Dienstag, 13. September 2016

Achtung, Spinne im Anflug!

(Mittwoch, 07. September bis Sonntag, 11. September 2016)

Nicht nur die Spinnen hatten es diese Woche auf mich abgesehen, auch ein weiteres Mitglied der australischen Tierwelt war nicht gut auf mich zu sprechen...
Da diese Woche wegen der Beerdigung alles etwas vom normalen Plan abwich, passte ich bereits am Mittwoch auf das Baby auf - es lief alles wunderbar, auch wenn sie wegen eines Hustens ebenfalls nicht ganz in ihrer Routine drin und etwas quengelig war. Abends kam meine Gastfamilie zurück, ich half beim Abendessen und sprach die nächsten Tage mit ihnen ab. Eigentlich war für Donnerstag geplant, dass ich den Jungen übernehme, damit meine Gastmutter ein paar Dinge für das Haus erledigen kann. Nachdem ich die 7-Jährige allerdings an der Schule abgesetzt hatte, bekam ich die frohe Botschaft, doch bis zum Nachmittag frei zu haben. Somit saß ich für eine Weile mit Kaffee in der Hand am Strand und schaute Caro und Verena beim Surfen zu. Ich hätte mich gern dazu gesellt, aber die Stunde bestand komplett aus Anfängern und hätte mir persönlich wohl nicht ganz so viel gebracht. Später war ich dann noch mit dem Kleinen am Collins Beach, um Muscheln zu sammeln. Der Frühling ist da! Und mit ihm leider auch die Spinnen... Waren sie in den Wintermonaten wie vom Erdboden verschluckt, kann man nun einige hier und dort in den Büschen und Bäumen entlang der Wege entdecken. Es dauert wohl nicht mehr lang, bis alles wieder voll hängt. Ih!
Damit nicht genug: Am Freitag passierte dann das, wovor ich mich hier (so ziemlich) am meisten fürchte. Ich hatte zunächst beide Kids daheim, da in der Schule der Großen ein Magen-Darm-Virus (über 150 betroffene Kinder) umherging, den wir umgehen wollten. Die Kinder spielten wunderbar miteinander, ich schmiss den Haushalt und zusammen haben wir Lebkuchenmänner (und -eistüten) gebacken. Weihnachtsstimmung im September - warum nicht?! ;) Nachmittags aßen wir zunächst am Little Manly Beach ein Eis und fuhren im Anschluss an den Clontarf Beach auf den Abenteuerspielplatz, wo wir (abgesprochen) auf Caro und ihre Gastkinder trafen. Bis dahin ein schöner und entspannter Tag. Auf dem Heimweg schrie das Mädchen auf einmal auf: "Merle, da ist gerade eine riesengroße Spinne auf unser Auto gefallen und nun krabbelt sie an meinem Fenster entlang!" - Wie bitte?! Ich dachte zunächst, sie will mich veräppeln oder sie würde sich einfach täuschen und es war nur ein Blatt oder ähnliches. Da ich mich auf die Autofahrt konzentrieren wollte, bat ich sie das Thema fallen zu lassen. Zu Hause angekommen fragte sie dann: "Darf ich jetzt wieder über die Spinne reden? Ich glaub das war eine kleine Huntsman." (Anmerkung: ungefähr die ekeligste Spinne, die es gibt. Groß, braun, dicker Körper und dicke, lange Beine, allerdings ungefährlich.) Immer noch etwas zweifelnd und doch etwas verängstigt, bewaffnete ich mich und sprang nach kurzem Zögern aus dem Auto. Keine Spinne weit und breit. Und ich war nun der Überzeugung, das Mädchen hätte sich versehen. 
