob alles gut läuft. Ich habe fünf Mal nachgefragt, ob sie und ihre Freundin wirklich mit dabei sind, bevor ich das Hostel gebucht habe (war einfach günstiger, als wenn jede für sich bucht)... Und damit hatte ich den Salat. Mach ich nie, nie wieder! 
Am Mittwoch holte ich vormittags den Mietwagen ab, auf dem Weg in die Stadt fuhr ich das erste Mal mit der fast ferry, die anstatt 30 Minuten nur eine Viertelstunde braucht. Ist zwar etwas teurer, aber werktags kein nennenswerter Unterschied zur großen Fähre. Man spart Zeit und es macht mehr Spaß (Wellengang!) ;) 

Nachdem meine Kreditkarte zwei Mal abgewiesen wurde und ich direkt an der ersten Kreuzung auf der falschen Spur stand, habe ich letztendlich doch unversehrt den Weg nach Manly gefunden. Über die Harbour Bridge zu fahren war ein unbeschreibliches Gefühl! Irgendwie surreal und toll und mir-ein-riesen-großes-Grinsen-aufs-Gesicht-zaubernd, aber auch leicht überfordernd. Ich hatte das Gefühl, die Spurenanzahl wuchs immer weiter - gut, dass meine Gastmutter mir zuvor gesagt hatte, auf welcher ich mich halten muss, um mich richtig einzufädeln.
Der 4-Jährige blieb an jenem Morgen aus Krankheitsgründen zu Hause, ich übernahm ihn sobald ich wieder zurück war. Es musste aber noch einiges geplant werden, weshalb Sophie einfach zu uns kam und der Kleine ein wenig vorm Fernseher entspannen durfte. Da war noch alles gut. Das Blatt wendete sich, als ich abends in mein Zimmer kam und auf meinem Handy eine Nachricht von der Freundin des Mädels, die mir zugesagt hatte, entdeckte: „[...] just wanted to say I don’t think I can make it.“ Um 21.20 Uhr. 12 Stunden vor Abfahrt. Ihr Ernst?! Ist denn heutzutage auf niemanden mehr Verlass?
Es sei ihr zu teuer, zu kurzfristig, zu umständlich. 
Ich wusste erst gar nicht so recht, was ich dazu sagen, wie ich darauf reagieren sollte. Meine einzige Befürchtung, auf den Kosten sitzen zu bleiben, wurde wahr. Ich versuchte noch, sie irgendwie zu überreden und ihr mit dem Abfahrtsort entgegen zu kommen. Aber sie hatte ihre Entscheidung schon gefällt. Und auf meine Anmerkung, dass sie zumindest ihren Anteil am Hostel bezahlen müsste, kam nur, es sei nicht ihr Problem. Ich musste mich wirklich zusammen reißen, als ich die Deutsche kontaktierte, mit der ich alles abgemacht hatte. Ich war wütend, frustriert, fassungslos, sprachlos, hatte kein Verständnis für so ein Verhalten. Zusammen versuchten wir ihre Freundin doch noch zur Mitfahrt zu bewegen, ich bekam allerdings keine Antwort mehr von ihr. Für mich war das also gegessen. Ist schwer, sich von so etwas nicht von vorne herein den Trip versauen zu lassen...
Am Donnerstag packte ich meine sieben Sachen und machte mich auf den Weg zur Schule der 6-Jährigen, um der Easter Hat Parade zuzusehen, für welche die Kinder bunte Hüte zum Thema Ostern gebastelt hatten, bevor ich mich mit Sophie um halb 11 auf den Weg machen wollte. Um 9.45 Uhr kam die Nachricht: „Hey, what time should I be at the station?“ Von der, die mir abgesagt hatte. Seriously?!
Ohne Witz, ich habe noch nie eine so unselbstständige, unorganisierte Person getroffen. Wie schafft sie es, hier in Australien auf eigene Faust herumzureisen?! Und nebenbei bemerkt: Sie ist 27 Jahre alt. 
Nachdem sich meine Nerven und auch mein Fahrstil etwas beruhigt hatten, sammelte ich nach einigem Hin und Her die Amerikanerin und schließlich die Deutsche ein und wir konnten uns endlich auf den Weg in die Berge machen. 
Roadtrip - here weg go!

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