Mittwoch, 28. September 2016

Von Meerestieren und dem Frühling

(Montag, 19. September bis Sonntag, 25. September 2016)

Der Montag fing abermals mit meiner morgendlichen Surfstunde an, ähnlich gut, wenn nicht sogar noch besser als die letzte und vor allem intensiv. Denn wir waren nur zu zweit, sodass man, sobald man eine Welle erwischt hat und wieder hinauf aufs Meer gepaddelt ist, schon wieder an der Reihe war. Extrem anstrengend, aber durchaus zufriedenstellend. Und wenn dann ein junger Wal auch noch eine 10-minütige Springshow einlegt und uns somit eine faszinierende, atemberaubende und einem ein-Strahlen-aufs-Gesicht-zaubernde Pause beschert, gibt es rein gar nichts mehr zu meckern ;) Ein Kaffee am Strand bei strahlendem Sonnenschein in Gesellschaft von Caro und Verena rundete meine freie Zeit schließlich ab.
Dieses Glücksgefühl, dass alles wunderbar ist und mich in letzter Zeit häufiger überkommt, und meine gute Laune wurde am späten Nachmittag jäh zerstört, als ich nur knapp einem Autounfall entging. Ich hatte bei normalem Tempo innerorts beide Kinder im Auto und ein anderer Fahrer hat mir die Vorfahrt genommen. Es ist nichts passiert, er hat bremsen, ich ausweichen können. Aber es war haarscharf und solche Momente lassen einen erst so richtig realisieren, was alles hätte passieren können. Ich weiß, das ganze "hätte, wenn und aber" bringt einen nicht weiter, vor allem weil ja alles gut gegangen ist, aber abstellen kann ich solche Gedanken dann leider doch nicht und die Situation hat mich ähnlich wie der Unfall des Kleinen letzte Woche ziemlich aufgewühlt. Ich bin sogar abends auf meiner Fahrt zum Fitnessstudio noch einmal an der Stelle vorbei gefahren, nur um sicherzugehen, dass ich nicht Schuld war, irgendein Verkehrsschild übersehen habe und mir das womöglich wieder passiert. Manchmal wünschte ich mir, ich könnte meinen Kopf und meine tausend Gedanken einfach ausschalten...
Fröhlicher ging es in der Woche weiter. Am Dienstag gesellten sich drei Delfine zur Surfstunde von Verena und Caro, die alle mit Begeisterung beobachteten. Mittwoch traf ich mich vormittags mit Verena trotz Nieselregen am Strand und wir bummelten durch Manly, abends ging es dann mit Caro ins Gym. Und mein Tagesablauf mit den Kids verlief ebenfalls unkompliziert, Hobbys und Verabredungen mit anderen Kindern sind ein guter Zeitvertreib. Donnerstag habe ich Caro in meinen Nannyjob eingearbeitet - sie übernimmt nämlich meine Aufgaben, solang ich mit meinen Eltern am Herumreisen bin. Das Baby hat sich allerdings leider von seiner quengeligsten Seite gezeigt, was auf Caro gleich einen super Eindruck hinterlassen hat. Es kann nur besser werden... ;) Der Freitag und Samstag waren lang, ich musste viel arbeiten und fiel somit immer recht früh zu Bett.