Aus den Augen, aus dem Sinn. Nach dem Motto stieg ich abends wieder in meinen fahrbaren Untersatz, da ich mit Caro und Verena im Steyne verabredet war. Dank einer Vollbremsung, ausgelöst durch einen rücksichtslosen Taxifahrer, wurde ich eines Besseren belehrt und eine (für australische Verhältnisse) mittelmäßig große Spinne, wie schon erwähnt eventuell eine kleine Huntsman, rutschte vom Dach über die Windschutzscheibe hinunter zu den Scheibenwischern und krabbelte dann im Zick Zack quer über das Glas. Das Mädchen hatte Recht! Gänsehaut pur!!! Ich bekomme jetzt noch welche, wenn ich nur daran denke... Ich fuhr völlig überrumpelt und überfordert einfach weiter und sammelte Caro ein, die ich aufforderte, möglichst schnell in den Wagen zu steigen. Die Spinne war wohl irgendwo auf ihrer Seite, zumindest wurde sie dort das letzte Mal gesichtet. Dass Caro noch mehr Angst vor den Tieren hat als ich, half uns dann nicht so wirklich weiter. Wir saßen erst einmal im Auto fest. Haha, wirklich eine der lustig-verweifelt-komischsten Situationen, in der ich mich jemals befunden habe :D  
Wieder einmal sprang ich bewaffnet aus dem Wagen und wieder einmal war keine Spinne in Sicht. Seither ist sie verschwunden, aber ich bin geprägt. Mit offenem Fenster Auto fahren?! Sollte ich mir eventuell das nächste Mal noch einmal überlegen, denn ob die Situation auch so glimpflich ausgegangen wäre, wenn sich das Ganze IM Auto abgespielt hätte, das kann ich mir nicht vorstellen. 
Am Samstag habe ich den ganzen Tag gearbeitet, und damit meine ich wirklich den ganzen Tag. Ab halb 10 habe ich bis in den Nachmittag hinein wieder auf das Baby aufgepasst. Dort dann der zweite, traumatisierende Vorfall. Wir waren bei schönstem Wetter ganz entspannt spazieren, bis ich auf einmal einen Flügelschlag am Ohr und im Gesicht spürte. Völlig verwirrt schaute ich mich um und bevor ich realisieren konnte, was da gerade passiert ist, geschah es ein zweites Mal. Ein großer schwarz-weißer Vogel fiel wieder über mich her und flog in den nächsten Baum. Beim dritten Angriff konnte ich ausweichen. Es war mir egal, wie bescheuert das ausgesehen haben muss, aber danach hielt mich nichts mehr zurück und ich rannte, in der einen Hand den Kinderwagen, die andere Hand wild in der Luft herum fuchtelnd, in Sicherheit, den Vogel immer im Auge behaltend. Was ist denn bitte hier los?! Ich erfuhr später, dass es sich um einen Magpie (Flötenvogel) handelte und es zur Brutzeit normal ist, dass er Menschen angreift, um sein Nest zu schützen. In Canberra ist es wohl so schlimm, dass die Menschen präparierte Hüte und Fahrradhelme tragen, damit dieser Vogel sie gar nicht erst angreifen kann. Gut zu wissen... Es ist ja alles harmlos ausgegangen, aber die Strecke werde ich in nächster Zeit auf jeden Fall meiden.
Abends war ich dann von einer österreichischen Familie auf Urlaub als Babysitter auf einer Hochzeit engagiert. Ich fuhr also in die Stadt und bespaßte einen 1,5-jährigen Jungen und ein 3,5-jähriges Mädchen. Der Tag hat sich auf jeden Fall gelohnt und meine Spardose für den Reisemonat im Januar ordentlich gefüllt :)
Am Sonntag fuhr ich mit Marie und einer Freundin von ihr, Hayley, in den Royal National Park. Zunächst genossen wir die fast menschenleere Aussicht vom Jibbon Beach in Bundeena auf die weit entfernte Skyline von Sydney, wanderten anschließend ca. 3km zum Wedding Cake Rock (wo mal wieder ziemlich viele - entschuldigt meine Ausdrucksweise - dumme Touristen Vorschriften und Zäune missachteten und somit ihr Leben für ein Foto riskierten frei nach dem Motto: "Denn mir selbst passiert schon nichts...") und ließen den Nachmittag an der Lagune des Wattamolla Beach ausklingen. Zum Schwimmen war es noch zu kalt, zum Sonnen und Entspannen allerdings ziemlich perfekt. Guter Tag in guter Gesellschaft!

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