Dienstag, 12. April 2016

Royal National Park

(Samstag, 26. März 2016)

Am Samstag sammelte ich ab 7.30 Uhr zunächst Sophie, dann Antonia und schließlich Jana für den Trip zum Royal National Park ein. Ein komplett deutsches Auto. Und von vorne herein eine viel angenehmere Atmosphäre als die beiden Tage zuvor. Eine Stunde südlich von Sydney gelegen und für 12$ Fahrzeug-/Parkgebühren pro Tag fuhren wir zunächst zum Wattamolla Beach, kühlten uns in der Lagune ab, sprangen von den ca. 10m hohen Klippen des Wasserfalls, sonnten uns am Strand und genossen nach einem kurzen Fußmarsch die Aussicht auf die Küste. Wir hatten wieder Glück mit dem Wetter: Sonnenschein pur - damit hatte ich ehrlich gesagt überhaupt nicht gerechnet. Und wir hatten auch Glück mit dem Parkplatz bzw. dem Zeitpunkt unserer Ankunft. Denn als wir uns gegen 14 Uhr auf den Weg zu den Figure Eight Pools machten, sahen wir, dass der Parkplatz für den Wattamolla Beach gesperrt war und die Menschen mit Sack und Pack über 3km in der prallen Sonne laufen mussten, wenn sie trotzdem ihren Tag dort verbringen wollten. 
Um zu den südlicher gelegenen Figure 8 Pools zu gelangen, parkt man am besten bei der Garrawarra Farm und läuft bzw. wandert den Rest zu Fuß. Über Stock und Stein - oder wohl eher über Baumwurzeln und Felsen - ging es 3km bergab durch Wald, Wiesen und wieder (Palmen)Wald. Etwas verfrüht kamen wir an den Klippen der Küste an - man muss den tiefsten Wasserstand abwarten (am besten vorher informieren ), um die Pools sehen und ohne Gefahr zu ihnen gelangen zu können, weshalb wir erst einmal eine verspätete Mittagspause einlegten. Wir beschlossen, uns anschließend auf die letzten Meter zu dem Steinplateau zu wagen, die Wellen und der Wasserstand ließen das bereits zu. Die Pools - Löcher in den Felsen, die geformt sind wie die Zahl 8 - waren auch schon zu sehen, aber das Plateau stand noch etwas unter Wasser, weshalb wir uns einig waren, auf den trockenen Felsen abzuwarten. Gute Entscheidung! Denn Naturlaunen bzw. hoher Wellengang, Faszination und die Dummheit des Menschen sollten die folgenden Stunden unterhaltsam füllen.
Immer wieder schlugen Sets hoher Wellen an das Plateau und überschwemmten dieses - inklusive aller Touristen und ihrer Habseligkeiten. Immer wieder wurden Menschen von den Wellen umgerissen und über die Steinplattform geschliffen. Und immer wieder suchten Verletzte Zuflucht auf den höher gelegenen Felsen. Schürfwunden, kaputte Elektronik, triefende Rucksäcke. Ein Schauspiel, dass sich alle 15 Minuten wiederholte. Einerseits taten einem die Betroffenen natürlich Leid, schließlich kann es nicht angenehm sein, mit offenen Wunden und klitschnass den ganzen Weg zurück zu wandern, andererseits hatten sie auch selbst Schuld (Lifeguards sind hier nicht zur Stelle, alle Handlungen auf eigene Gefahr). Schon von Weitem sah man, wenn sich wieder eine hohe Welle näherte, doch die Warnrufe wurden entweder nicht gehört oder ignoriert. Oder man wollte trotzdem unbedingt das Touri-Beweisfoto "Ich war hier!" schießen. Ich muss zugeben, mich zog es auch in diesen Bann, denn von den Felsen aus sah man die Löcher wegen der Überschwemmung (auch beim tiefsten Wasserstand) nicht gut - allerdings ging ich etwas vorsichtiger an die Sache heran. Ich ließ meine Tasche bei den anderen Mädels liegen, wartete eine ruhige Phase ab, lief hinunter aufs Plateau, schoss das Foto und suchte schnell wieder das Weite. Aber mir ist es unbegreiflich, wie man dort schwimmen oder länger als nötig Zeit verbringen möchte - vor allem, wenn man das "Spektakel" vorher beobachten konnte.
Genug Adrenalin und Sonne für einen Tag! Wir machten uns - dieses Mal an der Küste über die Felsen und Strände entlang - auf den Weg zurück zum Auto. Und alles, was wir vorher bergab gelaufen sind, mussten wir nun natürlich auch wieder rauf. Unglaublich! Unendlich! Anstrengend! Kräftezehrend! Aber wir konnten keinen besseren Zeitpunkt erwischen: während der Abenddämmerung mit Ausblick auf die Klippen, die Wälder, die Strände. Das hat das Ganze zumindest ein klein wenig erträglicher gemacht.
Insgesamt muss ich sagen, dass das, was ich vom Royal National Park an diesem Tag gesehen habe, sehr beeindruckend und idyllisch war - doch die Wanderung zu den Figure 8 Pools halte ich nicht für besonders lohnenswert (auch wenn ich darüber nun am meisten geschrieben habe). Ein wirklich mühsamer Weg für zwei oder drei dieser Löcherformationen, die von Touristen belagert werden. Und wenn man Pech hat bzw. sich nicht richtig über den Wasserstand und Wellengang informiert, lässt sich erst Recht kein vernünftiger Blick darauf werfen. Ich glaube, da gibt es schönere, außergewöhnlichere Flecken hier in Australien, in die man seine Zeit investieren sollte ;)

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