Mein Tagesrhythmus hat sich hier in Australien sowieso total verändert. Halb 10 morgens bedeutet für mich ausschlafen, meistens bin ich aber schon gegen 7 Uhr wach. In Deutschland bin ich durch meinen Job in der Spätschicht teilweise erst um 14 Uhr aufgestanden. Abends wiederum gehe ich so früh ins Bett wie glaube ich noch nie in meinem Leben. Ich war schon immer eine Nachteule - abends fühlte ich mich immer produktiver - und nun bin ich um spätestens 12 Uhr wieder im Bett. Ich brauche meine 8 Stunden Schlaf, sonst quäle ich mich müde und gereizt durch den Tag. Entweder ich werde alt, oder in Deutschland ist mir das nie so stark aufgefallen, wenn ich (sogar ziemlich oft) weniger Schlaf abbekommen habe. Anderes Land, andere Sitten, andere Mentalität, anderer Job, anderer Tagesablauf, anderer Rhythmus. 
Auch Feiern gehe ich hier nicht so wirklich. Klar, auf ein Gläschen Wein bin ich immer zu haben, aber viel Alkohol konsumieren oder bis in die frühen Morgenstunden tanzen (Anmerkung: hier klappen die Bürgersteige spätestens um 3 Uhr in der Früh hoch, dafür geht alles etwas eher los und ist nicht so wie in Deutschland, wo man erst um 1 Uhr auf der Party erscheint) steht eher selten auf dem Programm, ich hebe mir lieber meine Kräfte (und mein Geld) für Unternehmungen wie Folgende auf:
Am Sonntag ging es (mal wieder) sehr, sehr, sehr früh los. Mit dem Auto, Marie und noch drei anderen Mädels, die ich über Facebook für unseren Trip gewonnen hatte, ging es nach Canberra, hauptsächlich um das von Mitte September bis Mitte Oktober stattfindende Frühlingsfest Floriade zu besuchen. Das Gute an dem Sonntagsbesuch waren nicht die zahlreichen Touristen, sondern die zahlreichen kostenlosen Parkmöglichkeiten - man spart wo man kann ;) Zunächst führte es uns zu den Old Bus Depot Markets - meine absolute Lieblingsbeschäftigung: gemütlich mit einem Kaffee in der Hand über Märkte schlendern und schöne Dinge entdecken [und eventuell kaufen ;)]. Im Anschluss haben wir einen Stopp in dem Café Pâtissez eingelegt, das für seine Kalorienbomben aka FreakShakes bekannt ist, welche mir allerdings zu mächtig waren und ich es lieber beim Bestaunen gelassen habe. Schnell ins und aufs Parlamentshaus geschaut, ging es dann endlich zur Floriade. Ein schönes, farbenfrohes Festival für jedes Alter. Ein Markt mit vielen verlockenden Ständen, Imbissbuden, Musik, Fahrgeschäfte / Riesenrad und tausende Blumen, hauptsächlich Tulpen in jeder Farbvariation. Das Wetter spielte einigermaßen mit - es war zwar bewölkt, aber trocken und relativ warm (ganz im Gegensatz zum regnerischen Sydney...). Es ging weiter zum Australian War Memorial, wo ich wieder der The Last Post Ceremony lauschte. Da ab 17.00 Uhr alles schloss, konnten wir uns das National Museum Of Australia nur noch von außen ansehen, was allerdings bei Sonnenuntergang und außergewöhnlicher Architektur ausreichend beeindruckend war. Nach einem langen Tag war ich jedenfalls unheimlich froh, als ich endlich wieder in meinem Bett lag. 
Good night!

Mittwoch, 21. September 2016

Alltag

(Montag, 12. September bis Sonntag, 18. September 2016)

Am Montag Morgen war ich wieder zu gewohnter Zeit bei gewohntem Surflehrer in meiner Surfstunde, dieses Mal ohne Gesellschaft - Marie hat sich ihren Fuß verletzt. Und trotzdem war es bisher die beste Stunde. Die Konditionen waren perfekt und montags ist es immer schön ruhig, wir waren nur zu dritt in der Stunde. Da bekommt man einfach viel mehr aus den 120 Minuten raus, als wenn man zu sechst, siebt oder acht ist. Fast jede Welle habe ich dank meines Lehrers bekommen, fast jede Welle fühlte sich richtig gut an und ich hatte einen guten und sicheren Stand auf dem Board. Ich merkte zwar, dass ich seit fast drei Wochen nicht im Wasser war, meine Arme nach wenigen Minuten schon ermüdeten und ich zwischendurch kleine Pausen brauchte, aber so langsam fühle ich mich bei einfachen Konditionen wohl und komme zu 90% auf das Board, kann mich ausbalancieren und die Welle entlang reiten. Und jetzt wo es wieder wärmer wird und einem die Gliedmaßen trotz Neoprenanzug nun nicht mehr abfrieren, macht es doppelt so viel Spaß. So far, so good! To be continued...
Caro und ich befinden uns in Woche 3 unseres workouts. Manchmal habe ich zwar echt überhaupt keine Lust, vor allem Beine/Cardio ist grausam, aber zu Zweit zieht man es dann doch durch und hält die Termine ein. Außerdem ist abends das Fitnessstudio meistens schön leer, sodass wir ungestört und unbeobachtet unsere Übungen machen können - da fühle ich mich gleich viel wohler ;)
Am Mittwoch hatte der Kleine leider einen Unfall. Wir waren draußen, die Kids sind mit ihren Rollern (und Helmen auf dem Kopf) die Straße auf und ab gedüst. Die asphaltierte Straße geht an einer Stelle etwas bergab, sodass die Beiden ordentlich Tempo aufnahmen. Beim ersten Mal ging noch alles gut, der Junge wurde dadurch aber leider etwas übermütig und beim zweiten Mal war er dann noch schneller unterwegs. Es muss ein kleiner Stein auf der Straße gelegen haben - durch die ganzen Baufahrzeuge im Wohngebiet sind die Wege manchmal sehr sandig und steinig -, denn einen Moment später stoppte plötzlich der Roller bei voller Fahrt und der Kleine viel ungebremst auf sein Gesicht und seine Hand. AUTSCH! Blitzschnell war ich bei ihm, das Geschrei war verständlicherweise ziemlich groß. Ich nahm ihn erst einmal in den Arm um ihn zu trösten, bevor ich etwas später die Verletzungen genauer betrachtete: seine komplette Nase, über dem Mund und die eine Hand waren komplett aufgeschürft, ein paar kleine Kratzer am anderen Arm und seiner Brust kamen noch hinzu. Es blutete zwar nicht sehr stark, doch es sah unglaublich schmerzhaft aus. Trösten, die Wunden reinigen, trösten, das Ganze kühlen und noch mehr trösten. Ich bin so froh, dass nicht mehr passiert ist. Es hätte so viel schlimmer ausgehen können... Und ich bin froh, dass es mir möglich war, ihn zu beruhigen. Der Kleine war super tapfer und seine große Schwester, die ihn sonst gerne triezt, hat ihn wunderbar aufgemuntert und bemuttert. Die Situation hat uns alle ziemlich geschockt, vor allem aber den Kleinen und mich. Auch wenn niemanden die Schuld traf: Die Bilder, wie er hinfiel, schwirrten mir abends immer noch durch den Kopf.
Eine gute Ablenkung war der Besuch von Steffi un Chris. Da sie ihren Campervan schon abgegeben, aber noch eine Nacht bis zu ihrem Flug nach Neuseeland zu überbrücken hatten (und meine Gasteltern einfach die Besten sind), verbrachten wir den Abend in gemütlicher Runde bei leckerem Essen und einem Gläschen Wein bei uns zu Hause. 
Donnerstag und Samstag verbrachte ich wieder in Gesellschaft des Babys, am Freitag in der des Jungen. Ich stellte meine Backkünste erneut auf die Probe - dieses Mal gab es Kürbismuffins - und auch sonst verging die Zeit wie im Flug. Den Samstag Abend verbrachte ich dann ganz entspannt bei Caro zu Hause und Sonntag mit ihr bei unaufhörlichem Regen zunächst im Sealife Aquarium am Darling Harbour, im Anschluss in der Mall mit verlockenden Sonderangeboten und den Abend ließen wir im Kino bei dem neuesten Bridget Jones ausklingen. Mädchenprogramm! Eigentlich hatten wir ganz andere Pläne, doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung - ich finde allerdings, dass wir eine ganz gute Alternative gefunden haben :)
Zu Hause erwartete mich dann das pure Chaos: das Garagentor stand offen, die Haustür ebenfalls, überall brannte Licht, die Waschmaschine war noch voll, die Essenreste der Kids (es war mittlerweile halb 11...) standen noch auf dem Tisch und auch sonst war überall dreckiges Geschirr verteilt und die Küche sah aus wie sau - nur keine Menschenseele zu sehen. Ich wunderte mich schon ein wenig, fing aber an, alles aufzuräumen. Meine Gastmutter war über Nacht nicht da und mein Gastvater mit den Kindern allein, es würde so oder so an mir hängen bleiben. Eine halbe Stunde und eine fast saubere Küche später kam mein Gastvater die Treppe hinunter getapst, völlig verpennt: "Oh, sorry, bin weg gedöst, du brauchst das nicht aufräumen, ich mach das. Das war vorhin bloß alles so stressig mit den Kids." Das ist einfach so typisch er (ohne, dass ich das jetzt böse meine)! Mit den Kindern geht er super um. Sein Geduldsfaden ist zwar nicht sehr lang, aber mit ihm haben sie immer am meisten Spaß. Nur wenn es um das ganze Drumherum geht, ist er völlig überfordert bzw. nimmt einiges überhaupt nicht wahr. Haushalt?! Steht an letzter Stelle, kommt bei ihm immer zu kurz. Er ist super hilfsbereit, aber einfach etwas verplant. Ist nicht das erste Mal, dass ich ihm hinterher räume. Er ist definitiv Geschäftsmann, kein Hausmann... :D

Dienstag, 13. September 2016

Achtung, Spinne im Anflug!

(Mittwoch, 07. September bis Sonntag, 11. September 2016)

Nicht nur die Spinnen hatten es diese Woche auf mich abgesehen, auch ein weiteres Mitglied der australischen Tierwelt war nicht gut auf mich zu sprechen...
Da diese Woche wegen der Beerdigung alles etwas vom normalen Plan abwich, passte ich bereits am Mittwoch auf das Baby auf - es lief alles wunderbar, auch wenn sie wegen eines Hustens ebenfalls nicht ganz in ihrer Routine drin und etwas quengelig war. Abends kam meine Gastfamilie zurück, ich half beim Abendessen und sprach die nächsten Tage mit ihnen ab. Eigentlich war für Donnerstag geplant, dass ich den Jungen übernehme, damit meine Gastmutter ein paar Dinge für das Haus erledigen kann. Nachdem ich die 7-Jährige allerdings an der Schule abgesetzt hatte, bekam ich die frohe Botschaft, doch bis zum Nachmittag frei zu haben. Somit saß ich für eine Weile mit Kaffee in der Hand am Strand und schaute Caro und Verena beim Surfen zu. Ich hätte mich gern dazu gesellt, aber die Stunde bestand komplett aus Anfängern und hätte mir persönlich wohl nicht ganz so viel gebracht. Später war ich dann noch mit dem Kleinen am Collins Beach, um Muscheln zu sammeln. Der Frühling ist da! Und mit ihm leider auch die Spinnen... Waren sie in den Wintermonaten wie vom Erdboden verschluckt, kann man nun einige hier und dort in den Büschen und Bäumen entlang der Wege entdecken. Es dauert wohl nicht mehr lang, bis alles wieder voll hängt. Ih!
Damit nicht genug: Am Freitag passierte dann das, wovor ich mich hier (so ziemlich) am meisten fürchte. Ich hatte zunächst beide Kids daheim, da in der Schule der Großen ein Magen-Darm-Virus (über 150 betroffene Kinder) umherging, den wir umgehen wollten. Die Kinder spielten wunderbar miteinander, ich schmiss den Haushalt und zusammen haben wir Lebkuchenmänner (und -eistüten) gebacken. Weihnachtsstimmung im September - warum nicht?! ;) Nachmittags aßen wir zunächst am Little Manly Beach ein Eis und fuhren im Anschluss an den Clontarf Beach auf den Abenteuerspielplatz, wo wir (abgesprochen) auf Caro und ihre Gastkinder trafen. Bis dahin ein schöner und entspannter Tag. Auf dem Heimweg schrie das Mädchen auf einmal auf: "Merle, da ist gerade eine riesengroße Spinne auf unser Auto gefallen und nun krabbelt sie an meinem Fenster entlang!" - Wie bitte?! Ich dachte zunächst, sie will mich veräppeln oder sie würde sich einfach täuschen und es war nur ein Blatt oder ähnliches. Da ich mich auf die Autofahrt konzentrieren wollte, bat ich sie das Thema fallen zu lassen. Zu Hause angekommen fragte sie dann: "Darf ich jetzt wieder über die Spinne reden? Ich glaub das war eine kleine Huntsman." (Anmerkung: ungefähr die ekeligste Spinne, die es gibt. Groß, braun, dicker Körper und dicke, lange Beine, allerdings ungefährlich.) Immer noch etwas zweifelnd und doch etwas verängstigt, bewaffnete ich mich und sprang nach kurzem Zögern aus dem Auto. Keine Spinne weit und breit. Und ich war nun der Überzeugung, das Mädchen hätte sich versehen. 
Aus den Augen, aus dem Sinn. Nach dem Motto stieg ich abends wieder in meinen fahrbaren Untersatz, da ich mit Caro und Verena im Steyne verabredet war. Dank einer Vollbremsung, ausgelöst durch einen rücksichtslosen Taxifahrer, wurde ich eines Besseren belehrt und eine (für australische Verhältnisse) mittelmäßig große Spinne, wie schon erwähnt eventuell eine kleine Huntsman, rutschte vom Dach über die Windschutzscheibe hinunter zu den Scheibenwischern und krabbelte dann im Zick Zack quer über das Glas. Das Mädchen hatte Recht! Gänsehaut pur!!! Ich bekomme jetzt noch welche, wenn ich nur daran denke... Ich fuhr völlig überrumpelt und überfordert einfach weiter und sammelte Caro ein, die ich aufforderte, möglichst schnell in den Wagen zu steigen. Die Spinne war wohl irgendwo auf ihrer Seite, zumindest wurde sie dort das letzte Mal gesichtet. Dass Caro noch mehr Angst vor den Tieren hat als ich, half uns dann nicht so wirklich weiter. Wir saßen erst einmal im Auto fest. Haha, wirklich eine der lustig-verweifelt-komischsten Situationen, in der ich mich jemals befunden habe :D  
Wieder einmal sprang ich bewaffnet aus dem Wagen und wieder einmal war keine Spinne in Sicht. Seither ist sie verschwunden, aber ich bin geprägt. Mit offenem Fenster Auto fahren?! Sollte ich mir eventuell das nächste Mal noch einmal überlegen, denn ob die Situation auch so glimpflich ausgegangen wäre, wenn sich das Ganze IM Auto abgespielt hätte, das kann ich mir nicht vorstellen. 
Am Samstag habe ich den ganzen Tag gearbeitet, und damit meine ich wirklich den ganzen Tag. Ab halb 10 habe ich bis in den Nachmittag hinein wieder auf das Baby aufgepasst. Dort dann der zweite, traumatisierende Vorfall. Wir waren bei schönstem Wetter ganz entspannt spazieren, bis ich auf einmal einen Flügelschlag am Ohr und im Gesicht spürte. Völlig verwirrt schaute ich mich um und bevor ich realisieren konnte, was da gerade passiert ist, geschah es ein zweites Mal. Ein großer schwarz-weißer Vogel fiel wieder über mich her und flog in den nächsten Baum. Beim dritten Angriff konnte ich ausweichen. Es war mir egal, wie bescheuert das ausgesehen haben muss, aber danach hielt mich nichts mehr zurück und ich rannte, in der einen Hand den Kinderwagen, die andere Hand wild in der Luft herum fuchtelnd, in Sicherheit, den Vogel immer im Auge behaltend. Was ist denn bitte hier los?! Ich erfuhr später, dass es sich um einen Magpie (Flötenvogel) handelte und es zur Brutzeit normal ist, dass er Menschen angreift, um sein Nest zu schützen. In Canberra ist es wohl so schlimm, dass die Menschen präparierte Hüte und Fahrradhelme tragen, damit dieser Vogel sie gar nicht erst angreifen kann. Gut zu wissen... Es ist ja alles harmlos ausgegangen, aber die Strecke werde ich in nächster Zeit auf jeden Fall meiden.
Abends war ich dann von einer österreichischen Familie auf Urlaub als Babysitter auf einer Hochzeit engagiert. Ich fuhr also in die Stadt und bespaßte einen 1,5-jährigen Jungen und ein 3,5-jähriges Mädchen. Der Tag hat sich auf jeden Fall gelohnt und meine Spardose für den Reisemonat im Januar ordentlich gefüllt :)
Am Sonntag fuhr ich mit Marie und einer Freundin von ihr, Hayley, in den Royal National Park. Zunächst genossen wir die fast menschenleere Aussicht vom Jibbon Beach in Bundeena auf die weit entfernte Skyline von Sydney, wanderten anschließend ca. 3km zum Wedding Cake Rock (wo mal wieder ziemlich viele - entschuldigt meine Ausdrucksweise - dumme Touristen Vorschriften und Zäune missachteten und somit ihr Leben für ein Foto riskierten frei nach dem Motto: "Denn mir selbst passiert schon nichts...") und ließen den Nachmittag an der Lagune des Wattamolla Beach ausklingen. Zum Schwimmen war es noch zu kalt, zum Sonnen und Entspannen allerdings ziemlich perfekt. Guter Tag in guter Gesellschaft!

Montag, 12. September 2016

Ozeangiganten & Australiens Hauptstadt

(Sonntag, 04. September bis Dienstag, 06. September 2016)

Sonntag Morgen, 5.00 Uhr und mein Wecker klingelt. Wirklich nicht meine Uhrzeit, aber wer große Pläne hat, muss so etwas in Kauf nehmen. Denn heute stand "Wale beobachten" auf dem Programm. Wieder einmal über Groupon, meiner absoluten Lieblings-App hier drüben, hatte ich einen super Deal erworben. 4 Stunden Whale Watching inklusive Frühstück für 39$. Kann man mal machen ;)
Da ich den Deal schon vor einiger Zeit gekauft hatte, eigentlich um mit zwei anderen Au Pairs diese Tour zu machen, jedoch damals etwas schief lief und es das Angebot nun nicht mehr gab, machte ich mich allein auf den Weg nach Darling Harbour. Halb so schlimm, da kann ich mich dann in Ruhe aufs Fotografieren konzentrieren. Um diese Uhrzeit ist es überall noch so still und friedlich, egal ob in Manly, in Sydney oder vor wenigen Wochen in Melbourne. Da kann ich am frühen Aufstehen vielleicht doch noch Gefallen finden. Auf Rat meiner Gastmutter hatte ich mir am Tag zuvor noch Reisetabletten gekauft, um meiner Seekrankheit vorzubeugen. Somit konnte ich beruhigt das Boot, das später auf dem offenen Ozean noch ordentlich schaukeln und einigen zum Verhängnis werden sollte, betreten und beim eher spärlichen Frühstück dem Guide zuhören, der allgemeine Informationen über Wale, Sydney und seine Geschichte preisgab. Wir schipperten unter der Harbour Bridge entlang des Opernhauses in Richtung North und South Head, zwischen denen es zum Pazifik geht. Eine geschlagene Stunde auf offenem Meer mussten wir nach den Ozeangiganten suchen, bis wir zwei Buckelwale entdeckten und sie für eine gute halbe Stunde beobachteten. Auch wenn man außer ihrer Rückenflosse und ein paar Wasserfontänen nicht viel von ihnen zu Gesicht bekam, war es super beeindruckend. Bisher hatte ich Wale ja nur aus sehr, sehr großer Distanz vom Ufer aus beobachten können (auch das war schon unbeschreiblich toll) und nun das Ganze aus einer anderen Perspektive zu sehen mit der tollen Kulisse der Küste und Skyline Sydneys im Hintergrund, war einfach nur klasse!
Im Anschluss traf ich mich mit Caro am Circular Quay und zusammen deckten wir uns für ein Picknick im Botanischen Garten ein und suchten uns ein schönes Plätzchen auf einer großen, trotz zahlreicher Menschen ruhigen Wiese mit Blick auf die Hochhäuser, die Brücke und das Wasser. Das Wetter war perfekt und die Aussicht ebenfalls. Ich liebe den direkten Kontrast zwischen Natur und Stadt und bin immer wieder fasziniert davon, wie ruhig man es doch haben kann, obwohl man sich mitten in einer Großstadt befindet. 
Abends kamen Steffi und Chris zu Besuch, die gerade mit einem Campervan die Ostküste Australiens erkunden. Durch die besonderen Umstände in meiner Gastfamilie und meine dadurch unvorhergesehene freie Zeit, beschloss ich am nächsten Tag mich ihnen ihrem nächsten Ziel Canberra, der Hauptstadt Australiens, ca. 3,5h (Fahrtzeit) südwestlich von Sydney, anzuschließen. Da ich Mittwoch wieder zurück sein musste und ihr Weg sie nach Melbourne führen würde, fuhr ich mit meinem eigenen Auto. Gegen Mittag kamen wir bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein, aber deutlich kälteren Temperaturen als in Sydney, in Canberra an. Wir besuchten das neue Parlamentshaus, wo man kostenlos auf das Dach hinauf kommt und einen wunderbaren Blick über die Stadt und ihre ähnlich wie in Washington D.C. geradlinig angeordneten Gebäude hat. Anschließend schauten wir in der Bücherei vorbei - die aber im Gegensatz zu Melbournes Bibliothek ziemlich unspektakulär war -, gingen in die kostenlose National Gallery Of Art und fuhren entlang der Anzac Parade zum Australian War Memorial, von wo man dann den umgekehrten Blick in Richtung Parlamentshaus hat. Wir hatten uns vorher gar nicht über die Öffnungszeiten informiert, aber hatten unheimliches Glück. Denn kurz nach unserer Ankunft fand die tägliche (16.55 Uhr) The Last Post Ceremony statt, bei der den im Krieg gefallenen Soldaten gedacht und jeden Tag die Geschichte eines eben dieser Soldaten erzählt wird. Und wir hatten noch einmal besonders Glück, denn genau an dieser Zeremonie haben gut 15 Olympioniken des australischen Teams teilgenommen. In dem Moment konnten wir nicht so recht etwas mit den Gesichtern anfangen, aber anhand der Reaktion anderer Menschen wussten wir, dass da wohl ein paar beliebte Sportler bei sind ;) Im Nachhinein habe ich heraus gefunden, dass die Medaillengewinner Cate Campbell (Schwimmen) und Josh Booth (Rudern) einen Kranz niederlegten. 
Die letzten Sonnenstrahlen nutzen wir dann aus, um uns Essen zu kochen, bevor wir dann zu einem Raststop fuhren, wo wir nächtigten. Es war dank einer dicken Decke nicht so kalt wie erwartet...
Am Dienstag fuhr ich im Nebel zurück nach Sydney. Dieser löste sich zwar schnell auf, doch der Anblick der Landschaft, der sich mir dabei erbot, war atemberaubend. So schön und friedlich. So macht Autofahren noch mehr Spaß! Den restlichen Tag habe ich entspannt zu Hause und abends mit Caro im Gym verbracht - das tat allerdings auch mal wieder ganz gut, vor allem im Hinblick auf vier sehr lange Arbeitstage. 

Dienstag, 6. September 2016

Frühling

(Montag, 29. August bis Samstag, 03. September 2016)

In dieser Woche ist offizieller Frühlingsanfang in Australien. Die "kalten" Wintermonate sind vorbei, und ich glaube niemand ist so wirklich traurig drum ;)
Und in dieser Woche verlief nichts nach Plan.
Während der Montag zunächst noch normal erschien, kam am späten Nachmittag leider die Nachricht, dass der bereits erkrankte Vater meines Gastvaters im Sterben liegt. Mein Gastvater machte sich somit direkt am Montagabend zusammen mit dem Mädchen auf den Weg zu seiner Familie, meine Gastmutter kam mit dem Jungen am Dienstagmorgen nach. Das ist natürlich überhaupt kein schöner Grund, aber unverhofft und unvorbereitet hatte ich nun mehr Freizeit als sonst. Dienstag traf ich mich mit Caro auf einen Kaffee am Strand und ging noch eine Runde ins Gym. Am Montag haben wir mit dem Fitnessprogramm gestartet, was wir nun zwei Mal pro Woche an einem fest vereinbarten Tag (hoffentlich) durchziehen und bisher kann ich nur sagen: ANSTRENGEND! Für mehr reicht meine Puste nicht ;) Aber immerhin sind wir zu zweit und das motiviert ungemein. Wie gesagt, ich bin gespannt, wie sich das die nächsten Wochen noch weiter entwickelt. 
Am Mittwoch habe ich mich mit Verena getroffen, ebenfalls Kaffee, ebenfalls Strand. Lieblingsbeschäftigung! Im Anschluss bin ich zu IKEA gefahren. Nach 8 Monaten Entzug musste mein Drang nach einem Schlendergang durch das Möbelhaus dringend gestillt werden ;) Da das Geschäft relativ weit entfernt ist, ich nun unverhofft viel Zeit hatte und mein Zimmer noch ein paar Kleinigkeiten benötigte, war es die perfekte Ausrede, "mal eben" hinzufahren. Tat gut, fühlte sich fast wie ein Stückchen Heimat an :D
Donnerstag passte ich auf das Baby auf und abends war dann auch meine Gastfamilie wieder da. Ich muss zugeben, dass ich nicht gerne allein in diesem großen, etwas abgelegenen Haus bin und sehr froh über ihre Rückkehr war. Außerdem erfuhr ich, dass nächste Woche nun ähnlich wie diese ablaufen wird, da meine Gastfamilie für die Beerdigung noch einmal ein paar Tage zum Rest der Familie fährt. Eine sehr bedrückende, traurige Situation, die Kinder verstehen es allerdings noch nicht so ganz, vor allem der Kleine nicht. 
Am Freitag war wieder ein ganz normaler Arbeitstag für mich, der Junge und ich verbrachten einen gemütlichen Morgen zu Hause, er begleitete mich anschließend zum Frisör, wo ich (zum ersten, aber wohl auch zum letzten Mal) für schlappe 55$ meine von der Sonne und dem Salzwasser kaputten Spitzen schneiden ließ, und vertrieben die verbleibende Zeit in der Bücherei. 
Am Samstag musste ich ab Mittag babysitten. Leider länger als gedacht, denn ich hatte schon Pläne für den Abend geschmiedet, aber meine Gastmutter bat mich darum, ihr noch weiter auszuhelfen. War im Endeffekt okay, es gab abends ein leckeres Barbecue in netter Gesellschaft, dennoch das erste richtige Missverständnis zwischen uns, was meine Arbeitszeit angeht. Kommunikation ist alles - und die ist normalerweise super zwischen uns. Deshalb mache ich mir da auch keine weiteren Gedanken drüber. Passiert. Wenn auch hoffentlich nur dieses eine Mal ;)